In der Gumpendorfer Straße, im Herzen von Mariahilf, brodelt es gewaltig. Anwohner sind frustriert über die Vorfälle rund um das Suchthilfezentrum Jedmayer. Die Sorgen der Menschen wurden bei einer jüngsten Bürgerversammlung laut, wo etwa 120 Anwohner zusammenkamen, um ihre Ängste zu schildern. Die Versammlung war nur für eingeladene Nachbarn zugänglich – eine Art geschützter Raum, um offen zu diskutieren. Bezirkschefin Julia Lessacher, die die Versammlung eröffnete, musste sich den hitzigen Diskussionen stellen.
Drogensüchtige, so berichten die Anwohner, halten sich zunehmend in Stiegenhäusern und Kellern auf, was zu einem Gefühl der Unsicherheit führt. Berichte von gestohlenen Fahrrädern und sogar von einem Brand im Keller – ausgelöst durch Drogenkonsum – schüren die Ängste weiter. Da fragt man sich doch: Wie kann man mit einer solchen Situation umgehen? Einige Nachbarn fordern die Verlegung des Suchtzentrums an den Stadtrand oder sogar die Einrichtung von Konsumräumen. Doch das scheint eher unrealistisch zu sein, zumindest laut Bezirksvorsteher Markus Rumelhart (SPÖ), der den Vorschlag 2018 als „unrealistisch“ abtat. Stattdessen wurde ein 7-Punkte-Maßnahmenplan präsentiert, der unter anderem eine Schutz- und Alkoholverbotszone sowie eine Erhöhung der Polizeipräsenz vorsieht.
Einblicke in die Suchthilfe
Das Suchthilfezentrum Jedmayer ist Teil des Gelben Hauses der Suchthilfe Wien, das an der Ecke Gumpendorfer Straße und Gumpendorfer Gürtel liegt. Hier werden Menschen mit Suchterkrankungen in einem Tageszentrum betreut, das Aufenthaltsmöglichkeiten, Beratung, medizinische Behandlung und sogar eine Notschlafstelle mit 26 Betten für Obdachlose anbietet. Die Türen stehen sieben Tage die Woche offen und die Geschäftsleitung freut sich über den Besuch interessierter Anwohner. Für alle, die mehr über die Angebote erfahren möchten, gibt es Führungen – die nächste findet am 24. April 2024 statt. Anmeldung ist allerdings nötig, damit alles organisiert werden kann.
Die Stadt Wien hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Herausforderungen rund um Sucht und Drogenkonsum anzugehen. Nicht nur in Mariahilf, sondern auch in anderen Städten wird der Drogenkonsum im öffentlichen Raum zunehmend sichtbar. Bahnhöfe, Parks und sogar Spielplätze sind betroffen. Das bringt nicht nur Herausforderungen für die Anwohner mit sich, sondern auch Gefahren, insbesondere für Kinder, die eventuell mit liegengebliebenen Spritzen konfrontiert werden könnten. Bei einem Fachgespräch im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) wurde kürzlich die Notwendigkeit betont, den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass er für alle sicher und attraktiv bleibt.
Natürlich ist die Lösung des Problems nicht einfach. Der Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Obdachlosigkeit ist unübersehbar, und jeder vierte obdachlose Mensch leidet an einer Suchterkrankung. Hier sind also nicht nur die Anwohner gefordert, sondern auch die Stadt und ihre Einrichtungen. Die Erfahrungen anderer Städte wie Köln oder Hamburg könnten dabei helfen, tragfähige Lösungen zu finden. Ein spannendes, wenn auch herausforderndes Thema, das uns alle angeht.