Heute ist der 5.05.2026 und die Josefstadt hat einen bedeutenden Abschied zu feiern. Nach 20 Jahren als Direktor verabschiedet sich Herbert Föttinger von der Bühne, und das nicht ohne Wehmut. In seiner Zeit an der Josefstadt hat er die Theaterlandschaft mit 288 Premieren geprägt, darunter 70 Uraufführungen und 38 österreichische Erstaufführungen. Eine beeindruckende Bilanz, wenn man bedenkt, dass das Theater eine durchschnittliche Auslastung von 85 Prozent hatte – insgesamt strömten rund 5 Millionen Besucher ins Haus. Der Kartenerlös von 138 Millionen Euro und zusätzliche 20 Millionen Euro an Sponsorengeldern sind ein weiteres Zeichen seiner erfolgreichen Arbeit.

Sein Motto – „Die Tradition im Griff, die Zukunft im Auge“ – hat nicht nur die künstlerische Ausrichtung bestimmt, sondern auch den Fokus auf österreichische Klassiker und heimische Dramatik gelegt. Peter Turrini, ein wichtiger Verbündeter in seinem Schaffen, hat ihm dabei zur Seite gestanden. Föttinger hat auch mutig gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen und sich nicht gescheut, Missbrauch und soziale Ungerechtigkeiten auf die Bühne zu bringen. Bei der Generalsanierung von Haupthaus und Kammerspielen zeigte er sich ebenfalls als Visionär, der das Theater für die kommenden Jahre rüstet.

Ein Blick hinter die Kulissen

Trotz der Erfolge war Föttinger nicht ohne Fehler. In einem offenen Gespräch räumte er ein, dass seine Führungsweise nicht immer perfekt war und er sich für manche Entscheidungen entschuldigte. Besonders die Themen sexuelle Belästigung und das „Klima der Angst“ haben in den letzten Jahren die Diskussionen im Theater geprägt. Föttinger hat sich bemüht, die Gagen zwischen Schauspielerinnen und Schauspielern anzugleichen und für ein besseres Arbeitsklima zu sorgen.

Seine Nachfolgerin, Marie Rötzer, wünscht er nur das Beste, während er sich auf die nächste Phase seines Lebens vorbereitet. Aber nicht nur die Bühne wird ihn vermissen. Auch die kleinen Dinge, wie das „Panini“-Stickerheft zur Feier seines 20-jährigen Jubiläums, das an der Theaterkasse erhältlich ist, wird vielen im Gedächtnis bleiben.

Persönliche Gedanken und der Blick nach vorn

Interessanterweise äußerte sich Föttinger auch zu aktuellen politischen Themen. Ein Bild von Donald Trump, der sich als Jesus darstellt, brachte ihn dazu zu sagen, dass Trump entweder die Menschen verarscht oder nicht ganz bei Verstand ist. Darüber hinaus spricht er die problematische politische Situation in Ägypten an und bezeichnet das Land als Militärdiktatur. Seine Gedanken dazu sind prägnant: Er hat keinen Einfluss auf das politische System dort und überlässt die Politik den Ägyptern. Auf die Frage nach den häufigen Aufenthalten in Ägypten sagte er, dass sein Sohn diese toll findet – allerdings ist er sich nicht ganz sicher, wie begeistert der Kleine wirklich ist. Immerhin könnte man ja im Notfall schnell nach Wien zurückfliegen.

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So schließt sich ein Kapitel, das nicht nur durch Kunst, sondern auch durch Menschlichkeit, Fehler und Lernprozesse geprägt war. Herbert Föttinger hat mit seiner Leidenschaft für das Theater und seinem unermüdlichen Einsatz viele Herzen erreicht und die Josefstadt auf neue Wege geführt. Die Bühne bleibt, doch der Mensch hinter dem Vorhang hinterlässt eine bleibende Spur.