Lienz unter der Sonne: Auf dem Weg zur Klimaneutralität
In Lienz, wo die Sonne 2023 bereits an 28 Tagen über 30 Grad Celsius strahlte, wird die Luft ganz schön heiß. Um den Vergleich deutlich zu machen: In den Jahren von 1991 bis 2020 gab es im gleichen Zeitraum bis Mitte Juli gerade mal sechs solcher Hitzetage. Das ist eine ganz andere Hausnummer, oder? Die Stadt hat sich daher auf die Fahnen geschrieben, einen Klimaneutralitätsfahrplan bis 2040 zu entwickeln. Ein ambitioniertes Ziel, das durchaus notwendig ist, wenn man bedenkt, wie sich der Klimawandel bemerkbar macht, vor allem in der Mobilität, bei den Gebäuden und in der Kreislaufwirtschaft.
Ein Teil dieser Strategie ist der Fokus auf Bäume und die Planung von Grünräumen. Man könnte sagen, Lienz setzt auf die grüne Karte. Das Schwammstadtprinzip, das gerade in aller Munde ist, soll helfen, die Baumkulturen zu verbessern. Hierbei werden die ersten drei Schwammstadtbäume am Egger-Lienz-Platz in spezielles Substrat gepflanzt. Dieses Substrat speichert Wasser und bietet Platz für die Wurzeln. Und das Beste daran? Es besteht aus regionalen Ressourcen wie Komposterde und Pflanzenkohle. Ein echter regionaler Win-Win! Allerdings, der Spaß hat seinen Preis – rund 15.000 Euro kostet der Unterbau für einen solchen Baum. Da fragt man sich schon, woher das Geld kommen soll.
Herausforderungen und Lösungen
Doch die Bepflanzung des Hauptplatzes hat ihre Tücken. Unterirdische Infrastruktur und Platzmangel stellen eine große Herausforderung dar. Und obwohl Bäume nur ein Teil der Lösung für die Klimaanpassungen sind, ist ihre Bedeutung nicht zu unterschätzen. In Lienz gibt es auch die EU-Richtlinie, die Energieausweise für öffentliche Gebäude verlangt. Das Problem? Viele dieser Gebäude sind denkmalgeschützt, was eine Sanierung nicht gerade zum Kinderspiel macht.
Die Mobilität hat in diesem Kontext den größten Einfluss auf die Treibhausgasemissionen. Staus und der Pendlerverkehr bringen die Stadt zum Erliegen – und das hat nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf die Lebensqualität der Menschen. Besonders vulnerable Gruppen wie ältere Personen, Kinder oder Menschen mit Vorerkrankungen benötigen Hitzeschutz. Daher hat die Stadt im Juni während der Hitzewelle Tipps zur Hitzeprävention an die Bevölkerung kommuniziert – ein erfreuliches Zeichen, dass die Verantwortlichen handeln.
Ein Blick über die Grenzen
Wohlgemerkt, das Thema Klimaanpassung ist nicht nur ein österreichisches Problem. Die Bundesregierung in Deutschland hat bereits eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel entwickelt, die als politischer Rahmen dient. Dabei wird eine sektorenübergreifende Herangehensweise verfolgt. Die Klimawirkungs- und Risikoanalyse zeigt, dass weniger als die Hälfte der Wohnimmobilien gegen Naturgefahren versichert sind. Das wirft Fragen auf und zeigt Handlungsbedarf. In urbanen Gebieten sind die Temperaturen oft bis zu 10 Grad höher als im Umland, und das hat seine Ursachen: Versiegelte Flächen speichern Wärme, dunkle Materialien absorbieren Sonnenstrahlung und es mangelt an Bäumen, die für Verdunstungskühlung sorgen könnten.
Ein Stadtbaum kann bis zu 30 kW Kühlleistung bieten – eine beeindruckende Zahl! Doch die heißesten Stadtteile sind häufig auch die einkommensschwächsten, was auf historische Planungsfehler zurückzuführen ist. Hitzewellen stellen die größte Gefahr dar, und in Deutschland starben 2022 etwa 4.500 Menschen hitzebedingt. Daher sind sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen gefordert: Trinkwasserbrunnen, Kühlorte und die Neuanpflanzung von Straßenbäumen sind nur einige der Ideen, die auf dem Tisch liegen.
Wohin der Weg führt
Kommende gesetzliche Vorgaben, wie das Klimaanpassungsgesetz, verpflichten Kommunen bis Juli 2024 zur Entwicklung von Anpassungsstrategien. Und das Baugesetzbuch nennt Klimaschutz und Klimaanpassung als Belange der Bauleitplanung. Es wird spannend, wie sich diese Regelungen auf die Stadtentwicklung in Lienz auswirken werden. Denn letztlich sind es die Bürger, die durch eigene Maßnahmen wie die Entsiegelung von Vorgärten und die Verwendung heller Fassadenfarben aktiv werden können – jeder kann seinen Teil beitragen!
Das alles zeigt, dass der Weg zu einem klimagerechten Lienz ein langer und steiniger ist, aber auch einer, der voller Möglichkeiten steckt. Und wer weiß, vielleicht wird in einigen Jahren der Egger-Lienz-Platz nicht nur ein schattiges Plätzchen zum Verweilen, sondern auch ein Symbol für den Klimaschutz in der Stadt.
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