In einem kleinen Ort namens Weiz lebt zurzeit ein bemerkenswerter junger Mann: Mosab Al Khalaf. Der 23-Jährige ist ein Beispiel für Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit. Er hat in nur neun Monaten Deutsch gelernt – und das, obwohl er nicht aus einem deutschsprachigen Land kommt. Mosab floh mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder vor dem Krieg in Syrien und fand sich schließlich in Österreich wieder, wo er jetzt eine Lehre als Mechatroniker bei Siemens Energy begonnen hat.
Seine Reise war alles andere als einfach. Mosab lebte sechs Jahre in Syrien, bevor er mit seiner Familie in die Türkei floh. Dort arbeitete er auf Baustellen, obwohl er eigentlich Maler gelernt hatte. Doch das Schicksal wollte es anders: Er hatte keine Zeugnisse für seine Ausbildung, da er zu jung war, um arbeiten zu dürfen. Mit 17 Jahren kehrte seine Mutter nach Syrien zurück, während Mosab und sein Bruder in der Türkei blieben. Nach acht Jahren entschloss er sich, ein neues Leben in Österreich zu beginnen. Die Motivation kam von seinem älteren Bruder, der bereits als Ingenieur in Deutschland tätig war.
Ein Neuanfang in Österreich
Die Reise nach Österreich war lang und beschwerlich. Mosab machte sich allein auf den Weg über Griechenland, Mazedonien und Serbien, oft zu Fuß. In Griechenland musste er drei Tage ohne Essen auskommen – eine Erfahrung, die ihm nicht leicht gefallen sein dürfte. Nach seiner Ankunft in Österreich wurde er in einem Asylheim untergebracht, wo er sich auf die Sprache konzentrierte. Täglich drei Stunden YouTube-Videos schauten, um Deutsch zu lernen, ist für viele unvorstellbar, aber für Mosab war es der Schlüssel zu seinem neuen Leben.
Innerhalb von neun Monaten konnte er die deutsche Sprache so gut sprechen, dass er die Polytechnische Schule in Wien abschloss und anschließend die Lehre bei Siemens Energy begann. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren war seine Motivation ungebrochen. Er hat in verschiedenen Abteilungen gearbeitet, Teile zerlegt und aufgeschraubt. Sein Engagement zahlte sich aus: Im ersten Berufsschuljahr schloss er mit einem Notendurchschnitt von 1,5 ab. Technik und Physik sind seine großen Leidenschaften, und am Wochenende liest er gern Sachbücher. Wandern gehört auch zu seinen Hobbys – ein kleiner Ausgleich zum stressigen Alltag.
Brücken bauen durch Sprache
Die Sprachkenntnisse, die Mosab erlangt hat, sind nicht nur für seine Ausbildung wichtig, sondern auch für seine Integration in die Gesellschaft. Er spricht Arabisch, Türkisch und Englisch und hat das Gefühl, dass Sprache ein Schlüssel zu neuen Freundschaften ist. Allerdings hat er in Weiz noch nicht viele Freunde, da sein Fokus klar auf seiner Ausbildung liegt. Die Telefonate mit seinen Eltern sind für ihn eine wichtige Verbindung zur Heimat. Besonders schmerzlich ist der Gedanke, dass er seinen Vater seit seiner Abreise aus Syrien nicht mehr gesehen hat. Mosab plant, seine Eltern zu besuchen, sobald er seine Lehre abgeschlossen hat.
Sein Weg ist jedoch nicht einzigartig. Laut einer Untersuchung des BAMF zeigt sich, dass viele Geflüchtete, die in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland kamen, ähnliche Erfolge im Spracherwerb verzeichneten. Über 90 Prozent dieser Gruppe gaben bis 2023 an, mindestens mittlere Deutschkenntnisse zu haben. Der Zugang zu Sprachförderungsangeboten spielte eine entscheidende Rolle für ihre Integration. Mosab ist ein Beispiel dafür, wie wichtig Sprache für ein neues Leben ist. Sie ermöglicht nicht nur die berufliche Entfaltung, sondern auch die kulturelle und soziale Teilhabe in einer neuen Gesellschaft. Im Großen und Ganzen macht es Mut zu sehen, dass Menschen, die ähnliche Herausforderungen wie Mosab meistern, einen bedeutenden Beitrag zu ihrer neuen Heimat leisten können.