In der kleinen Gemeinde Neumarkt, genauer gesagt in Zeutschach, gibt es eine Geschichte, die zeigt, wie aus einem belächelten Traum ein florierendes Gasthaus werden kann. Herbert Kölbl, damals 24 Jahre alt und frisch gebackener Koch, wagte 1989 den Schritt und kaufte den „Fischerwirt“. Was für viele nur ein schlichtes Gasthaus war, wurde für ihn und seine Frau Birgit zur Lebensaufgabe. Während Herbert als Schlosser bei Voest in Donawitz arbeitete, begann er parallel eine Kochlehre. Gleichzeitig fiel der Blick auf das Gasthaus – und so nahm das Abenteuer seinen Lauf.
Die Anfangszeit war alles andere als einfach. Das Paar wurde belächelt, als sie hart arbeitend und voller Leidenschaft den „Fischerwirt“ an den Graslupp-Teichen in ein erfolgreiches Restaurant mit Apartments und Wellnessbereich verwandelten. Sie schafften es, ein Konzept zu entwickeln, das die Gäste nicht nur mit gutem Essen, sondern auch mit einem besonderen Ambiente anlockte. Die großen Eisbecher, die 1993 durch ein Werbeplakat beworben wurden, wurden schnell zum Markenzeichen. Über 10.000 Abzüge dieses Plakats wurden verschickt, und schon bald strömten über 100 Gäste für ein Eisessen in die kleine Gaststätte.
Ein langer Weg voller Herausforderungen
Über 30 Jahre lang hatte der Fischerwirt keinen Ruhetag. Das klingt nach einer unglaublichen Leistung! Doch die Pandemie hat auch vor den Kölbls nicht Halt gemacht. Nach Corona sahen sie sich mit Personalmangel konfrontiert und mussten schließlich einen Ruhetag einführen. Herbert Kölbl, mittlerweile 60 Jahre alt, hat jedoch nicht vor, sich zur Ruhe zu setzen. Im Gegenteil, er möchte weiterhin aktiv in der Küche stehen und hat noch viele Ideen im Kopf. Auch seine Frau Birgit, die stets betont, dass die Herausforderungen in der Gastronomie nicht zu unterschätzen sind, sieht das Positive überwiegen. Es ist ein stetiger Balanceakt, doch die Leidenschaft für die Gastronomie treibt sie an.
Im Herbst wird das Gasthaus an die nächste Generation übergeben. Tochter Angelika und ihr Lebensgefährte Christoph treten in die Fußstapfen der Kölbls. Das zeigt, wie wichtig Familientraditionen in der Gastronomie sind. In einer Zeit, in der sich die Branche durch verschiedene Herausforderungen wandelt, bleibt es spannend zu beobachten, wie die Kölbls ihr Erbe an die Jüngeren weitergeben.
Gastronomie im Wandel
Die Gastronomiebranche insgesamt, nicht nur in Österreich, steht vor großen Umwälzungen. Die Pandemie hat nicht nur alte Gewohnheiten verändert, sondern auch neue Herausforderungen geschaffen. In Deutschland beispielsweise konnten über 80% der Betriebe im Jahr 2023 offene Stellen nicht besetzen. Viele Gastronomen müssen sich neuen Konsumgewohnheiten anpassen. Der Druck auf traditionelle Betriebe wächst: steigende Betriebskosten durch die Energiekrise, Konsumzurückhaltung aufgrund von Inflation und der Rückgang der Mittagskundschaft durch Homeoffice sind nur einige der Faktoren, die die Branche belasten.
Doch nicht alles ist düster. Innovative Konzepte sprießen aus der Not. Hybride Modelle, die tagsüber Co-Working-Spaces und abends Restaurants bieten, oder die Nutzung von digitalen Speisekarten zur Gästebindung sind nur einige Beispiele. Auch Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Erfolgsfaktor – lokale Lieferketten und Zero-Waste-Ansätze finden zunehmend Anklang. Und während die Gastronomie sich wandelt, bleibt der Wunsch nach menschlichen Erlebnissen ungebrochen.
So bleibt der Fischerwirt ein leuchtendes Beispiel für den Mut und die Entschlossenheit, die in der Gastronomie gefragt sind. Die Kölbls haben gezeigt, dass man auch aus einer belächelten Idee etwas Großes schaffen kann. Und während die Welt draußen immer schneller dreht, bleibt ihr Gasthaus ein Ort der Begegnung, des Genusses und der Tradition.