In Graz, der Stadt der Geschichten und der unaufhörlichen Kreativität, ist etwas Merkwürdiges geschehen. Bei dem Festival „Graz erzählt“, das heuer zum letzten Mal stattfindet, fehlt plötzlich ein ganz spezielles Kunstwerk: eine schwere Holzbank, die Teil der Installation „Graz träumt“ war. Diese Bank war nicht nur irgendein Stück Holz – sie war ein Kunstwerk, geschmückt mit Tieren und voller Leben. Tessa Erker-Tegetthoff, die Intendantin des Festivals und Tochter des Gründers Folke Tegetthoff, hat bereits die Polizei kontaktiert und plant, Anzeige zu erstatten. Es ist einfach unfassbar, dass so etwas mitten in Graz passieren kann!
Die 39. Ausgabe des „Austrian Storytelling Festival“ hätte ein Fest des Erzählens, der Kreativität und der Kunst sein sollen. Doch nun überschattet das Verschwinden der Bank die Vorfreude auf die Veranstaltungen. Erker-Tegetthoff hat sogar einen Käufer für die Bank gefunden, die nach dem Festival verkauft werden sollte. „Ich hoffe auf eine baldige Rückgabe der Bank“, sagt sie. Die Erzählkunst hat in Graz eine lange Tradition, und mit dem Verschwinden der Bank könnte ein Stück dieser Tradition verloren gehen.
Ein Abschied von „Graz erzählt“
Das Festival hat über die Jahre hinweg viele Geschichtenerzähler und Künstler angezogen, die ihre Talente und Geschichten mit einem breiten Publikum teilen konnten. Das Ziel des Festivals war es immer, die Kunst des Erzählens zu fördern und zu feiern. Doch heuer ist alles anders. Tessa Erker-Tegetthoff kündigte an, dass dies die letzte Ausgabe sein wird, und das aus einem ganz traurigen Grund: mangelnde Wertschätzung. Es ist ein herber Verlust für die Kultur in Graz, denn solche Veranstaltungen ziehen nicht nur zahlreiche Besucher an, sondern bereichern auch das kulturelle Leben der Stadt.
Die Stadt hat sich immer bemüht, Kunst im öffentlichen Raum zu fördern – beispielsweise durch das Kulturförderungsgesetz in Niederösterreich. Es gibt viele Projekte, die kunstvolle Interventionen und Platzgestaltungen in der Umgebung ermöglichen. Kunst soll lebendig sein, soll zum Denken anregen und die Menschen miteinander verbinden. So wurden in den letzten Jahrzehnten unzählige künstlerische Arbeiten realisiert, die zum Teil versteckt, zum Teil prominent in der Landschaft verteilt sind. Kunst funktioniert nicht nur als Blickfang, sondern auch als ein Medium der Auseinandersetzung. Das „Graz erzählt“-Festival war ein wichtiger Teil dieses lebendigen Kunstbetriebs.
Die Vorfreude auf das Festival war groß, doch nun bleibt ein schaler Nachgeschmack, während die Stadt sich auf den Abschied vorbereitet. Braucht es wirklich erst das Verschwinden eines Kunstwerks, um die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum zu erkennen? Es bleibt zu hoffen, dass die Erinnerungen an die Geschichten und die Kunstwerke, die Graz über die Jahre hinweg geprägt haben, nicht in Vergessenheit geraten. Vielleicht wird die Rückkehr der Bank, sollte sie denn eines Tages wieder auftauchen, eine neue Diskussion über Kunst und Wertschätzung anstoßen. Irgendwie bleibt die Hoffnung, dass die Geschichten weiter erzählt werden – mit oder ohne Bank.