Die Wölfe sind zurück – und zwar nicht nur in den Geschichten von Großmutter. Im Bezirk Rohrbach hat sich die Situation in den letzten Wochen spürbar verändert. Seit dem 4. Mai 2023 wurden bereits acht Sichtungen und ein Riss, der dem Wolf zugeordnet werden kann, gemeldet. Das hat nicht nur die Jägerschaft in Aufregung versetzt, sondern auch die Landwirte und Anwohner, die in ländlicher Idylle leben und sich plötzlich mit dem Gedanken an Wölfe arrangieren müssen.
Bezirksjägermeister Martin Eisschiel äußert sich zur aktuellen Lage als „verträglich“, doch das Wort „Bedenken“ schwingt mit. Die jungen Wölfe verlassen ihre Rudel, was bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit auf weitere Sichtungen steigt. Besonders entlang der Grenze zu Tschechien scheinen die Wölfe sich wohlzufühlen. Es ist fast so, als hätten sie ein geheimes Treffen vereinbart, bei dem sie über ihre nächste Wanderung diskutieren.
Wölfe im Bezirk Rohrbach: Ein wachsendes Phänomen
Im Jahr 2025 wurden im Bezirk insgesamt 20 Sichtungen registriert; heuer sind es bisher acht. Das klingt erst mal nicht viel, doch mit zwei aktiven Rudeln – eines mit fünf bis sieben Tieren im Böhmerwald und ein weiteres, das grenzüberschreitend umherstreift – könnte die Zahl schnell steigen. Die Wolfspopulation in Österreich hat sich erhöht: 121 Wölfe wurden 2025 nachgewiesen, im Vergleich zu 102 im Jahr zuvor. Da kann einem schon mulmig werden, wenn man an die eigenen Schafe denkt.
Die Gefahr, dass Wölfe lernen, Nutztiere zu jagen, ist besonders für die Landwirtschaft ein ernsthaftes Problem. Wie Eisschiel warnt, könnte dies zu Konflikten führen, die sowohl für die Landwirte als auch für die Tiere selbst fatale Folgen haben. Die OÖ Wolfsmanagementverordnung von 2023 regelt den Umgang mit diesen Raubtieren und lässt sogar Vergrämungsmaßnahmen oder eine Abschussfreigabe zu. Im letzten Jahr wurde im Bezirk Rohrbach eine solche Freigabe erteilt, jedoch gelang es nicht, den Wolf zu fangen.
Monitoring und Schutz der Wölfe
Doch nicht alles ist so einfach, denn der Wolf steht unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Das bedeutet, dass sein Erhaltungszustand ständig überwacht werden muss. Alle sechs Jahre müssen die Ergebnisse dieser Beobachtungen an die Europäische Kommission berichtet werden. Das Monitoring umfasst nicht nur die Zählung der Tiere, sondern auch das Sammeln von Sichtungen aus der Bevölkerung. Hier kommen passive Methoden ins Spiel, bei denen Hinweise wie Sichtbeobachtungen archiviert werden. Gleichzeitig gibt es auch aktive Methoden, etwa genetische Analysen und den Einsatz von Fotofallen, um mehr über die Tiere zu erfahren.
Die Verantwortung für das Monitoring liegt bei den einzelnen Bundesländern, was bedeutet, dass die Methoden und Organisationen variieren können. Das jährliche Treffen der mit dem Monitoring beauftragten Personen sorgt dafür, dass die Daten ausgewertet und aktualisiert werden. Am Ende gibt es dann Vorkommens- und Territoriumskarten für Wolf und Luchs – so kann man sich ein Bild davon machen, wo die Wölfe sich bewegen.
In Rohrbach sind die Wölfe längst kein Märchen mehr, sondern Realität. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation entwickelt und ob die Bedenken von Martin Eisschiel berechtigt sind. Vielleicht wird die nächste Sichtung auch bei einem Spaziergang durch den Wald zum aufregenden Erlebnis – oder doch eher zum Anlass für ein mulmiges Gefühl. Wer weiß das schon?