In St. Pölten war am vergangenen Wochenende ein ganz besonderer Abend angesagt. Der Abschiedsabend auf der Bühne des Landestheaters markierte das Ende einer Ära. Intendant Herbert Föttinger verabschiedete sich nach seiner letzten Premiere in der Josefstadt und übergab das Zepter an seine Nachfolgerin Marie Rötzer, die nach zehn Jahren die Bühne verlässt, um ans Theater in der Josefstadt zu wechseln. Ein bittersüßer Abschied, der von Emotionen und einem Hauch von Nostalgie geprägt war.
Die Regisseure Sarah Viktoria Frick und Martin Vischer hatten eine ganz besondere Inszenierung auf die Beine gestellt: Das gesamte Ensemble wurde in einen Bus mit der Aufschrift „Möbius-Reisen“ eingeladen, um an einem unbekannten Ort die „Odyssee“ aufzuführen. Doch wie es im Leben so oft der Fall ist, kam alles anders als geplant. Der Bus hatte eine selbstgemachte Panne und rollte nur mit 30 km/h durch die Landschaft. Mit einem Hauch von Slapstick und jeder Menge Humor schlüpften die Schauspieler in ihre Rollen und thematisierten dabei Existenzängste und Trennungsschmerzen – ganz nebenbei erinnerten die Interaktionen der Akteure an einen fröhlichen Schulausflug.
Die Herausforderungen der Neupositionierung
Die Aufführung war nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Blick in die Zukunft des Landestheaters. Angesichts der Neupositionierung und -sortierung des Hauses, die nach zwanzig Jahren unter der Ägide von Föttinger notwendig und von der Eigentümerseite gewünscht war, stehen einige Veränderungen an. Einsparungen sind dringend erforderlich, und bereits Föttinger hatte nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie die Doppelvorstellungen an Wochenenden ausgesetzt. Aktuell sind einige Schauspieler unterbeschäftigt, und die Theaterleitung hat sich das Ziel gesetzt, eine Ausgewogenheit hinsichtlich Gagenhöhe und Ensemblepolitik zu erreichen.
Mit der Ankündigung, dass 40 Prozent des Ensembles bis September 2026 das Theater verlassen müssen, wird die Situation nicht einfacher. Dennoch werden alle „Publikumslieblinge“ wie Ulli Maier, Joseph Lorenz und Michael Dangl weiterbeschäftigt, während gleichzeitig Neuzugänge in Aussicht stehen. Ein Schritt, der sowohl Risiken als auch Chancen birgt und die Zukunft des Theaters entscheidend prägen könnte.
Ein Blick in die Theaterlandschaft
Die Herausforderungen, mit denen das Landestheater konfrontiert ist, sind nicht einzigartig. Ein historischer Rückblick zeigt, dass auch andere Theater in Zeiten des Wandels gezwungen waren, sich anzupassen und neue Wege zu finden. So fanden bereits in den 1990er Jahren viele Theater in Deutschland selbst in turbulenten Zeiten neue Strukturen, um ihre Existenz zu sichern. Das zeigt, dass finanzieller Druck und die Notwendigkeit von Reformen keinen neuen Trend darstellen, sondern ein Teil des Lebens von Theatern sind.
Die Theaterlandschaft ist in einem ständigen Wandel, und während der Abschied von Herbert Föttinger und die bevorstehenden Veränderungen im Ensemble eine Herausforderung darstellen, bieten sie auch Raum für Innovation und neue kreative Impulse. In diesem Sinne bleibt das Landestheater St. Pölten ein spannender Ort, der mit frischem Wind und neuen Ideen die Zukunft gestalten kann.