In Neusiedl am See sorgt ein skandalöser Vorfall für Aufregung und Entsetzen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, äußerte sich mit klaren und eindringlichen Worten zu einem Aufruf der Polizei, der die Bevölkerung aufforderte, keine Waren vom „fahrenden Volk“ zu kaufen. Ein solcher Boykott erinnert auf schmerzhafte Weise an die dunklen Kapitel der Geschichte, als die Nationalsozialisten 1933 die Menschen dazu aufriefen, nicht bei Juden einzukaufen. Rose wies darauf hin, dass diese Art von Hetze nicht nur unbegründet ist, sondern auch tief in der Gesellschaft verwurzelt ist.

Die Polizei in Neusiedl am See riet dazu, Haustüren geschlossen zu halten und sogar Fahrzeugkennzeichen sowie Personenbeschreibungen zu notieren. Ein Aufruf, der nicht nur diskriminierend ist, sondern auch das gesellschaftliche Klima vergiftet. Rose appellierte eindringlich an Innenminister Karner von der ÖVP, disziplinarische Maßnahmen gegen die Verantwortlichen einzuleiten. Schließlich wurde 1998 das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates in Österreich ratifiziert, das den Staat verpflichtet, Antiziganismus aktiv entgegenzuwirken.

Antiziganismus in der Gesellschaft

Der Begriff „Antiziganismus“ beschreibt eine jahrhundertealte Feindschaft und Ablehnung gegenüber Sinti und Roma. Rose hat diesen Begriff nicht nur geprägt, sondern auch dafür gekämpft, dass er in der öffentlichen Diskussion Gehör findet. Antiziganismus ist, ganz ähnlich wie Antisemitismus, in der deutschen und europäischen Geschichte verankert. In den letzten Wochen gab es immer wieder hitzige Debatten über die Eigenbezeichnung der Minderheit, angestoßen durch die WDR-Unterhaltungssendung „Die Letzte Instanz“. Diese Diskussionen zeigen, wie wichtig die Sprache ist – sie kann Brücken bauen oder aber auch Mauern errichten.

Die Bürgerrechtsarbeit des Zentralrats hat seit fast 50 Jahren zur Anerkennung der Sinti und Roma beigetragen. Dabei ist es entscheidend, dass Sinti und Roma zusammen mit Nicht-Sinti und Roma für ihre Rechte eintreten. Ein Beispiel aus der Geschichte ist der Hungerstreik von Dachau 1980, der von Sinti und Roma initiiert wurde und große Unterstützung aus der Mehrheitsgesellschaft erfuhr. Das hat Wirkung gezeigt, denn die Anerkennung des Holocausts an den 500.000 Sinti und Roma in Europa ist eine direkte Folge dieser Auseinandersetzungen.

Gemeinsam gegen Rassismus

Die Stiftung EVZ setzt sich ebenfalls für eine pluralistische und gerechte Gesellschaft ein, eine, in der Diskriminierung und Ausgrenzung keinen Platz haben. Eine diversitätssensible und genderneutrale Sprache wird gefördert, um allen Menschen Sichtbarkeit zu verleihen. Dies ist besonders wichtig, wenn es um die Selbstbezeichnung von Rom:nja und Sinti:ze geht. Es gibt eine bemerkenswerte Sensibilität für die Debatte um gegenderte Formen, was zeigt, dass Sprache mehr ist als nur Kommunikation – sie ist ein Instrument der Identität und der Zugehörigkeit.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In Anbetracht der skandalösen Vorfälle in Neusiedl am See ist es klar, dass der Kampf gegen Antiziganismus, Antisemitismus und Rassismus eine gemeinsame Anstrengung erfordert. Es ist eine Herausforderung, die wir alle gemeinsam angehen müssen, um gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden und eine inklusive Zukunft zu gestalten. Romani Rose hat recht, wenn er sagt, dass die Durchsetzung von Menschenrechten eine gemeinsame Aufgabe aller ist. Ein Appell, der nicht nur an die Politik, sondern an jede und jeden von uns gerichtet ist.