Am 12. April 2026 wurde ein junger Kaiseradler tot auf einem Acker zwischen Stetteldorf am Wagram und Inkersdorf (Bezirk Korneuburg) entdeckt. Der Finder, der auf den Vogel aufmerksam wurde, konnte zunächst keine offensichtliche Todesursache erkennen. Der Adler wirkte unversehrt und hatte anscheinend vor seinem Tod gefressen. Das klingt nach einer tragischen, aber nicht ungewöhnlichen Geschichte, doch die darauf folgende Untersuchung sollte sich als alarmierend herausstellen.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Das Insektizid Carbofuran wurde als Todesursache identifiziert. Dieses Gift, das seit 2008 in der Europäischen Union aufgrund seiner hohen Giftigkeit für Wirbeltiere verboten ist, wird illegal gegen Beutegreifer und Aasfresser eingesetzt. Der Kropf des Adlers war massiv mit Fleischstücken gefüllt, was die Vermutung erhärtete, dass der Vogel nach dem Verzehr eines vergifteten Stücks gestorben ist. BirdLife Österreich, die Vogelschutzorganisation, wurde umgehend informiert und hat Anzeige erstattet. Sie bitten nun die Öffentlichkeit um sachdienliche Hinweise zur Aufklärung des Falls.

Wildtierkriminalität im Fokus

Die Situation ist nicht neu. Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte von BirdLife Österreich, äußerte sich zu den häufigen Fällen von Wildtierkriminalität in Ostösterreich und Oberösterreich. In diesem Jahr gab es nicht nur den tragischen Fall des Kaiseradlers, sondern auch die Vergiftungen eines Seeadlers bei Neusiedl am See und eines Rotmilans bei Rechnitz im Burgenland. Dazu kommt der illegale Abschuss eines weiteren Kaiseradlers im Marchfeld. Es scheint, als würde die Wildtierkriminalität in diesen Regionen immer mehr ansteigen.

Die Vergiftungen sind ein ernsthaftes Problem. In Bayern, nur einen Katzensprung entfernt, wird das Bild nicht viel besser. Auch dort sind Greifvögel wie Rotmilane und Bussarde betroffen, die mit illegalen Fallen gefangen oder abgeschossen werden. Oft wird das hochwirksame Kontaktgift Carbofuran verwendet. Es ist erschreckend zu wissen, dass bislang kein Täter für diese Taten zur Rechenschaft gezogen wurde. Die Methoden sind perfide. Lebendige Köder, wie präparierte Tauben, werden eingesetzt, um Greifvögel anzulocken und zu töten.

Aufklärung und Prävention

BirdLife Österreich ruft dazu auf, verdächtige Wahrnehmungen zu melden. Hinweise können nicht nur beim Landeskriminalamt Niederösterreich, sondern auch anonym an jede Polizeidienststelle oder direkt an BirdLife Österreich gegeben werden. Die Organisation arbeitet im Rahmen des EU-geförderten Projekts „wildLIFEcrime“ aktiv gegen die illegale Tötung von Wildtieren und hofft auf die Unterstützung der Bevölkerung. Jeder Hinweis zählt und könnte entscheidend zur Aufklärung dieser schockierenden Vorfälle beitragen.

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Es bleibt zu hoffen, dass solche Vergehen bald der Vergangenheit angehören und unsere majestätischen Greifvögel in Frieden leben können. Die Natur braucht ihren Raum, und wir sind gefordert, sie zu schützen – für die kommenden Generationen.