Burgenlands Kinder- und Jugendpsychiatrie am Limit: Ein Hilferuf aus der Krise
In der letzten Zeit ist im Burgenland einiges los in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Vor 13 Monaten wurde eine Sperre für Warteliste-Fälle eingeführt, weil es an Fachärzten mangelte. Man muss sich das mal vorstellen: Kinder und Jugendliche, die dringend Hilfe benötigen, können nicht behandelt werden, weil einfach niemand da ist, der ihnen helfen kann. Der damalige ärztliche Leiter hat das Burgenland inzwischen verlassen, und das ist ein Zeichen, das man nicht ignorieren kann. Brigitte Hackenberg, die Landeskoordinatorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, hat aus Protest ihren Rücktritt erklärt – ein mutiger Schritt, der zeigt, wie ernst die Lage ist!
In einem offenen Brief an Gesundheitsministerin Korinna Schumann kritisierte Hackenberg die unhaltbare Versorgungssituation. Es fehlt an einem umfassenden Konzept für die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung im Burgenland. Tageskliniken? Fehlanzeige. Subakut-stationäre Strukturen? Fehlanzeige. Und das, obwohl es nur drei Ambulatorien für unter 18-Jährige in Oberwart, Eisenstadt und Neusiedl am See gibt. Mit der hohen Nachfrage können diese Einrichtungen kaum mithalten. Andreas Kollar, der neue Fachbereichsleiter, soll nun die fachliche Bündelung und Steuerung im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie übernehmen. Soziallandesrat Leonhard Schneemann bezeichnete ihn als „Wunschbesetzung“ – ob das die Lösung für das Problem ist?
Der aktuelle Stand und die Herausforderungen
Die Zahlen sprechen für sich: Der Bedarf an Kinder- und Jugendpsychiatern im Burgenland beträgt derzeit fünf, und die Leitung wurde bisher nicht nachbesetzt. Das ist nicht nur ein kleines Problem, das ist ein riesiges. Kollar wird am Psychiatriekonzept mitarbeiten, das vom Grazer Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit (EPIG) erstellt wird und im kommenden Winter präsentiert werden soll. Dabei bleibt zu hoffen, dass die Pläne auch wirklich umgesetzt werden. Kollar selbst betont, dass ein attraktives Arbeitsumfeld wichtiger sei als das Gehalt – nun, das ist eine interessante Sichtweise, aber was nützt das, wenn niemand da ist, um zu arbeiten?
Hackenberg hat ebenfalls kritisiert, dass die politisch Zuständigen für Gesundheit, Bildung und Soziales zusammengebracht werden müssen. In ihrer Zeit im Burgenland war das offenbar ein Ding der Unmöglichkeit. Nur ein Treffen mit Landesrat Schneemann, der nicht für Gesundheitsthemen zuständig sein wollte – das klingt nicht gerade vielversprechend. Man fragt sich, wie es weitergehen soll, wenn die entscheidenden Akteure nicht an einem Strang ziehen.
Die Lage im Kontext
Um das Ganze noch in einen breiteren Kontext zu setzen: Der Rechnungshof hat einen Bericht zur Kinder- und Jugendpsychiatrie in Österreich veröffentlicht. Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich während der COVID-19-Pandemie weltweit verschlechtert. Eine wichtige Versorgung ist nötig, um langfristige negative Auswirkungen zu minimieren. Es ist erschreckend, dass 2014 weniger als die Hälfte der psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen in Behandlung waren. Die Wartezeiten auf Behandlungstermine sind ebenfalls ein großes Thema – in Wien betrugen sie 90 Tage im Jahr 2024!
Strategien zur Verbesserung der Versorgung sind zwar vorhanden, aber die Umsetzung bleibt ein ungelöstes Rätsel. Mangelhafte Versorgung wurde in mindestens zwölf von 32 Regionen in Österreich festgestellt. Die Finanzierung durch das Bundesbudget für Leistungen, die eigentlich in den Aufgabenbereich der Sozialversicherung fallen, wird ebenfalls vom Rechnungshof kritisiert. Es ist höchste Zeit, dass hier ein Umdenken stattfindet – besonders in der Prävention, die vor allem in Schulen dringend notwendig ist.
Die Lage ist also alles andere als rosig, und es bleibt abzuwarten, ob die neuen Maßnahmen und die frischen Ideen aus Graz tatsächlich Früchte tragen werden. Das Wohl unserer Kinder und Jugendlichen sollte doch an erster Stelle stehen, oder nicht?
