In Währing, wo die Luft frisch und die Grünflächen einladend sind, gibt es eine spannende Entwicklung in der Welt der Botanik. Christine Sheppard, eine engagierte Forscherin aus der Schweiz, hat seit September 2023 den Lehrstuhl für Botanik und Vegetationsökologie an der Boku in Wien übernommen. Ab Januar 2026 wird sie das Institut für Botanik leiten. Ihr Fokus liegt auf den ökologischen Auswirkungen von invasiven Pflanzenarten – und das ist in einer Zeit, in der die Natur immer mehr unter Druck gerät, von großer Bedeutung.
Die Untersuchungen von Sheppard sind nicht einfach nur akademische Übungen. Sie beleuchtet die komplexen Wechselwirkungen in unseren Ökosystemen, die durch gebietsfremde Pflanzen ausgelöst werden. Ihr erstes Projekt an der Boku untersucht, wie der Klimawandel die Invasion von Halbtrockenrasen beeinflusst und wie Herbivoren, also Pflanzenfresser wie Raupen und Häuselschnecken, auf neu eingewanderte Pflanzenarten reagieren. Ziegen oder Nacktschnecken kommen hier nicht zum Einsatz – es geht um präzise Beobachtungen und Experimente.
Die Schattenseiten invasiver Arten
Ein besonders kritischer Punkt in Sheppards Forschung ist das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), das ursprünglich aus Indien stammt und in Europa als invasive Art gilt. In ihren Studien stellte sie fest, dass invasive Pflanzen wie dieses Springkraut die Beziehungen zwischen Bestäubern und einheimischen Pflanzen negativ beeinflussen. Überall dort, wo das Drüsige Springkraut dominierte, erhielten heimische Pflanzen weniger Bestäuberbesuche. Die Artenvielfalt der Bestäuber war in diesen Bereichen deutlich geringer. Das ist ein ziemlich besorgniserregender Befund!
Doch nicht jede gebietsfremde Art ist automatisch invasiv. Sheppard macht darauf aufmerksam, dass einige Arten durchaus positive Effekte auf ihre neuen Lebensräume haben können. Diese Differenzierung ist wichtig, denn die EU hat eine „Unionsliste“ invasiver Arten erstellt, die Lebensräume oder Ökosysteme gefährden können. Aktuell umfasst diese Liste 114 invasive Arten, darunter auch 49 Pflanzenarten. Einheitliche Mindeststandards zur Bekämpfung dieser Arten sind vonnöten, um die biologische Vielfalt zu schützen.
Ein Blick über die Grenze
In Deutschland sind mittlerweile mindestens 168 invasive Arten bekannt, die potenziell schädliche Auswirkungen haben können. Die Einstufung erfolgt auf EU- und nationaler Ebene, wobei das Bundesamt für Naturschutz (BfN) entscheidende Bewertungen vornimmt. Die Liste wird ständig aktualisiert – seit 2016 wurde sie mehrfach überarbeitet, um den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung zu tragen.
Einige Arten, wie der Kanadische Biber oder der Amerikanische Nerz, stehen erst in den Startlöchern für die Liste. Das zeigt, wie dynamisch dieses Thema ist und wie wichtig es ist, die Entwicklungen im Auge zu behalten. Ehrenamtliche Gruppen, wie der NABU, legen sich mächtig ins Zeug, um invasive Arten zu bekämpfen. Ihre Arbeit ist entscheidend, vor allem in Schutzgebieten, wo geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden müssen.
Klimawandel und seine Folgen
Die Klimakrise trägt ihren Teil dazu bei, dass sich immer mehr nicht heimische Arten in neuen Gebieten etablieren. Laut einem IPBES-Bericht existieren weltweit über 37.000 gebietsfremde Arten, von denen mehr als 3.500 als invasiv gelten. In Deutschland sind bereits 1.015 Neobiota-Arten registriert, und die Zahl könnte weiter steigen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, um unsere heimischen Ökosysteme zu schützen.
Die Herausforderungen sind groß, aber mit Wissenschaftlern wie Christine Sheppard, die sich unermüdlich für den Schutz der heimischen Biodiversität einsetzen, gibt es Hoffnung. Ihre Arbeit an der Boku steht nicht nur für eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern auch für ein tieferes Verständnis der komplexen Beziehungen in unseren Ökosystemen. Denn letztlich sind wir alle Teil dieses großen Ganzen.