Neues Leben für junge Straftäter: Die Auszeit-WGs in Wien als Hoffnungsträger
Heute ist der 14.07.2026 und wir blicken gespannt auf die Entwicklungen in Simmering. Die Wiener Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling von den Neos hat kürzlich die Einführung von Auszeit-WGs als einen „Meilenstein im Kampf gegen Kinder- und Jugendkriminalität“ bezeichnet. Das ist schon ein starkes Wort, oder? Die WGs sind dafür gedacht, die Probleme von jugendlichen Intensivtätern in Wien zu bewältigen. Und das, meine Damen und Herren, ist dringend nötig, denn Kinder unter 14 Jahren sind nicht selten in schwere Delikte wie Raub oder Einbrüche verwickelt – und das oft ohne ein Bewusstsein für die Konsequenzen ihrer Handlungen. Die geplanten Auszeit-WGs in Wien sind die ersten ihrer Art in Österreich und sollen konkret für 11- bis 13-Jährige eingerichtet werden.
Das Ganze hat sich allerdings als ein bisschen zäh erwiesen. Die Eröffnung der ersten WG wurde immer wieder verschoben – von April über Mai bis hin zu einem vagen „Mitte Juni“, ohne dass ein konkreter Termin in Sicht wäre. Ursprünglich sollten zwei Burschen einziehen, jetzt ist es vorerst nur ein Kind. Man will sich Zeit nehmen, um alles richtig zu machen, was ja auch irgendwo verständlich ist. Die baulichen Umbaumaßnahmen sind abgeschlossen, die genaue Adresse bleibt jedoch aus Datenschutzgründen geheim. Die Kosten für diesen sozialen Ansatz steigen derweil von geschätzten 800.000 Euro auf satte 995.000 Euro pro Jahr – das entspricht etwa 1.300 Euro pro Kind und Tag. Da wird die ÖVP laut und kritisiert die steigenden Ausgaben, während Emmerlings Büro auf die Notwendigkeit von mehr Personal für die Betreuung hinweist.
Ein ganzheitlicher Ansatz
Die Auszeit-WGs sind nicht einfach nur ein Ort, an dem Kinder untergebracht werden. Hier wird ein dichtes Tagesprogramm angeboten, das sich sehen lassen kann. Anti-Gewalt-Trainings, Sport und Therapie stehen auf dem Plan. Das Ziel ist klar: Die Kinder sollen Werkzeuge erlernen, um mit Stress und Aggressionen besser umzugehen. Fachärztliche Betreuung durch Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie klinische Psycholog:innen ist ebenfalls Teil des Programms. Man möchte verhindern, dass diese Kinder in die Kriminalitätsspirale zurückfallen – und das ist ein hehres Ziel. Die Unterbringung erfolgt nach einem durchdachten Stufenmodell: Zu Beginn gibt es nur Ausgänge in Begleitung, am Ende dürfen sie selbstständig hinaus. Und das ist noch nicht alles – die Nachbetreuung wird ab dem ersten Tag mitgeplant, damit die Kinder auch nach ihrem Aufenthalt die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.
In Wien gibt es schätzungsweise 30 Kinder unter 14 Jahren, die jährlich zehn oder mehr Delikte begehen. Fünf bis sechs dieser Fälle sind dabei besonders schwerwiegend. Es ist eine kleine Zielgruppe, die jedoch unverhältnismäßig großen Schaden anrichtet – für sich selbst und die Gesellschaft. Und hier kommt das Jugendstrafrecht ins Spiel, das die persönliche Entwicklung von Jugendlichen berücksichtigt, die oft noch nicht abgeschlossen ist. Jugendliche haben nicht die gleiche Verantwortungsreife wie Erwachsene, und das wird bei den Verfahren gegen sie stets bedacht. Das Ziel des Jugendstrafrechts ist es, erneute Straffälligkeit zu verhindern, nicht die Bestrafung. Die Maßnahmen, die hier zur Anwendung kommen, sind vielfältiger als im Erwachsenenstrafrecht und umfassen etwa Erziehungsmaßregeln und soziale Trainingskurse.
Es bleibt spannend, wie sich die Auszeit-WGs entwickeln werden und ob sie tatsächlich einen positiven Einfluss auf die betroffenen Kinder und die Gesellschaft haben können. Ein Projekt, das Mut macht und zeigt, dass man auch in schwierigen Zeiten neue Wege gehen kann – um zu helfen, statt nur zu strafen.
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