Die Pleite des Kulturvereins Simmering hat nicht nur für Aufregung gesorgt, sondern auch für einen herben Verlust im Kulturbudget des Bezirks: Rund 70.000 Euro werden fehlen. Diese Summe ist nicht zu vernachlässigen, ganz im Gegenteil, sie könnte das kulturelle Leben in Simmering erheblich beeinflussen. Der Kulturverein, der zuletzt im Jahr 2024 Fördermittel erhielt, musste seine Insolvenz im September bekannt geben, nachdem Vorwürfe laut wurden. Der Antrag auf Förderung im Vorjahr wurde abgelehnt, und so steht die Verteilung der Gelder in einem ungewohnten Licht da.
Das gesamte Kulturbudget des Bezirks Simmering beläuft sich auf etwa 220.000 Euro – eine Verringerung im Vergleich zu den fast 250.000 Euro im Vorjahr. Die Verteilung dieser Mittel erfolgt durch eine nicht öffentliche Kulturkommission, was die Transparenz in Frage stellt. Ein Beispiel für die Zuwendungen ist der neue Veranstalter des Kaiserebersdorfer Kirtags, der Kulturverband Böhmischer Prater – Tivoli, der 36.000 Euro genehmigt bekam. Obwohl der Kulturverband 40.000 Euro beantragte, sind bis September noch keine konkreten Details zu den geplanten Aktivitäten veröffentlicht worden.
Die finanzielle Lage im Detail
Der Kulturverein Simmering war zuvor für die Fahrgeschäfte am Kirtag verantwortlich. In einem Vergleich der finanziellen Mittel flossen im Jahr 2025 bereits 175.000 Euro aus dem Budget, was einen Rückgang im Vergleich zu 245.000 Euro im Vorjahr darstellt. Für das Adventfest am Enkplatz wurden 65.000 Euro ausgegeben, während weitere 25.000 Euro an „VolXFest“, dem Veranstalter des Enkplatz- und Maibaumfests, gingen. Die „Kulturinitiative Simmering“ erhielt 14.000 Euro, und die neue Obfrau ist Milada Nepras. Die restlichen rund 70.000 Euro werden auf etwa 30 weitere Initiativen und Vereine verteilt. Zudem gibt es jedes Jahr einen Themenschwerpunkt für das Budget – für 2023 wurde „Europa zu Gast in Simmering“ gewählt.
Ein breiterer Kontext der Kulturförderung
Die Entwicklungen in Simmering sind nicht isoliert zu betrachten. Der geplante Bundeshaushalt 2025 sieht eine Erhöhung des Etats für die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien vor, von 2,15 Milliarden Euro in 2023 auf rund 2,2 Milliarden Euro in 2025. Allerdings sind massive Kürzungen in bestimmten Bereichen der Kulturförderung geplant, insbesondere durch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Die Mittel für die sechs Bundeskulturfonds sollen fast halbiert werden, was den Verlust von rund 10 Millionen Euro für die Freie Szene in der Sparte der Darstellenden Künste zur Folge haben könnte.
Kritik an diesen Kürzungen kommt aus der gesamten Kulturszene, und mehrere Künstler sowie Kulturinstitutionen warnen vor den gravierenden Auswirkungen auf die Kultur in den Bundesländern. Petitionen und Widerstand formieren sich, um auf die Bedeutung der Bundeskulturfonds für freischaffende Künstler hinzuweisen. Die Bedenken sind klar: Wenn der Kulturetat im November so beschlossen wird, könnte dies nicht nur die kulturelle Vielfalt in Simmering, sondern auch in ganz Österreich gefährden.