Am 18. Mai wird im Kultursalon Hetzendorf in Wien ein ganz besonderes Event stattfinden. Anlässlich des 75. Todestages von Hermynia zur Mühlen lädt die Schauspielerin und Historikerin Andrea Schramek zu einer Lesung ein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und der Eintritt kostet 20 Euro. Es gibt die Möglichkeit zur Reservierung unter 0699/122 915 19. Ein Abend, der nicht nur literarische Kostbarkeiten bietet, sondern auch die Möglichkeit, sich bei einem Glas Wein und etwas Brot über die Autorin auszutauschen.

Das Programm ist vielversprechend: Andrea Schramek wird aus dem Werk „Diese ungewöhnliche Gräfin“ lesen und einen Vortrag über das Leben von Hermynia zur Mühlen halten. Musikalisch begleitet wird das Ganze von Georg Baum, einem echten Virtuosen an der Harfe. Und wer Lust auf ein wenig Stöbern hat, kann am Büchertisch der Grätzlbuchhandlung Lainz vorbeischauen. Man kann sich wirklich auf einen anregenden Abend freuen!

Die faszinierende Lebensgeschichte

Wer war nun Hermynia zur Mühlen? Geboren in eine hochadelige Familie, wuchs sie in Wien und Gmunden auf. Ihre Ehe mit einem baltischen Junker brachte sie in eine Sinnkrise – das Leben an seiner Seite war nicht das, was sie sich erhofft hatte. Nach einer schweren Krankheit suchte sie Erholung in Davos, von wo sie nicht zu ihrem Mann zurückkehrte. Stattdessen fand sie in der Schriftstellerei ihren Weg und begann mit 40 Jahren, aktiv zu schreiben. Zuvor hatte sie als Kolumnistin in der linken Presse nach dem Ersten Weltkrieg Furore gemacht, bekannt als die „rote Gräfin“.

Hermynia zur Mühlen war nicht nur eine talentierte Schriftstellerin, sondern auch eine mutige Stimme in einer stürmischen Zeit. Während ihrer Karriere veröffentlichte sie zahlreiche Werke, die sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzten, darunter Kurzgeschichten, Romane und sogar Kinderbücher. Ihre berühmteste Anklage, die sie aufgrund ihrer kommunistischen Überzeugungen erhielt, geschah 1924 wegen Hochverrats – eine Anklage, die sie schließlich 1926 abwenden konnte.

Ein Leben im Schatten der Geschichte

Die Nationalsozialisten stempelten ihre Werke als „schädliches und unerwünschtes Schrifttum“ ab. Hermynia emigrierte und geriet in Vergessenheit. Ihre Bücher wurden nur noch in Wien und der DDR verlegt, bis heute wird an ihrem literarischen Erbe gearbeitet. Eine neue Werkausgabe erscheint in der „Bibliothek Wüstenrot Stiftung“, unter der Aufsicht von Ursula Krechel, die zugeben muss, dass sie zuvor kaum etwas über zur Mühlen wusste. Diese Entdeckung zeigt, wie viele Stimmen der Vergangenheit verloren gegangen sind.

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Es ist bemerkenswert, dass die Autorin, trotz ihrer dramatischen Lebensumstände, nie aufhörte, an der besseren Gesellschaft zu arbeiten. Ihre Werke thematisieren Armut, Proletariat und utopische Visionen einer besseren Welt. Ihre Märchen sind voll von sprechenden Tieren und Pflanzen und bieten eine Vorstellung davon, dass das Leben anders sein könnte. Ein ehrlicher, kreativer Ausdruck ihrer tiefen Überzeugungen.

Hermynia zur Mühlen starb 1951 verarmt und vergessen in Hertfordshire. Ihre letzten Jahre waren geprägt von Einsamkeit und Krankheit, doch ihr literarisches Erbe lebt weiter. Die Wiederentdeckung ihrer Werke ist nicht nur eine Hommage an eine große Schriftstellerin, sondern auch ein wichtiger Schritt, um die Marginalisierung von Frauen in der Literaturgeschichte zu beleuchten.