Heute ist der 8. Mai 2026 und in Landstraße hat sich ein beunruhigendes Thema in den Mittelpunkt der Diskussionen gedrängt. Der Hantavirus, der in Österreich selten, aber dennoch gefährlich ist, sorgt nicht nur für besorgte Gesichter bei den Gesundheitsbehörden, sondern auch für Erinnerungen an einen erschreckenden Vorfall im Jahr 2003. Damals verbrachte Erich Hohenberger, der Bezirksvorsteher von Wien-Landstraße, seinen Sommerurlaub in Kärnten. Was als entspannende Auszeit begann, endete in einem Albtraum. Nach einem Fußballspiel in Purkersdorf, zwölf Tage nach seiner Rückkehr, fühlte er sich plötzlich unwohl. Ein Fieber, das von 38 auf alarmierende 41 Grad anstieg, führte ihn in die Klinik Landstraße.
Die Ärzte diagnostizierten Hohenberger mit dem Hantavirus, vermutlich beim Pilzesammeln in Kärnten infiziert. Er verbrachte insgesamt drei Monate im Krankenhaus, davon eine Woche im künstlichen Tiefschlaf. Unglaublich, aber wahr: Zwei Tage lang schwebte er in akuter Lebensgefahr. Das Hantavirus, übertragen durch Nagetiere wie die Rötelmaus, ist in Österreich zwar selten, doch die Fälle schwanken. Durchschnittlich sind es etwa 25 pro Jahr. Das Puumala-Virus, das hierzulande verbreitet ist, hat zum Glück eine niedrige Todesrate von unter 1 %.
Ein aktueller Ausbruch auf hoher See
Ein neuerer Fall, der die ganze Welt erschütterte, ereignete sich auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“. Im März 2023 stach das Schiff in Argentinien in See und hatte 88 Passagiere sowie 59 Crew-Mitglieder an Bord. Hier kam es zu einem Ausbruch, der drei Todesfälle und mehrere Erkrankungen zur Folge hatte. Der erste Fall war ein 70-jähriger Niederländer, der am 6. April starb, gefolgt von seiner Frau, die später ebenfalls an den Folgen der Infektion starb. Ein drittes Opfer war eine deutsche Frau, die am 2. Mai verstarb. Fünf weitere Personen erkrankten, darunter ein britischer Arzt und zwei Crew-Mitglieder, die glücklicherweise nur leichte Symptome hatten. Norbert Nowotny, ein Virologe, bezeichnete diese Situation als äußerst ungewöhnlich, da Hantaviren in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Die Übertragung könnte möglicherweise durch Landgänge in Argentinien erfolgt sein, wo das Andes-Virus vorkommt und in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Das macht die ganze Sache noch beunruhigender. Wenn man bedenkt, dass Hantaviren weltweit verbreitet sind, stellt sich die Frage, wie wir uns am besten schützen können.
Was sind Hantaviren?
Hantaviren gehören zur Familie der Hantaviridae und haben verschiedene Typen wie Hantaanvirus, Puumalavirus und Andesvirus. Sie sind winzige RNA-Viren, die über Speichel, Urin und Kot von Nagetieren übertragen werden. In Deutschland sind vor allem das Puumalavirus und das Dobrava-Belgrad-Virus verbreitet. Das RKI, das Robert Koch-Institut, gibt regelmäßig Ratgeber zu solchen Infektionskrankheiten heraus. Zielgruppe sind Fachkreise, aber auch interessierte Laien sollten sich informieren. Auf der RKI-Website finden sich unter www.rki.de/ratgeber umfassende Informationen.
Die Symptome eines Hantavirus sind vielfältig, variieren je nach Virustyp und können von hohem Fieber und Schüttelfrost bis hin zu Atemnot und Nierenversagen reichen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen, kann aber auch bis zu 60 Tage andauern. Besonders wichtig ist es, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, vor allem beim Reinigen von Orten, wo Nagetiere leben. Das RKI empfiehlt, den Kontakt mit Nagetier-Ausscheidungen zu vermeiden und Hygienemaßnahmen zu befolgen.
Hohenberger, der nach seiner überstandenen Erkrankung sechs Jahre später eine Nierentransplantation benötigte – gespendet von seiner Frau – ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie ernst man solche Infektionen nehmen sollte. Es ist ein ständiges Mahnmal für uns alle, dass wir die Natur und ihre Bewohner respektieren müssen, besonders wenn wir uns in ihren Lebensräumen aufhalten.