Silberschmiede im Wandel: Tradition und Innovation in Wien seit 1847
Heute ist der 9.06.2026, und wir blicken auf eine Wiener Institution, die seit 1847 die Kunst des Silberschmiedens am Leben hält: die Silberschmiede „Jarosinski & Vaugoin“. Unter der Leitung von Jean-Paul Vaugoin, der das Familienunternehmen seit 2003 in sechster Generation führt, wird hier ein Handwerk zelebriert, das Tradition und Moderne auf wunderbare Weise vereint. Ursprünglich hatte Vaugoin ganz andere Pläne – eine Karriere an der Börse schwebte ihm vor. Doch das Leben hatte andere Ideen, und so ist er heute der gewerberechtliche Geschäftsführer einer der ältesten Silberschmieden der Welt, die nicht nur in Österreich, sondern auch international einen Namen hat.
Die Werkstatt in der Zieglergasse 24 im 7. Bezirk von Wien ist mehr als nur ein Ort der Produktion; sie ist ein Kreativraum, in dem Handwerk und Kunst verschmelzen. Jean-Paul Vaugoin hat ein neues Team aufgebaut, nachdem bei seiner Übernahme lediglich ein Mitarbeiter geblieben war. Das Ergebnis? Ein frisches, dynamisches Arbeitsumfeld, das gleichzeitig auf über 200 historische Besteckmuster zurückgreift. Diese Vielfalt ermöglicht es, individuell gestaltete Aufträge zu realisieren, egal ob es sich um ein simples Besteck oder um spezielle Stücke wie Grapefruit-Löffel und Austerngabeln handelt.
Tradition trifft auf Innovation
In den letzten 15 Jahren hat „Jarosinski & Vaugoin“ zudem eine fruchtbare Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern etabliert. Designern wie Thomas Feichtner und Sebastian Menschhorn ist es gelungen, moderne Entwürfe zu schaffen, die das Erbe der Silberschmiede in neuem Licht erstrahlen lassen. Technologischer Fortschritt ist dabei kein Widerspruch zur Handwerkskunst. Durch 3D-Scanning und -Printing wird die Produktion unterstützt, ohne dass das traditionelle Handwerk in den Hintergrund gedrängt wird. Vaugoin sieht die Silberschmiede für die nächsten fünf bis zehn Jahre gut aufgestellt – ein Paradebeispiel für die gelungene Verbindung von traditionellem Handwerk und modernen Ansätzen.
Der Stolz des Unternehmens wird auch in besonderen Stücken sichtbar. Eine Replik der berühmten Saliera von Benvenuto Cellini, die 1969 als Gastgeschenk für Queen Elizabeth II. angefertigt wurde, ist nur eines von vielen Beispielen für die hohe Kunstfertigkeit und das handwerkliche Können, das hier an den Tag gelegt wird. Und das Sortiment? Es umfasst nicht nur klassisches Tafelbesteck, sondern auch exklusive Silberwaren, die bereits 1873 auf der Wiener Weltausstellung präsentiert wurden.
Einzigartige Herausforderungen und Ausblick
Natürlich bleiben auch Herausforderungen nicht aus. Der Fachkräftemangel und steigende Kosten sind Themen, die die Branche beschäftigen. Doch Vaugoin begegnet diesen Hürden mit einer klaren Strategie: Eigene Ausbildungsprogramme und transparente Erwartungen sollen die nächsten Generationen von Silberschmieden heranführen. Tatsächlich ist „Jarosinski & Vaugoin“ der letzte Ausbildungsbetrieb für Silberschmiede in Österreich – ein klares Zeichen, dass hier nicht nur Produkte, sondern auch Wissen und Tradition weitergegeben werden.
Die Silberschmiede beliefert zahlreiche internationale Kunden, darunter den Kensington Palace und Königshäuser in Arabien und Malaysia. Vaugoin betont, dass jede Bestellung, unabhängig von der Größe, gleichwertig behandelt wird. Das ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch der Leidenschaft für das Handwerk.
Wenn man die Werkstatt betritt, spürt man förmlich den Geist von 1847, vermischt mit dem pulsierenden Leben der Gegenwart. Eine einmalige Mischung, die die Wiener Silberschmiede zu einem einzigartigen Ort macht, an dem die Kunst des Silberschmiedens nicht nur weiterlebt, sondern auch floriert. Es ist also nicht nur ein Handwerk – es ist eine Lebenseinstellung, die hier in der Zieglergasse 24 täglich gepflegt wird.
