Das Lueger-Denkmal beim Stubentor in Wien ist seit seiner letzten künstlerischen Umgestaltung ein wahrer Aufreger. Am 26. Mai 2023 wurde die Statue nach kostenintensiven 776.000 Euro wieder aufgestellt. Am 11. Juni 2023 war es dann endlich soweit: Die feierliche Enthüllung fand statt. Doch die Freude über das neue Design ist getrübt, denn die Figur des Karl Lueger, der von 1897 bis 1910 Bürgermeister war und als Wegbereiter des politischen Antisemitismus in Österreich gilt, hat mit ihrem neuen Look auch heftige Diskussionen entfacht.

Klemens Wihlidal, der den Kunstwettbewerb im Herbst 2022 gewann, hat die Statue um 3,5 Grad geneigt, um Irritation zu erzeugen und zum Nachdenken über Luegers historische Rolle anzuregen. Das mag ja eine interessante Idee sein, doch die Reaktionen sind gemischt. Bereits vor der Umgestaltung war das Denkmal Ziel mehrerer Farb-Attacken, und während der Restaurierung im Jänner 2023 wurde es erneut beschmiert. Und das ist noch nicht alles: Bei der Enthüllung gab es ein Pfeifkonzert von jüdischen Hochschüler:innen, die gegen die Statue protestierten. Ein unüberhörbares Zeichen, dass das Thema noch lange nicht abgeschlossen ist.

Umstrittene Geschichte und künstlerische Eingriffe

Die Kritik an dem Denkmal ist nicht neu. Immer wieder gab es künstlerische Interventionen am Lueger-Platz. So gestalteten beispielsweise VALIE EXPORT 1973 sowie Bernd Fasching 2003 und Ines Hochgerner und Peter Fritzenwallner 2019 die Umgebung neu. Sogar ein inoffizieller Wettbewerb zur Umgestaltung wurde 2009 von der Universität für angewandte Kunst Wien ausgerufen. Über 150 Entwürfe wurden eingereicht, doch der von Klemens Wihlidal stach heraus, was uns zu der aktuellen Kontroverse führt.

Und während die Diskussion über das Denkmal weitergeht, überrascht es nicht, dass im Mai 2020 das Ehrenmal mit „Schande“-Schriftzügen besprüht wurde. Das sorgte für eine hitzige Debatte über den Umgang mit dem Denkmal und dem Platznamen. Der öffentliche Aufruf zur „Entehrung“ Luegers wurde von namhaften Künstler:innen, Historikern und Direktoren von Kunstinstitutionen unterzeichnet. Im Mai 2021 forderte die Plattform aufstehn.at sogar eine Umbenennung des Platzes und eine umfassende Umgestaltung. Der Bürgermeister, Michael Ludwig, ließ den offenen Brief von Shoa-Überlebenden, in dem die Entfernung des Denkmals gefordert wurde, unbeantwortet. Tja, da bleibt einem doch die Luft weg.

Ein Blick in die Vergangenheit

Doch woher kommt eigentlich dieser Antisemitismus, der sich durch die österreichische Geschichte zieht? Bereits im Jahr 1421 fand die radikalste und blutigste Judenverfolgung des Mittelalters in Wien statt. Im Lauf der Jahrhunderte gab es immer wieder Ausweisungen und Tumulte gegen Juden, und die Emanzipierung begann erst mit Joseph II. Antisemitismus wurde 1879 als Begriff geprägt und meldete sich immer wieder lautstark zu Wort, insbesondere im Kampf gegen den Liberalismus. Karl Lueger trat 1887 den Christlichsozialen bei und wurde 1897 Bürgermeister. Sein Antisemitismus war dabei nicht nur ideologisch, sondern hatte auch wirtschaftliche Wurzeln.

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Die dunkle Geschichte des Antisemitismus in Wien zeigt sich bis ins 20. Jahrhundert hinein, als der Erste Weltkrieg antisemitische Vorurteile noch weiter verstärkte. Nach dem „Anschluss“ 1938 kam es zu Pogromen, und die Überlebenden des Holocaust wurden oft nur zögerlich unterstützt. Bis heute bleibt das Thema Antisemitismus in Österreich ein heikles und emotionales Thema, das nicht leicht abzuhaken ist. Die aktuelle Diskussion rund um das Lueger-Denkmal ist daher mehr als nur ein Streit um Kunst – sie ist ein Spiegel der Geschichte, die uns alle betrifft.

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