Licht und Sicherheit: Wiens Weg zu einer geschlechtergerechten Stadtplanung
Heute ist der 12.07.2026 und wir werfen einen Blick auf die spannende Entwicklung der Stadtplanung in Wien. Die österreichische Hauptstadt hat sich in den letzten Jahren nicht nur durch ihre historische Pracht, sondern auch durch innovative Ansätze zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum hervorgetan. Ein bemerkenswertes Projekt sind die sogenannten Night Walks, die darauf abzielen, das Sicherheitsgefühl der Menschen—insbesondere der Frauen—bei Dunkelheit zu fördern. Bei diesen nächtlichen Spaziergängen wird mit Licht, Orientierung und Sichtbarkeit gearbeitet, um ein Gefühl von Sicherheit zu schaffen. Julia Girardi-Hoog, Architektursoziologin und Expertin für Gender Planning, ist seit 2013 für diese Maßnahmen verantwortlich.
Vor allem Frauen berichten oft von einem starken Unsicherheitsgefühl im öffentlichen Raum, besonders nachts. Ein tragischer Vorfall, bei dem die 17-jährige Lisa im August 2025 auf einem Radweg überfallen wurde, hat die Diskussion über Sicherheit im städtischen Umfeld nochmals angeheizt. Solche Ereignisse führen dazu, dass Städte wie Amsterdam ihre öffentliche Infrastruktur umgestalten. Das Ziel? Sichtachsen und transparente Wartehäuschen schaffen, die nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Kontrolle über die Umgebung verbessern. In Wien wird bereits seit den 1990er Jahren an geschlechtergerechter Planung gearbeitet, sodass die Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt werden.
Der Weg zu einer sicheren Stadt für alle
Angsträume, also Orte, an denen sich Menschen unwohl fühlen, sollen durch gute Beleuchtung und übersichtliche Wege reduziert werden. Diese Maßnahmen sind nicht nur für Frauen von Bedeutung. Auch Personen, die Sorgearbeit leisten—sei es für Kinder oder ältere Menschen—sind auf sichere und zugängliche Wege angewiesen. Vierspurige Straßen mit schmalen Fußwegen sind da oft ein Hindernis. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat sich daher das Ziel gesetzt, lebenswerte und zugängliche Räume zu schaffen. Dabei wird besonders auf bislang vernachlässigte Perspektiven geachtet: Frauen, ältere Menschen und sorgende Personen sollen in die Planung einbezogen werden.
Eine inklusive Stadtentwicklung, die soziale und ökologische Verantwortung in den Vordergrund stellt, ist der Schlüssel. Die neue Leipzig-Charta von 2020 bildet die Grundlage für eine gerechte, grüne und produktive Stadt. Gendergerechte Planung spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Leitlinien, die das BMWSB in Zusammenarbeit mit einem Expertinnen-Beirat entwickelt hat, zielen darauf ab, eine Stadt für alle zu gestalten. Dabei sind acht Positionen besonders wichtig: von der starken Repräsentation aller gesellschaftlichen Gruppen über gerechte Mobilität bis hin zur Berücksichtigung von Care-Arbeit in der Stadtentwicklung.
Ein Lichtblick für eine bessere Zukunft
Die Sicherheit im öffentlichen Raum ist mehr als nur eine Frage der physischen Sicherheit. Es geht um das Gefühl, das wir dabei haben. Studien zeigen, dass Frauen häufig Belästigungen im öffentlichen Raum erleben, während schwere Gewalttaten oft im persönlichen Umfeld stattfinden. Das Unsicherheitsgefühl ist real und beeinflusst das alltägliche Verhalten. Durch geschlechtergerechte Stadtplanung wird versucht, diesen Herausforderungen zu begegnen und die Lebensqualität für alle zu erhöhen. Das Engagement der Stadt Wien in diesem Bereich ist ein Lichtblick und zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Stimmen gehört werden. Eine Stadt, die alle einlädt, sich frei und sicher zu bewegen—das ist das Ziel.
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