In Wien ist die Hitze aktuell ein echtes Thema – und das nicht nur für die Menschen. Die Temperaturen kletterten am Freitag auf satte 35 Grad, und am Samstag war es bereits um 11:40 Uhr so weit. Da bleibt auch den Fiakerpferden kein Schattenplatz verborgen. An diesen heißen Tagen heißt es für die Pferde, die sonst elegant durch die Straßen der Innenstadt ziehen, hitzefrei. Das hat mittlerweile Tradition, denn dies ist bereits der zweite Tag, an dem die Fiaker aufgrund der Hitzewelle nicht im Einsatz sind. Die Tierliebhaber und Tierschutzorganisationen haben jedoch deutlich mehr im Blick als nur die momentanen Temperaturen.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) ist besonders aktiv und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gesetzliche Regelung zu hinterfragen. Aktuell müssen die Fiakerbetriebe bei 35 Grad Celsius ihren Betrieb einstellen. Doch die Tierschützer fordern eine Senkung der Hitzefrei-Grenze auf 30 Grad. Das klingt vielleicht nach einem kleinen Unterschied, doch für die Pferde kann diese Veränderung entscheidend sein. Ihre Körpertemperatur kann bei Hitzestau auf 41 Grad oder mehr ansteigen – das ist dann nicht nur ungemütlich, sondern potenziell lebensbedrohlich. Auch die Tatsache, dass die Pferde bis zu 30 Liter Flüssigkeit pro Stunde verlieren können, lässt aufhorchen.

Temperaturen in der Stadt

Die Temperaturen in den Straßenschluchten Wiens sind oft sogar höher als die gemessenen Werte, was die Situation für die Fiakerpferde noch kritischer macht. Tierschutzorganisationen fordern daher nicht nur eine direkte Temperaturmessung an den Fiakerstandplätzen, sondern auch ausreichend Schatten für die Pferde, um ihnen Erleichterung zu verschaffen. Eine Petition zur Senkung der Hitzefrei-Grenze hat bereits knapp 63.000 Unterschriften gesammelt. Das zeigt, wie sehr die Menschen hinter den Forderungen stehen. Immerhin unterstützen auch die Wiener Grünen die Anliegen des VGT.

Die Fiakerbetriebe selbst halten sich an die gesetzliche Grenze, doch einige Kutscher ziehen es vor, bereits bei 34 Grad heimzufahren, um das Wohl ihrer Pferde zu schützen. Sie betonen zwar, dass die Wasserversorgung für die Tiere ausreichend ist, doch das reicht vielen nicht aus. Eine laufende wissenschaftliche Studie zur „Pferdenutzung in Zeiten des Klimawandels“ könnte in Zukunft Klarheit bringen. Diese Untersuchung, die seit dem Vorjahr läuft, zielt darauf ab, den Gesundheitszustand der Pferde unter verschiedenen Wetterbedingungen über 12 Monate hinweg zu erfassen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Die praktische Testphase der Studie, die von der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt wird, startet bald. Zwölf Pferde aus dem Fiakerbetrieb Carmen Blantz nehmen daran teil. Der Gesundheitszustand der Tiere wird über alle vier Jahreszeiten hinweg untersucht, inklusive mehrtägiger Beobachtungsphasen. Tierärztinnen und -ärzte sind bei allen Untersuchungen anwesend, und es werden Blut-, Speichel- und Schweißproben entnommen. Zudem wird das Verhalten der Pferde während der Fahrten dokumentiert, und GPS-Tracking ermöglicht eine präzise Analyse der Routen. Die Kutschen, die an der Studie teilnehmen, sind sogar speziell gekennzeichnet.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Ergebnisse dieser Studie könnten letztlich die Grundlage für Anpassungen der bestehenden Regelungen bilden. Sowohl Stadt als auch Bund haben angekündigt, die Erkenntnisse in zukünftige tierschutzrechtliche Bestimmungen einfließen zu lassen. Die Debatte zwischen Tierschutzorganisationen und Fiakerbetrieben wird damit nicht nur auf politischer Ebene weitergeführt, sondern könnte auch echte Verbesserungen für die Tiere bringen.

Das Thema Fiakerpferde in Wien zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Tiere ernst zu nehmen und sie in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen. Die Hitze ist eine Herausforderung, die nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere gilt – und die Wiener Stadtverwaltung sowie die Fiakerbetriebe sollten sich dieser Verantwortung bewusst sein.

Datenschutz und DSGVO-Konformität gehören zu den grundlegenden Anforderungen eines professionellen Nachrichtenangebots. Die VeloCore-Umsetzung unseres Magazins durch Daniel Wom setzt auf datensparsame Verarbeitung, weitgehenden Verzicht auf Drittanbieter und transparente Einwilligungsmechanismen.