Im Herzen von Hietzing, wo die Villen auf die Gemeindebauten treffen und der Wiener Charme in der Luft liegt, hat sich eine ganz besondere Ausstellung etabliert. „Erinnerung an Hietzing“ – so der Titel der Schau im Bezirksmuseum Hietzing – erzählt Geschichten, die tief ins Herz der Bezirksgeschichte greifen. Im Fokus steht der Fotograf und Kurator Andreas Hirsch, der 1964 mit seiner Familie nach Hietzing zog und dort 14 Jahre in einer Genossenschaftswohnung in Ober St. Veit lebte. Ein ganzes Stück Heimatgeschichte spiegelt sich in seinen Bildern wider, die er über die Jahre gesammelt hat.
Die Ausstellung, die bis 1. Juli 2026 zu sehen ist, bietet nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch persönliche Erinnerungen von Hirsch, die geschickt mit der Geschichte des Bezirks verwoben sind. Fotografien und historische Aufnahmen mit sachdienlichen Hinweisen zu den Motiven laden die Besucher ein, in vergangene Zeiten einzutauchen. Besonders berührend: Ein weißer Sessel – das einzige sichtbare Relikt seiner 94-jährigen Mutter, die im Pensionistenheim lebt. Diese kleine, aber symbolisch aufgeladene Präsenz zieht die Betrachter in eine emotionale Welt.
Eine Brücke in die Vergangenheit
1964 war ein Jahr des Wandels für Hietzing. Die alte Brücke über den Wienfluss wurde abgerissen und durch die Kennedybrücke ersetzt. Gleichzeitig öffnete das Einkaufszentrum Ekazent seine Pforten – das erste seiner Art in Österreich. Geplant von den Architekten Wolfgang und Traude Windbrechtinger, war das Ekazent nicht nur ein Einkaufszentrum, sondern ein Ort der Begegnung, der mit Geschäften, einem Kino, einem Restaurant und einem Kaffeehaus aufwartete. In den letzten Jahrzehnten hat es allerdings an seiner ursprünglichen Eleganz verloren.
Die Mauerblümchen-Perspektive von Hietzing zeigt sich nicht nur in den architektonischen Wahrzeichen, sondern auch in den sozialen Kontrasten des Bezirks. Hier trifft die Pracht der Villen auf die schlichten Linien der Gemeindebauten. An die Otto-Glöckel-Schule, die 1934 als modernste Schule Österreichs eröffnet wurde, erinnert Hirsch ebenfalls in seiner Ausstellung. Diese Schule war ein Symbol für Fortschritt und Bildung – Werte, die auch heute noch in Hietzing hochgehalten werden.
Ein Rückblick auf den kulturellen Puls
Die Bankfiliale gegenüber dem Bezirksmuseum war einst das Café Gröpl – ein beliebter Treffpunkt für Komponisten und Künstler. Hier, in dieser kleinen Oase der Kreativität, traf sich die Wiener Bohème, um Ideen auszutauschen und neue Projekte zu schmieden. Arnold Schönberg, ein bedeutender Komponist, lebte in der Gloriettegasse, wo seine Mäzenin Lilly Lieser ihn unterstützte. Solche Geschichten sind es, die den Bezirk lebendig machen.
Die Ausstellung „Erinnerung an Hietzing“ ist nicht nur ein nostalgischer Rückblick, sondern auch ein lebendiges Dokument der sozialen und kulturellen Veränderungen in einem Stadtteil, der so viel mehr ist als nur seine Fassade. Der Eintritt ist frei, und an bestimmten Terminen werden Führungen angeboten. Ein echtes Highlight für alle, die sich für die Geschichte ihrer Heimat interessieren!