Wien, die Stadt mit Charme und Geschichte, verwandelt sich mehr und mehr in eine grüne Oase. Wer hätte gedacht, dass Friedhöfe nicht nur Orte der Trauer, sondern auch der Erholung und der Begegnung werden können? Besonders der Friedhof Meidling sticht hervor und wird zum Vorzeigeprojekt für ein neues Verständnis von Friedhöfen. Hier wurden nicht nur 140 neue Bäume gepflanzt, sondern auch ganz besondere Bewegungsangebote und sogenannte „Hamsterinseln“ geschaffen. Ja, richtig gehört – Hamsterinseln! Diese kleinen Rückzugsorte für den Europäischen Feldhamster bieten Sträucher, Totholz und Wasserstellen, die nicht nur den kleinen Nagern zugutekommen, sondern auch die Biodiversität fördern.
Ein Spaziergang über den Friedhof Meidling, der sich über stolze 130.000 Quadratmeter erstreckt, ist ein echtes Erlebnis. Mit über 17.000 Grabstellen und zwei neu eingerichteten Wäldchen zum Flanieren hat man das Gefühl, in einem Park und nicht in einem Friedhof zu sein. Auf dem 800 Meter langen „Silent-Walk-Rundweg“ kann man ganz in Ruhe der eigenen Gedanken nachhängen oder einfach die frische Luft genießen. Und wenn man dann noch auf eines der drei liebevoll arrangierten „Plauderbankerl“ Platz nimmt, wird der Aufenthalt gleich noch geselliger.
Friedhöfe als Teil der modernen Stadt
Die Entwicklung der Friedhöfe in Wien ist nicht nur ein lokales Phänomen. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt, dass Friedhöfe zunehmend als Teil der städtischen Infrastruktur betrachtet werden. Sie haben eine Vielzahl von ökologischen, sozialen und kulturellen Wirkungen. In vielen Städten, insbesondere in Deutschland, wird ein Rückgang der klassischen Erdbestattungen festgestellt – stattdessen sind Urnen- und naturnahe Bestattungsformen im Kommen. Das hat zur Folge, dass der Flächenbedarf für Friedhöfe sinkt, was die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Einrichtungen in Frage stellt. Es gibt einen wachsenden Wettbewerb durch alternative Bestattungsangebote, wie Bestattungswälder. Um dem entgegenzuwirken, reagieren Friedhofsverwaltungen mit gezielter Belegungspraxis und Umnutzung von wenig nachgefragten Flächen.
Ein Blick auf die 46 Friedhöfe in Wien, die eine Fläche von rund 5,2 Quadratkilometern betreuen, zeigt, wie wichtig diese Orte für die Stadt sind. Sie tragen zur Verbesserung der Lebensqualität bei und können sogar die Umgebungstemperatur um bis zu drei Grad senken. Eine Studie des Austrian Institute of Technology (AIT) belegt das hohe Regen-Versickerungspotenzial dieser Flächen – ein echter Gewinn für das Stadtklima!
Von der Trauer zur Begegnung
Friedhöfe sind auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Die Menschen kommen zusammen, um zu trauern, aber auch um sich zu erinnern, zu plaudern und die Natur zu genießen. Der Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands (VFD e. V.) setzt sich dafür ein, dass Friedhöfe für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar bleiben. Ihre Bedeutung als Rückzugsorte wird durch die städtische Bautätigkeit immer wichtiger. Alte Friedhöfe mit ihren Baumbeständen sind oft artenreiche Lebensräume, die vielen bedrohten Pflanzen und Insekten, insbesondere Wildbienen, ein Zuhause bieten.
Ein Beispiel für eine nachhaltige Gestaltung ist die neue Strauchgrabanlage auf 50 Quadratmetern, die Platz für bis zu 120 Urnen bietet. Solche Initiativen fördern nicht nur die Biodiversität, sondern tragen auch zur ökologischen Bewirtschaftung der Friedhofsflächen bei. Das ist nicht nur gut für die Natur, sondern kann auch Kosteneinsparungen mit sich bringen.
Die Herausforderungen, vor denen Friedhöfe stehen, sind vielfältig: Die veränderte Bestattungskultur, die wachsende religiöse Vielfalt und die finanziellen Belastungen durch sinkende Gebühreneinnahmen machen eine durchdachte Planung notwendig. Doch die Zukunft der Friedhöfe in Städten wie Wien bleibt vielversprechend. Mit der richtigen Herangehensweise können sie weiterhin Orte der Ruhe, der Besinnung und der Erholung sein, die auch für die kommenden Generationen bestehen bleiben.