In der malerischen Taubergasse 23, mitten im charmanten Hernals, gibt es einen Ort, der die Zeit fast ein wenig angehalten hat. Hier befindet sich die Werkstatt „Meier Bürsten“, wo Gerhard Duchac als letzte Instanz des Bürsten- und Pinselmacher-Handwerks in Wien sein Unwesen treibt. Mit viel Leidenschaft und einem Hauch von Nostalgie hält er das alte Handwerk am Leben, das eine lange und bewegte Geschichte hat. Gerhard übernahm 2024 das Erbe von seinem Schwiegervater Norbert Meier, der das Geschäft einst mit viel Herzblut führte. Zuvor hatte Gerhard nicht einmal vor, in die Fußstapfen seiner Familie zu treten – doch das Leben hat seine eigenen Pläne.
Die Ursprünge von Meier Bürsten reichen bis ins Jahr 1918 zurück, als Hans Meier das Unternehmen in der Donaustadt gründete. Sein Sohn Norbert, damals nur 14 Jahre alt, trat in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm die Werkstatt nach dessen Tod. 1971 wurde der Standort in die Taubergasse verlegt, und dort werkelt Gerhard nun mit vollem Einsatz. Er hat das Handwerk von Norbert Meier direkt gelernt – eine Überlieferung von Wissen und Können, die in der heutigen Zeit rar geworden ist.
Herausforderungen im Handwerk
Wie der alte Spruch sagt: „Kleine Fische schwimmen im großen Teich.“ Und genau das spürt Gerhard in seinem Alltag. Die Konkurrenz durch große Unternehmen ist eine ständige Herausforderung. Der Großteil seines Geschäfts kommt aus der Herstellung von Industriebürsten, während er auch Privatkunden bedient – von Besenrestaurierungen bis hin zu Bürsten mit selbst gedrechselten Griffen. Eine echte Handwerkskunst, die in der heutigen Zeit fast schon anachronistisch erscheint!
Ein weiteres Problem, das sich wie ein Schatten über dem Gewerbe legt, ist die Beschaffung von Naturrohstoffen zu fairen Preisen. „Es ist nicht einfach, die richtigen Materialien zu finden“, gesteht Gerhard. Trotzdem bleibt er optimistisch. Der Glaube an die Zukunft des Handwerks ist stark in ihm verankert. Fast jedes Tierhaar ist für die Verarbeitung geeignet – nur Menschenhaar, das muss draußen bleiben. Komischerweise hat er eine Vorliebe für das Besondere, und das zeigt sich in seinen einzigartigen Produkten.
Ein Blick in die Zukunft
Gerhard Duchac ist nicht nur ein Handwerker, sondern auch ein Geschichtenerzähler. Jede Bürste, die er fertigt, erzählt von Tradition und Handwerkskunst. Er ist ein leidenschaftlicher Verfechter des Handwerks und möchte, dass diese jahrhundertealte Kunstform nicht in Vergessenheit gerät. Während Norbert Meier gelegentlich in der Werkstatt aushilft, gibt es immer wieder Momente, in denen Gerhard die Herausforderungen des kleinen Gewerbes spürt. Doch mit einem Lächeln und dem Blick auf die positiven Seiten des Lebens meistert er diese Hürden mit Bravour.
In einer Welt, die sich ständig verändert, bleibt die Werkstatt „Meier Bürsten“ ein Symbol für Beständigkeit und Handwerkskunst. Es ist nicht nur eine Werkstatt, sondern ein Ort der Inspiration und Kreativität – und das mitten in Hernals. Hier wird Geschichte lebendig, und jeder Besuch ist ein Schritt in die Vergangenheit, die so wichtig ist, um die Zukunft zu gestalten.