Am 24. April 2026 hat die Welt der Medizin einen herben Verlust erlitten. Der bedeutende Kardiologe Eugene Braunwald ist verstorben. Geboren 1929 in Wien, Österreich, musste er 1939 vor dem NS-Regime fliehen und fand in den USA eine neue Heimat. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn an die Harvard Medical School, wo er als Distinguished Hersey Professor of Medicine Maßstäbe setzte. Braunwald war nicht nur ein brillanter Forscher, sondern auch ein Mitbegründer der TIMI-Studiengruppe am Brigham and Women’s Hospital und der erste Leiter der kardiologischen Abteilung sowie klinischer Direktor des National Heart, Lung and Blood Institute.
Sein Wirken erstreckte sich über viele Jahre und seine einflussreichen Beiträge zur Erforschung von Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben Generationen von Ärzten und Forschern inspiriert. Als Autor und Herausgeber internationaler Standardwerke der Inneren Medizin und Kardiologie hinterlässt er ein bleibendes Erbe. Besonders in Erinnerung bleibt seine Festrede im Jahr 2014 anlässlich der Feier „10 Jahre MedUni Wien“, in der er über die Zukunft der klinisch und wissenschaftlich tätigen Ärzt:innen sprach. Die Medizinische Universität Wien plant nun, sein Vermächtnis im „Eugene Braunwald Auditorium“ im neuen Center for Translational Medicine zu ehren. In diesen schweren Stunden drückt die MedUni Wien ihr tiefes Mitgefühl für seine Familie, Freunde und die gesamte kardiologische Gemeinschaft aus.
Ein Pionier der Kardiologie
Die Kardiologie, das Gebiet, dem Braunwald sein Leben widmete, hat sich seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts stark verändert. Zu Beginn waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen für weniger als 10% der Todesfälle verantwortlich, während sie gegen Ende des Jahrhunderts fast 50% in Industrieländern und 25% in Entwicklungsländern ausmachten. Diese Verschiebung ist vor allem auf die Abnahme von Infektionskrankheiten und die steigende Lebenserwartung zurückzuführen. Die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA stieg von 49,2 Jahren im Jahr 1900 auf 76,9 Jahre im Jahr 2000.
Die Kardiologie entwickelte sich als eigenständiges Forschungsgebiet, und wichtige Entwicklungen wie die erste Fachzeitschrift „Archives de Maladies du Coeur et des Vaisseaux“ im Jahr 1907 in Paris ebneten den Weg für die moderne Herzmedizin. Die Einführung von Elektrokardiogrammen (EKGs), die ersten Herzkatheterisierungen und die Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine sind nur einige der Meilensteine, die die Behandlung von Herzkrankheiten revolutionierten. Diese Fortschritte wurden durch Pioniere wie Braunwald vorangetrieben, der nicht nur die Grundlagen der Kardiologie stärkte, sondern auch die Zukunft dieser Disziplin maßgeblich beeinflusste.
Ein bleibendes Erbe
Der Verlust von Eugene Braunwald ist nicht nur ein schwerer Schlag für die kardiologische Gemeinschaft, sondern auch ein Moment der Reflexion über die Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden. Seine Leidenschaft für die Wissenschaft und sein Engagement für die Gesundheit der Menschen werden in den Herzen und Köpfen vieler weiterleben. Die Medizinische Universität Wien ehrt sein Vermächtnis nicht nur mit dem Auditorium, sondern auch durch das fortwährende Streben, das Wissen und die Forschung im Bereich der Herzgesundheit voranzutreiben, für die er so leidenschaftlich gekämpft hat.