Am 11. Mai war es endlich so weit: Der Spatenstich für die Umgestaltung der Bleichergasse in Alsergrund wurde gesetzt. Ein Projekt, das mit viel Hoffnung, aber auch mit einer gehörigen Portion Skepsis beäugt wird. Ziel ist es, 400 Quadratmeter versiegelten Asphalt zu entsiegeln, sechs neue Bäume zu pflanzen und einen Trinkhydranten sowie Sitzmöbel aufzustellen. Damit soll nicht nur der Aufenthaltswert steigen, sondern auch den sogenannten Hitzeinseln in der Stadt den Kampf angesagt werden. Laut der MA 28, die für Straßenverwaltung und Straßenbau zuständig ist, soll auch die Kanalisation entlastet werden.

Bezirksvorsteherin Saya Ahmad von der SPÖ hat sich der sozialen Dimension dieses Vorhabens angenommen. Besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit eingeschränkter Mobilität sollen von der Umgestaltung profitieren. Die Idee dazu stammt aus dem „Wiener Klimateam“, einem Bürgerbeteiligungsprojekt, das den Bürgerinnen und Bürgern eine Stimme geben möchte. Doch nicht alle sind begeistert von den Plänen.

Kritik an den Kosten und der Umsetzung

Die Kritiker Helmut und Kerstin Kastner sehen in dem Vorhaben eine „Mogelpackung“. Ein Preis von 313.000 Euro für lediglich 30 Meter Straße sorgt für Stirnrunzeln. Besonders die hohen Kosten für die Baumpflanzungen – bis zu 30.000 Euro pro Baum – werfen Fragen auf. Die Bezirksvorstehung versucht, diese Ausgaben zu erklären, doch viele Anwohner fühlen sich nicht ausreichend gehört. Bedenken gibt es auch hinsichtlich der Verkehrsverlagerung in die umliegenden Wohnstraßen. Damit könnte der CO2-Ausstoß steigen und die Lärmbelastung zunehmen.

Ein weiteres Thema, das von Kritikern angesprochen wird, ist das Fehlen von Umweltverträglichkeits- und Lärmprüfungen. Die MA 28 hat erklärt, dass solche Prüfungen bei diesem Projekt nicht vorgesehen sind. Ahmad hingegen betont die veränderten Anforderungen an den öffentlichen Raum durch den Klimawandel, die steigenden Temperaturen und das Bevölkerungswachstum. Man darf gespannt sein, wie sich die Situation in den nächsten zwei Monaten bis zur geplanten Fertigstellung des Platzes entwickeln wird.

Hitze in der Stadt: Ein globales Problem

Die Problematik der Hitzeinseln in Städten ist kein rein lokales Phänomen. Laut der WHO sind zwischen 1998 und 2017 weltweit etwa 166.000 Menschen aufgrund von Hitze gestorben. Besonders in städtischen Gebieten, wo versiegelte Flächen und dicht bebaute Strukturen die Luftzirkulation erschweren, heizt sich die Umwelt stark auf. Daher ist es umso wichtiger, dass Kommunen und Stadtplaner*innen an solchen Anpassungsmaßnahmen arbeiten.

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Der Fraunhofer IBP unterstützt diesen Prozess durch umfassende Forschung im Bereich Klimafolgenanpassung. Mit Stadtklimasimulationen können die Auswirkungen von Anpassungsmaßnahmen bereits im Voraus berechnet werden. Ziel ist es, die effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung der Überhitzung auszuwählen und umzusetzen. Dazu gehören nicht nur die Schaffung von Grünflächen und Frischluftschneisen, sondern auch die Verbesserung der Lebens- und Umweltqualität in urbanen Räumen.

In Alsergrund zeigt sich, dass die Herausforderungen des Klimawandels auch in der Stadtgestaltung angekommen sind. Die Bleichergasse könnte ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein – wenn die Umsetzung tatsächlich den Bedürfnissen der Anwohner gerecht wird.