Literarische Fäden und Federn: Ein Abend mit Nava Ebrahimi in Feldkirch
Einmal mehr verwandeln die Öffentlichen Büchereien Feldkirch und das Theater am Saumarkt die kleine Stadt in ein literarisches Zentrum. Am Montag, dem 22. Juni um 19.30 Uhr, ist es soweit: Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi wird aus ihrem aktuellen Roman „Und Federn überall“ lesen. Und das Beste daran? Der Eintritt ist frei! Ein Grund mehr, sich den Abend im Kalender rot anzustreichen.
Ebrahimi, eine der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur, nimmt uns mit in die kleine Stadt Lasseren im Emsland. Dort, wo der Nebel über den Straßen schwebt und der Winter die Menschen in seinen Bann zieht. Im Fokus stehen die Schicksale von sechs Protagonisten, deren Leben untrennbar mit dem Geflügelschlachthof Möllring verbunden ist – einem der Hauptarbeitgeber der Region. Es ist eine Geschichte über Zusammenhalt, gesellschaftliche Veränderungen und die ewige Suche nach Hoffnung. Ein Thema, das in Zeiten wie diesen relevanter kaum sein könnte.
Einblicke in die Geschichten
Sonia, eine alleinerziehende Mutter, träumt von einem Leben jenseits des Schlachthofs. Sie sucht verzweifelt nach einem Job. Aber wie sieht es mit den anderen aus? Anna, die junge Ingenieurin, steht vor einem entscheidenden Testlauf eines neuen Automatisierungsverfahrens. Merkhausen, ein verlassener Ehemann, hat sich für ein Date entschieden, während er gleichzeitig an der Prozessoptimierung im Schlachtbetrieb arbeitet. Und dann gibt es da noch Nassim, einen geflüchteten Afghanen, der sich in die ältere Justyna verliebt hat und an die Kraft seiner Gedichte glaubt. Ein Vorfall mit einem rücksichtslosen Fahrradfahrer bringt Nassim in die lokale Berühmtheit – und zwingt die Menschen, sich ihrer eigenen Wahrheit zu stellen. Das klingt spannend, oder?
Nava Ebrahimi, geboren 1978 in Teheran, hat bereits mit ihrem Debüt „Sechzehn Wörter“ für Furore gesorgt. Dafür erhielt sie 2021 den Ingeborg-Bachmann-Preis und weitere Auszeichnungen. Ihr Werdegang ist beeindruckend: Nach dem Studium der Journalistik und Volkswirtschaftslehre in Köln arbeitete sie als Redakteurin und ist seit 2025 Kolumnistin der Süddeutschen Zeitung. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Graz und ist eine Koryphäe in der literarischen Szene.
Ein Abend voller Literatur und Austausch
Die Lesung am 22. Juni ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die darauf abzielt, aktuelle Literatur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Zusammenarbeit zwischen den Öffentlichen Büchereien Feldkirch und dem Theater am Saumarkt fungiert als Brücke zwischen Autor:innen und Leser:innen. Es geht darum, Räume für Dialog und Austausch zu schaffen, gerade in einer Zeit, in der Literatur mehr denn je ein Lichtblick sein kann.
Interessanterweise wird die Veranstaltung auch aus Mitteln der Büchereiförderung des Bundes gefördert. Das zeigt, wie wichtig der Zugang zu Literatur und Bildung ist. Und das in einer Zeit, in der wir oft mit finanziellen und strukturellen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Lesung ist damit nicht nur ein literarisches Event, sondern auch ein Zeichen für die Stärkung der Kultur in unserer Region.
Das literarische Highlight des Abends wird sicherlich viele begeistern und dazu einladen, über die eigenen Lebensrealitäten nachzudenken. Wer weiß, vielleicht findet sich ja der ein oder andere Zuhörer in den Geschichten von Ebrahimi wieder? Auf jeden Fall wird es ein Abend, der zum Nachdenken anregt und die Herzen berührt.
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