Endlich ist es soweit! In Rorschach wird die queere Community mit einem neuen, aufregenden Angebot bedacht: dem queeren Stammtisch «SeeLaVie». Die beiden Initiatoren, Stephan Zeller und Adriano Carrera, wohnen seit einem Jahrzehnt in dieser charmanten Stadt und haben oft das Gefühl, dass es an Angeboten für die LGBTQ+-Szene mangelt. Zusammen mit ihrem Nachbarn Adrian Meier haben sie nun den Schritt gewagt und diesen Stammtisch ins Leben gerufen. Der erste Termin steht bereits fest: am Dienstag, und das Wetter wird entscheiden, wo die Runde stattfindet – bei Sonnenschein im «Zelt-Werk» am Hafenplatz oder bei Regen im gemütlichen «Kornhausbräu».

Das Konzept ist einfach und einladend: «SeeLaVie» soll ein Ort ohne Verpflichtungen und striktes Programm sein, ein Raum für Gespräche und Begegnungen. Hier sind nicht nur LGBTQ+-Personen willkommen, sondern auch alle, die offen und tolerant sind. Und das ist besonders wichtig, denn der Begriff «queer» umfasst eine Vielzahl von sexuellen Orientierungen und Identitäten. Der Stammtisch findet regelmäßig am ersten und dritten Dienstag des Monats ab 18 Uhr statt und verspricht, ein ungezwungener Treffpunkt für die lokale und regionale Szene zu werden. Erste Rückmeldungen sind vielversprechend – es herrscht Neugier! Nur eines bleibt abzuwarten: Wie viele Menschen werden sich am Dienstag einfinden?

Gesellschaftliche Herausforderungen für LGBTQ+

Die Notwendigkeit eines solchen Treffpunkts wird umso deutlicher, wenn man einen Blick über die Grenzen wirft. In Deutschland lebt fast die Hälfte der LGBTI-Personen ihre sexuelle Orientierung nicht offen aus, und in der gesamten EU sind es sogar 53%. Solche Zahlen sind alarmierend. Die Angst vor Diskriminierung und Gewalt führt dazu, dass viele Menschen in der Öffentlichkeit zurückhaltend sind – 45% der Befragten in Deutschland geben an, oft oder immer zu vermeiden, die Hand eines gleichgeschlechtlichen Partners zu halten. Das zeigt, wie wichtig es ist, sichere und unterstützende Räume zu schaffen.

Besonders erschreckend sind die Berichte über Belästigungen und körperliche Angriffe. In Deutschland wurden 36% der Befragten in den zwölf Monaten vor einer Umfrage belästigt – und das ist nicht nur ein Einzelfall. Diese Statistiken sind Teil einer größeren Studie, die zeigt, dass in vielen EU-Staaten Diskriminierung und Intoleranz immer noch an der Tagesordnung sind. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sieht hier Handlungsbedarf und fordert eine bessere Ausstattung der Gleichbehandlungsbehörden.

Ein Lichtblick in der Dunkelheit

Doch während in vielen Ländern die Rechte von LGBTQ+-Menschen noch immer stark eingeschränkt sind, gibt es auch positive Entwicklungen. In Argentinien wurde die LGBTI-Aktivistin Pierina Nochetti kürzlich freigesprochen, und in Griechenland erkennt man inzwischen die gleichgeschlechtliche Ehe an. Das sind kleine, aber bedeutende Schritte in die richtige Richtung. Diese Fortschritte sind ermutigend, während gleichzeitig in anderen Teilen der Welt, wie Uganda oder dem Irak, Gesetze verabschiedet werden, die gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisieren und die Menschenrechte mit Füßen treten.

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Inmitten all dieser Herausforderungen ist es wichtig, dass Orte wie der queere Stammtisch «SeeLaVie» in Rorschach entstehen. Hier sollen Menschen die Möglichkeit haben, sich frei auszudrücken und Gleichgesinnte zu treffen. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, kann gerade in Zeiten, in denen viele noch immer mit Diskriminierung und Vorurteilen kämpfen, von unschätzbarem Wert sein. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die ersten Treffen entwickeln und welche Themen die Teilnehmenden ansprechen werden. Vielleicht wird Rorschach bald zu einem Ort, an dem Toleranz und Offenheit nicht nur Worte sind, sondern gelebt werden.