Am 22. Mai 2026 trafen sich rund 30 Interessierte im „Gasthaus Stern“ in Bludenz zur Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins Region Bludenz. Ein Ort, der nicht nur für seine Gastfreundschaft bekannt ist, sondern auch für die tiefgründigen Gespräche, die dort geführt werden. Diesmal stand die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus im Mittelpunkt. Ein Thema, das uns alle betrifft und nicht in Vergessenheit geraten darf. Die Eröffnung einer Wanderausstellung am BG Bludenz unter dem Motto „Darüber sprechen“ war der Höhepunkt des Abends. Diese Ausstellung gibt den Menschen eine Stimme, die die Terrorherrschaft der Nazis hautnah erlebt haben. Ein sehr wichtiges Anliegen, denn es ist entscheidend, diese Geschichten weiterzugeben.
Leider musste Zeitzeuge Uri Strauß aus gesundheitlichen Gründen absagen. Schade – ich kann mir nur vorstellen, wie wertvoll sein Bericht gewesen wäre. Stattdessen berichtete Olga Pircher über ihren Vater, einen Widerstandskämpfer, der in KZs interniert war. Ihre Erzählung war tief berührend und ließ uns für einen Moment innehalten, während wir über das Unvorstellbare nachdachten, was er durchgemacht hatte. Im Rahmen von „Stadtgeschichte Mobil“ wurde auch an Józef Wiśnicki erinnert, einen polnischen Juden, der 1943 in Bludenz unter falscher Identität lebte. Wiśnicki überlebte den Holocaust und emigrierte später nach Amerika. Seine Lebenserinnerungen wurden im Tyrolia Verlag veröffentlicht – ein wichtiges Dokument, das uns Einblicke in die Vergangenheit gibt.
Ein Blick zurück und nach vorne
Obmann Stefan Stachniß hielt eine Rückschau auf das Vereinsjahr, in dem beeindruckende 50 Veranstaltungen organisiert wurden, 24 davon in Bludenz – das kann sich sehen lassen! Bei den Neuwahlen wurde Stachniß als Obmann bestätigt, während Otto Schwald als Schriftführer und Julian Bitsche als neuer Kassier gewählt wurden. Frischer Wind also, der die Geschicke des Vereins lenken wird! Besonders erwähnenswert ist die Ernennung des ehemaligen Obmanns Andreas Rudigier zum Ehrenmitglied – eine verdiente Auszeichnung für sein Engagement.
Stadtrat Cenk Dogan sprach dem Vereinsvorstand seinen Dank für die geleistete Arbeit aus und versprach, die Stadt werde den Geschichtsverein weiterhin unterstützen. Das ist einfach großartig! Für das kommende Vereinsjahr sind bereits Vorträge, Erzählcafés und Ausstellungen im Würbel-Areal geplant. Man kann sich also auf viele spannende Veranstaltungen freuen.
Die Bedeutung von Zeitzeugen
Der LeMO-Zeitzeugenbereich, der persönliche Erinnerungen und individuelle Berichte enthält, ist ein weiteres wertvolles Werkzeug zur Geschichtsvermittlung. Diese Berichte ergänzen chronologische Kapitel mit allgemeinen historischen Ereignissen und spiegeln oft persönliche Erfahrungen wider, die nicht immer mit historisch gesicherten Erkenntnissen übereinstimmen. Im schulischen und außerschulischen Kontext sollten diese Dokumente jedoch quellenkritisch behandelt werden. Der direkte Austausch mit Zeitzeugen wird bald enden, da viele von ihnen bereits um die 90 Jahre alt sind. Die Frage, wie wir Wissen über den Holocaust ohne Zeitzeugen vermitteln können, wird immer drängender.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Begegnungen mit Zeitzeugen zur Personalisierung der Geschichte beigetragen haben. Ihre Erzählungen sind entscheidend für das Verständnis der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Das Visual History Archive der Shoah Foundation, das über 55.000 Interviews mit Holocaust-Überlebenden enthält, bietet eine riesige Sammlung an Informationen, die für zukünftige Generationen von unschätzbarem Wert sein wird.
Wir stehen also an einem Wendepunkt. Die Vermittlung der Geschichte des Holocausts durch persönliche Erzählungen und Dokumente wird immer wichtiger. Die Herausforderungen, die mit der Verbreitung von Des- und Misinformation durch soziale Medien einhergehen, erfordern ein faktengestütztes Storytelling, um revisionistische Erzählungen entgegenzuwirken. Daher ist es unerlässlich, dass wir die Geschichten der Überlebenden weitertragen. Nur so können wir sicherstellen, dass diese dunkle Zeit in unserer Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.