In der letzten Gemeinderatssitzung in Lienz hat Bürgermeisterin Elisabeth Blanik ihre Bedenken zur Zukunft der Südtiroler Siedlung geäußert. Diese Siedlung, die bereits im Jahr 1941 für Südtiroler Optanten fertiggestellt wurde, steht seit geraumer Zeit im Fokus von Diskussionen. Trotz des Interesses an einer möglichen Weiterentwicklung gibt es bislang keine konkreten Pläne für Abriss- oder Sanierungsmaßnahmen. Die Unklarheit über die Zukunft der Siedlung bleibt bestehen, während die Stadtgemeinde Lienz mit der Neuen Heimat Tirol in Kontakt steht, um mögliche Schritte zu besprechen.

Besonders spannend ist, dass die Südtiroler Siedlung im Wintersemester 2023/24 Teil einer Lehrveranstaltung an der TU Wien war. Studierende hatten die Gelegenheit, Vorschläge zur Weiterentwicklung der Siedlung zu erarbeiten. Architekten wie Georg Steinklammer und Stefan Breuer waren ebenfalls in den Diskurs involviert. Breuer plädierte für eine sanfte Weiterentwicklung, die die Bewohner:innen aktiv mit einbezieht. Doch die Frage bleibt, wie und wann diese Ideen realisiert werden können.

Friesach als Vorbild

Ein Blick nach Kärnten zeigt, wie es auch anders gehen kann. In der Stadtgemeinde Friesach entsteht derzeit die Kanaltaler Siedlung, die ebenfalls auf eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg zurückblickt und nun dringend sanierungsbedürftig ist. In zwei Bauabschnitten werden dort insgesamt 24 moderne, barrierefreie Wohnungen errichtet. Die erste Bauphase ist bereits im April abgeschlossen, und zwölf Wohnungen konnten bereits an Mieter:innen übergeben werden. Die Preisspanne für die neuen Wohnungen reicht von 268 Euro Nettomiete bis hin zu 350 Euro Warmmiete, was dank großzügiger Subventionen aus der Kärntner Wohnbauförderung möglich ist.

Die Stadtgemeinde Friesach stellt das Grundstück für einen symbolischen Euro zur Verfügung und verzichtet auf Rücklagen am Bestandsobjekt. Zudem sorgt eine Photovoltaikanlage für Einsparungen bei den Betriebskosten. Die neuen Wohnungen sollen vorrangig an Bestandsmieter:innen vergeben werden, wobei die Zuteilung nach sozialen Kriterien erfolgt. Eine große Stärke des Projekts ist die Einbeziehung der Mieter:innen von Anfang an – Entwurfspläne wurden in einer Versammlung vorgestellt, sodass die künftigen Bewohner:innen aktiv teilnehmen konnten.

Gemeinnütziger Wohnbau als Lösung

In einem weiteren Kontext ist der gemeinnützige Wohnbau zu betrachten, der in Südtirol durch das Land gefördert wird. Dieser Ansatz zielt darauf ab, leistbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen, und wird von gemeinnützigen Organisationen, Stiftungen, Genossenschaften und Gemeinden getragen. Angesichts stark gestiegener Immobilienpreise und Mieten bietet der gemeinnützige Wohnbau eine wertvolle Lösung, da die Mieten unter dem Marktniveau liegen und gedeckelt sind. Damit wird nicht nur die Abwanderung verhindert, sondern auch dafür gesorgt, dass Menschen in ihrer Heimat wohnen bleiben können.

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Die Bundesregierung in Deutschland plant zudem die Einführung einer neuen Wohngemeinnützigkeit (NWG), die darauf abzielt, dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Diese Initiative könnte auch positive Impulse für ähnliche Projekte in Österreich setzen. Die NWG wird als Anreiz für Investitionen in faire, bezahlbare Mieten angesehen und könnte insbesondere sozial orientierte Unternehmen unterstützen. Durch steuerliche Begünstigungen wird die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum als „gemeinnützig“ eingestuft, was langfristig den sozialen Zusammenhalt fördert.

Die Situation in Lienz und Friesach verdeutlicht, wie wichtig es ist, kreative Lösungen für den Wohnungsbau zu finden. Die Diskussion um die Südtiroler Siedlung steht exemplarisch für die Herausforderungen, die viele Gemeinden in Österreich und darüber hinaus bewältigen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass aus den bisherigen Überlegungen konkrete Pläne entstehen, die den Bedürfnissen der Bewohner:innen gerecht werden.