Die Abenteuerlust hat einen neuen Helden! Andreas Aschaber, ein Tiroler Bergsteiger, hat mit seinem sechsköpfigen Team ein außergewöhnliches Expeditionsprojekt erfolgreich abgeschlossen. Ziel war der Beerenberg, der mit 2.277 Metern der höchste Punkt auf der Arktisinsel Jan Mayen ist. Diese Insel, die zu Norwegen gehört, liegt rund 350 Seemeilen nördlich von Island und zählt zu den entlegensten Orten Europas. Allein die Anreise war eine Herausforderung: Fünf Tage Hochseeüberfahrt auf einem eisverstärkten Expeditionssegler – das ist schon mal kein Zuckerschlecken!
Hohe Wellen, starker Wind, Kälte und permanente Feuchtigkeit – das sind die Bedingungen, unter denen das Team die Überfahrt meisterte. Und dann noch die Seekrankheit! Man kann sich vorstellen, wie es da an Bord zuging. Doch das Expeditionsteam ließ sich nicht unterkriegen und war voll in den Bordbetrieb integriert. Aufgaben wie Wachführung, Navigation und Segelmanöver standen auf der Tagesordnung. Schließlich konnte die Anlandung mit dem Schlauchboot nur mit Erlaubnis des Commanders der Militärstation auf Jan Mayen erfolgen. Auf dieser mystischen Insel gibt es keinen Hafen, keine Straßen und keine zivile Infrastruktur. Man könnte sagen, das ist Abenteuer pur!
Die Besteigung des Beerenbergs
Die Besteigung des Beerenberg-Massivs war kein Spaziergang. Insgesamt dauerte die Aktion rund 32 Stunden, in denen das Team etwa 2.400 Höhenmeter und 28 Kilometer bis zum Hauptgipfel bewältigte – ganz zu schweigen von den zusätzlichen Höhenmetern entlang des Kraterrandes. Und ja, bei passenden Bedingungen gelang sogar die Skiabfahrt vom Gipfel. Aschaber selbst beschreibt die Erfahrung als unvergesslich, geprägt von Abgeschiedenheit, der Mitternachtssonne und der Weite des Nordatlantiks. Das klingt fast nach einem Traum, oder?
Andreas Aschaber ist kein Unbekannter in der Bergsteigerszene. Er hat das „Highpointer“-Projekt ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, alle 197 höchsten Landesgipfel der Erde zu erklimmen. Von diesen hat er bereits 142 erreicht. Eine beeindruckende Leistung, die nur noch durch die Kombination aus Hochseesegeln, Expeditionslogistik und alpinem Extrembergsteigen übertroffen wird.
Jan Mayen: Ein Ort der Extreme
Doch was macht Jan Mayen eigentlich so besonders? Diese norwegische Insel im Arktischen Ozean ist geologisch vulkanischen Ursprungs und weniger als 500.000 Jahre alt. Mit einer Fläche von 373 km² und einer Länge von 54 km ist sie ein wahrhaft einsamer Ort – die Bevölkerungsdichte liegt bei unter einem Einwohner pro Quadratkilometer! Der Hauptort, Olonkinbyen, ist mehr als nur ein Name; er ist der einzige Anlaufpunkt auf dieser rauen Insel.
Einmal im Jahr, von Mai bis Juli, erleben die Bewohner und Besucher die Mitternachtssonne. In dieser Zeit gibt es keinen Sonnenuntergang – ein Schauspiel, das man einmal im Leben gesehen haben sollte. Die kältesten Monate sind der Februar mit einer Durchschnittstemperatur von -6 °C und der mildeste Monat ist der August mit 5 °C. Wenn man bedenkt, dass es auf Jan Mayen etwa 230 Tage im Jahr regnet, kann man sich vorstellen, wie rau und unberechenbar das Klima hier ist.
Die Fauna auf Jan Mayen ist ebenso bemerkenswert. Etwa 100 Vogelarten, darunter der Eissturmvogel und die Dickschnabellumme, brüten hier. Sogar Eisbären verirren sich hin und wieder auf die Insel. Die Vegetation ist spärlich, vorwiegend Tundrenvegetation mit Moosen und Flechten. Wer hätte gedacht, dass so viel Leben an einem so extremen Ort existiert?
Jan Mayen hat eine reiche Geschichte, die bis in die Zeit der niederländischen Walfänger zurückreicht. Entdeckt wurde die Insel vermutlich von John Clarke im Jahr 1614. Heute ist sie Teil des norwegischen Königreichs und wird verwaltungstechnisch von der Provinz Nordland aus betreut. Trotz der extremen Bedingungen und der Abgeschiedenheit zieht die Insel immer wieder Abenteuerlustige und Expeditionsfreunde an.
Die Kombination aus Andreas Aschabers beeindruckender Expedition und der einzigartigen Natur Jan Mayens wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Ein wahrhaft inspirierendes Beispiel für die Kraft des menschlichen Willens und die Schönheit der Natur!