In der malerischen Kletterhalle von Fulpmes hat sich ein bemerkenswertes Projekt etabliert: „Klettern für ALLE“. Hier wird ein inklusives Kletterangebot für Menschen mit und ohne Behinderung geboten, das nicht nur für sportliche Betätigung sorgt, sondern auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl fördert. Initiiert wurde das Projekt von der Sektion Stubai/InNatur des Alpenvereins, und es hat sich von einem ersten Versuch zu einem regelmäßigen Fixpunkt entwickelt. Trainerin Tessa bringt wertvolle Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen mit, die sie besonders im Ausland gesammelt hat.
Das Klettern in Fulpmes ist mehr als nur ein Sport: Es ist eine Möglichkeit, Grenzen zu überwinden und sportliche Aktivität zurückzugewinnen. Der Fokus liegt auf Bewegungen und dem Vertrauen in den eigenen Körper, nicht nur auf der Höhe. Die individuellen Anpassungen der Seile und Sicherungssysteme ermöglichen, dass sogar Menschen im Rollstuhl an der Wand klettern und dabei ein Gefühl von Freiheit erleben können. Teilnehmer wie Monika und Lukas, die beide körperliche Einschränkungen haben, nehmen begeistert am Klettern teil und zeigen, wie viel Potential in diesem inklusiven Ansatz steckt.
Ein Ort des gemeinsamen Lernens
Die Klettertreffs finden jeden Mittwoch um 18.30 Uhr statt, wobei der Fokus am Nachmittag auf Kindern und am Abend auf Erwachsenen liegt. Der Ablauf umfasst die Auswahl der Ausrüstung, Aufwärmübungen und das Klettern in kleinen Gruppen. Unterstützung wird je nach individuellen Bedürfnissen bereitgestellt, etwa durch gezielte Ansagen der nächsten Griffe für sehbehinderte Teilnehmer. Für Kinder gibt es spielerische Ansätze, wie den Bau einer Dominostraße, um sie an die Boulderwand heranzuführen. „Klettern für ALLE“ fördert nicht nur die sportliche Betätigung, sondern auch Rücksichtnahme und verringert Vorurteile, indem es Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringt.
Diese inklusive Kletterbewegung ist Teil eines größeren Trends, der auch in Deutschland zu beobachten ist. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat über 350 Sektionen, die sich aktiv mit Inklusion für Menschen mit Behinderungen beschäftigen. Einige dieser Gruppen sind für ihre herausragende Inklusionsarbeit sogar mit Ehrenpreisen ausgezeichnet worden. Die Förderung einer inklusiven Bergsportlandschaft ist ein zentrales Ziel des DAV, und viele Sektionen bieten mittlerweile Klettern für Kinder ab fünf Jahren und Erwachsene an, unabhängig von ihren Fähigkeiten.
Sport als Brücke zur Akzeptanz
Sport hat die Kraft, Barrieren abzubauen und Akzeptanz sowie Toleranz zu fördern. Gemeinsamer Sport wird von vielen Menschen als normal angesehen und sollte in der Gesellschaft selbstverständlich sein. Die Haltung zur Inklusion und Integration durch Sport hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt, auch wenn es noch Herausforderungen gibt. Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde 2009 von Deutschland unterzeichnet, und zahlreiche Aktionspläne zur Umsetzung der Inklusion wurden entwickelt. Dennoch ist der Anteil der Menschen mit Behinderung, die aktiv Sport treiben, noch zu niedrig. Laut Studien treiben 55% der Menschen mit Behinderung keinen Sport, was im Vergleich zu 28% bei Menschen ohne Behinderung alarmierend ist.
Die Strukturen im organisierten Sport bekennen sich zwar zur Inklusion, jedoch ist der Anteil inklusiv arbeitender Sportvereine nur bei 35%. Umso wichtiger sind Initiativen wie „Klettern für ALLE“, die zeigen, wie durch Inklusion nicht nur sportliche Fertigkeiten vermittelt werden, sondern auch soziale Kompetenzen, die in andere Lebensbereiche übertragen werden können. Ein starkes und inklusives Sportangebot kann dazu beitragen, die Gesellschaft offener und toleranter zu gestalten.