Im Herzen Tirols, genauer gesagt im Tiroler Landhaus, wird die Ausstellung „Leokadia Justmann. Brechen wir aus!“ präsentiert, die sich mit einer eindrucksvollen Fluchtgeschichte einer polnischen Jüdin in Tirol auseinandersetzt. Diese Ausstellung ist nicht nur ein Rückblick auf die Schrecken des Nationalsozialismus, sondern auch eine Hommage an den Überlebenswillen und die Kraft der Hoffnung. Die Fluchtgeschichten, wie die von Leokadia Justman, werden durch die Erzählungen von Günter Bernd Ginzel, der als Kind jüdischer Eltern in Köln geboren wurde, ergänzt. Ginzel und seine Familie lebten unter extremen Bedingungen, versteckt in den Bergen, und kämpften ums Überleben.

Die Ginzel-Eltern flohen 1933 vor dem Hitlerregime nach Italien, wo sie in einer verlassenen Berghütte Unterschlupf fanden. Unter extremen Bedingungen, ohne Heizung und nur mit dem Nötigsten ausgestattet, lebten sie in ständiger Angst vor Entdeckung. Ihre Führerscheine, die sie als Ausweise ohne den „J“-Stempel nutzen konnten, waren für ihre Überlebensstrategie entscheidend. Doch die Jahre im Versteck forderten ihren Preis: Der Vater starb nach der Befreiung an den Spätfolgen der Entbehrungen, ein Beispiel für das, was als „Hitleritis“ bezeichnet wird – die körperlichen und seelischen Zerstörungen durch Verfolgung und Terror.

Die Fluchtgeschichten im Fokus

Leokadia Justman entkam dem Warschauer Ghetto, während ihre Mutter sich der Deportation in ein Vernichtungslager aussetzte, um das Leben ihrer Tochter zu retten. Gemeinsam mit ihrem Vater flüchtete Leokadia nach Tirol, wo sie unter falscher Identität lebten und von Tiroler Helfern unterstützt wurden. Ein bemerkenswerter Wendepunkt in ihrer Geschichte war die Flucht aus dem Polizeigefängnis in Innsbruck am 18. Januar 1945 – ein mutiger Schritt, der ihre Überlebensgeschichte weiter prägte.

Die Ausstellung, kuratiert von Niko Hofinger und Dominik Markl, bietet interaktive Elemente, die es den Besuchern ermöglichen, die komplexen Rollen von Helfern, Verfolgern und Mithäftlingen zu erkunden. Sie zeigt, wie Menschen in schwierigen Zeiten zusammenkamen, um das Leben anderer zu retten. Am 6. Mai 2026 werden Gedichte von Leokadia Justman im Innsbrucker Treibhaus vorgetragen, die eindrucksvoll auf ihre inneren Kämpfe und Hoffnungen eingehen.

Erinnern und Gedenken

Zur Ergänzung dieser wichtigen Erzählungen gibt es das Online-Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“, das Jüdinnen und Juden dokumentiert, die während dieser dunklen Zeit lebten und durch Verfolgung starben. Nutzer können hier nach Namen, Orten und Daten suchen und die Schicksale dieser Menschen nachvollziehen. Das Gedenkbuch wird kontinuierlich ergänzt und ermöglicht es, ein Stück Geschichte lebendig zu halten. Es ist eine wertvolle Ressource für alle, die mehr über die Verfolgung der Juden erfahren möchten.

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Die Wichtigkeit solcher Geschichten kann nicht genug betont werden. Die Literatur-Expertin Paula Wojcik und ihr Team arbeiten daran, die Erzählungen verfolgter Menschen, insbesondere von marginalisierten Gruppen wie Sintizze und Romnja, aufzuarbeiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Expert*innen wird das Projekt „Remapping Refugee Stories“ gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Unrecht der nationalsozialistischen Verfolgung lebendig zu halten und sich für Menschenrechte und Völkerverständigung einzusetzen.

Die Ausstellung im Tiroler Landhaus und die begleitenden Projekte sind nicht nur ein Rückblick auf die Vergangenheit, sondern auch ein Signal für die Gegenwart und Zukunft. Sie laden dazu ein, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und zu reflektieren, wie wichtig es ist, die Geschichten derjenigen, die litten, nicht zu vergessen.