Gestern Abend war es endlich so weit: Ernst Molden und Sigrid Horn eröffneten das TschirgArt Jazzfestival in der Stadtbühne Imst mit ihrem gemeinsamen Programm „Kuaz vuan Weda“. Schon beim Betreten des Saals spürte man die Vorfreude in der Luft. Das Publikum war neugierig – schließlich war dies die erste Aufführung in Tirol aus ihrem gleichnamigen Album, das im Übrigen eine gelungene Mischung aus verschiedenen Positionen der österreichischen Liedszene darstellt.
Die Premiere fand zuvor im renommierten Wiener Burgtheater statt, und viele Besucher erinnerten sich nostalgisch an Moldens Auftritt beim TschirgArt Festival 2025. Der Abend in Imst war von einer besonderen Intensität geprägt, die aus der Liebe zur Musik und den Geschichten, die sie erzählten, resultierte. Die Lieder handelten von alltäglichen Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen – ganz nah und menschlich. Molden erzählte etwa vor dem Song „Vogalsalod“ von seinen Erinnerungen an das Fortgehen und das Schwimmen im Wiener Amalienbad. So etwas zieht die Zuhörer sofort in den Bann.
Ein Abend voller Emotionen
Besonders hervorzuheben ist das Stück „Zaacha Dog“, das sich mit emotionaler Schwere auseinandersetzt, die oft ohne erkennbaren Grund auftritt. Es hat fast etwas Universelles, das jeden von uns schon einmal berührt hat. Und dann gibt es da noch „Gsicht en Bam“, das aus der skurrilen Beobachtung einer Fichtenrinde entstand, die Molden an ein Gesicht erinnerte. Solche kleinen, aber feinen Anekdoten machen die Musik so lebendig.
Molden, eine prägende Figur des modernen Wiener Liedes, und Horn, die durch den Protestsongcontest große Bekanntheit erlangte, zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich ihre musikalischen Zugänge sind. Horn hat sich eine eigene Dialekt-Liedsprache geschaffen, die Folk, politisches Lied und poetische Reduktion vereint. Im Solo-Teil interpretierte Molden Bob Dylans „I Was Young When I Left Home“ in Wiener Dialekt – ein absoluter Gänsehautmoment! Horn sprach in ihrer Erzählung über die Veränderungen, die eine zweite Mutterschaft mit sich bringt, und wie sich dadurch ihre Wahrnehmung von Liedern gewandelt hat.
Klangvolle Begegnungen
„Schwerelos“, ein Lied, das aus einem Artikel über Astronaut*innen und deren Herzen in der Schwerelosigkeit entstand, brachte eine besondere Tiefe in die Darbietung. Auch Moldens „B 666“, ein Roadsong über die Erlebnisse nach nächtlichen Konzertfahrten, schaffte es, die Zuhörer zu fesseln. Die Lieder „Meer“ und „Liachd“ thematisieren Flucht und den Mut, sich gegen Bedrängnisse zu stellen – Themen, die aktueller denn je sind.
Horn hatte außerdem das berührende Lied „Kassandra“ im Gepäck, das mit inneren Bildern und Landschaften spielt und eine emotionale Tiefe entfaltet. Ihre Zusammenarbeit mit Molden zeigt einmal mehr, wie unterschiedliche Zugänge und Perspektiven sich gegenseitig erweitern und schärfen – das ist große Kunst der feinen Zwischentöne.
Das Konzert erforderte viel Aufmerksamkeit für die subtilen und metaphorischen Elemente, was den Abend umso intensiver machte. Wer also dachte, bei einem Jazzfestival ginge es nur um Musik, wurde hier eines Besseren belehrt.
Vorfreude auf das INNtöne Festival
In diesem Zusammenhang ist es spannend zu wissen, dass das INNtöne Festival, das in diesem Jahr zum 25. Mal am Buchmannhof in Froschau stattfindet, in den Startlöchern steht. Vom 14. bis 16. August wird dort ein buntes Programm mit zahlreichen Konzerten, einem Kinderprogramm und sogar Yoga angeboten. Die Tickets für die Scheune gelten für alle Bühnen, und die Atmosphäre in der Natur wird sicher ein Erlebnis der besonderen Art. Es ist eine Einladung an treue Besucher und Neuankömmlinge, die Kombination aus Musik und Natur zu genießen – und das ist genau das, was auch Molden und Horn mit ihrem Auftritt verkörpern.
Ein Abend voller Geschichten und Melodien, der lange nachklingen wird.