In Innsbruck, im Herzen von Tirol, wird Geschichte lebendig und nimmt Gestalt an. Die neue Ausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus!“ im Landhaus Innsbruck setzt ein starkes Zeichen in der Erinnerungspolitik des Landes Tirol. Sie ist nicht nur eine Präsentation von Kunst und Dokumenten, sondern auch ein eindringlicher Appell gegen das Vergessen. Landeshauptmann Anton Mattle hat die Bedeutung dieser Ausstellung unterstrichen, insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden antisemitischen Tendenzen, die wir überall auf der Welt beobachten müssen.
Die Ausstellung erzählt die bewegende Fluchtgeschichte von Leokadia Justman, einer Zeitzeugin, die am 20. Mai an einem besonderen Gespräch teilnehmen wird. Es ist das erste Mal in Österreich, dass die Holocaust-Überlebende Rozette Kats zu einem solchen Event eingeladen ist. Das lässt einen schon ein bisschen schaudern, wenn man bedenkt, wie wichtig es ist, solche Geschichten zu hören und weiterzugeben. Und als ob das nicht genug wäre, steht am 28. Mai auch die Buchpräsentation „Mich kriegt ihr nicht!“ von Józef Wiśnicki auf dem Programm. Wiśnicki hat den Holocaust überlebt, sprang aus einem Zug nach Treblinka und erlebte eine Flucht, die einem Film entsprungen sein könnte.
Einblicke in die Vergangenheit
Die Ausstellung ist mehr als nur eine Sammlung von Bildern und Texten. Sie ergänzt die Rahmenausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und zeigt historische Dokumente sowie Interviews mit Nachkommen. Ein Modell des Innsbrucker Polizeigefängnisses ist ebenfalls Teil dieser eindrucksvollen Präsentation. Und für alle, die sich für Kunst interessieren, gibt es die Graphic Novel „Lodzia & Marysia“ von Alwin Hecher, die als künstlerischer Rahmen dient. Die Installation von Gedichten von Leokadia Justman im Festsaal des Landhauses ist ein weiteres Highlight. Diese Gedichte wurden in Archiven in New York und Washington D.C. entdeckt und werden hier erstmals veröffentlicht. Ein ganz besonderer Moment, der einem die Gänsehaut über den Rücken jagt.
Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag, von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Besonders freitags zwischen 12 und 17 Uhr kann man die selbstverfassten Gedichte von Leokadia Justman im Festsaal bewundern – natürlich mit bestimmten Ausnahmen. Dieses Projekt ist eine Kooperation des Landes Tirol mit mehreren Institutionen, die sich für das Erinnern und das Bewahren der Geschichte einsetzen.
Ein Teil eines größeren Ganzen
Immer wieder wird uns vor Augen geführt, wie wichtig Erinnerungskultur ist. Der Nationalsozialismus war ein tiefgreifender Einschnitt in der Geschichte Deutschlands und Europas. Der 27. Januar als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist nicht nur ein Datum, sondern ein Mahnmal für alle, die für Menschenrechte und gegen Diskriminierung kämpfen. Diese Bemühungen sind auch Teil der Außenpolitik der Bundesregierung, die sich intensiv für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung eines vielfältigen jüdischen Lebens einsetzt. Das Auswärtige Amt hat einen Sonderbeauftragten, Botschafter Christian Heldt, der sich um die Beziehungen zu jüdischen Organisationen kümmert und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus aufrechterhält.
Wenn man durch die Ausstellung schlendert, spürt man die Last der Geschichte, aber auch die Hoffnung, dass wir aus der Vergangenheit lernen und gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten können. Die Stimmen der Überlebenden, die in dieser Ausstellung gehört werden, sind mehr als nur Geschichten – sie sind ein Aufruf, nicht zu vergessen und sich aktiv gegen das Vergessen zu wehren.
Für weitere Informationen und Veranstaltungen rund um die Ausstellung und die Erinnerungspolitik des Landes Tirol, schaut einfach mal auf tirol.gv.at/erinnern vorbei.