Die Steiermark erlebt in diesem Frühling eine beunruhigende Trockenheit. Wer hätte gedacht, dass wir uns mit so wenig Niederschlag herumschlagen müssen? Seit März ist der Regen wie vom Erdboden verschluckt. Der Frühling 2023 ist der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im 19. Jahrhundert! In Kapfenberg wurden gerade mal 11 Millimeter Regen gemessen. Und das ist nicht das einzige Problem, denn auch in Gleisdorf, Leoben, Bruck an der Mur, Neumarkt und Zeltweg fiel nur ein paar Millimeter mehr – alles weit unter dem Normalwert. Zeltweg, das normalerweise 93 Millimeter im Frühling abbekommen sollte, hat ein Minus von 86 Prozent zu verzeichnen. Auch Graz sieht nicht viel besser aus, wo mit 14 Millimetern der Regen weit hinter den üblichen 101 Millimetern zurückbleibt. Das klingt fast schon nach einem Witz, ist aber bitterer Ernst.

Friedrich Wölfelmaier, Meteorologe der Geosphere, beschreibt die Situation als außergewöhnlich. Er spricht von einer Trockenheit, die in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurde. Das ist nicht nur ein Problem für die Natur, sondern auch für die Menschen, die auf eine funktionierende Wasserversorgung angewiesen sind. In den nördlichen und südlichen Regionen der Steiermark gab es etwas mehr Regen, wie in Bad Aussee mit 99 Millimetern oder Bad Gleichenberg mit 33 Millimetern. Aber auch dort bleibt der Niederschlag um bis zu vier Mal unter den üblichen Werten zurück.

Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist besonders betroffen. Die Böden trocknen aus, und die Grundwasserstände in Regionen wie Ennstal, Murtal und Bad Radkersburg befinden sich auf historischen Tiefstständen. Nur in der Oststeiermark gibt es Pegel im Normalbereich. Das hat zur Folge, dass die steirischen Flüsse weniger Wasser führen als gewohnt – ein echtes Dilemma. Die Wasserkraftwerke, die normalerweise eine verlässliche Energiequelle darstellen, produzieren 28 Prozent weniger Strom als üblich, was für die Energieversorgung ein echtes Risiko darstellt.

In der Landwirtschaft gibt es zwar Anpassungsmöglichkeiten – Anpassung ist hier das Schlüsselwort. Langfristige Maßnahmen wie angepasste Landbewirtschaftung können helfen, sich gegen solche Extremereignisse zu wappnen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat ein Dürre-Wissensportal ins Leben gerufen. Hier kann man sich über Begriffe und Informationssysteme zum Thema Dürre informieren. Auch in Deutschland hat man 2008 eine nationale Anpassungsstrategie an den Klimawandel vorgestellt, um die Landwirtschaft resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu machen.

Innovationen für eine trockene Zukunft

Wichtige Strategien sind die Entwicklung robuster Sorten, vielfältige Fruchtfolgen und die Einführung neuer Kulturen. Techniken wie effiziente Bewässerung, Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau werden in der Landwirtschaft immer bedeutender. Und das ist nicht nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit. In der Tierhaltung müssen Stalltechniken und Management angepasst werden, um Hitzebelastungen zu minimieren. Die Herausforderungen sind groß, aber mit den richtigen Maßnahmen könnte man auch Chancen nutzen, etwa durch längere Vegetationsperioden.

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Ein Beispiel für zukunftsorientiertes Denken ist das Projekt WADKlim, das 69 Maßnahmen zum Wasserrückhalt erarbeitet hat. Ein weiteres Beispiel sind die Empfehlungen zur Verwendung von Brauchwasser zur Bewässerung, wobei chemische und hygienische Anforderungen selbstverständlich berücksichtigt werden müssen. Es gibt also einen Weg, trotz der Dürre kreativ und nachhaltig mit den Wasserressourcen umzugehen. Die Frage bleibt jedoch, ob die steirische Landwirtschaft und die Kommunen in der Lage sind, sich schnell genug anzupassen, um die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Hier müssen alle an einem Strang ziehen – von der Politik über die Landwirte bis hin zu jedem einzelnen Bürger.

Es wird spannend zu sehen, wie sich die Situation entwickeln wird. Hoffen wir auf baldigen Regen und darauf, dass die Steiermark sich an diese neuen Gegebenheiten anpassen kann. Denn eines ist sicher: Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, und wir müssen lernen, sie zu respektieren.