In der Oststeiermark, genauer gesagt in Anger bei Weiz, blüht ein Traditionsbetrieb, der über 100 Jahre auf dem Buckel hat. Die Rede ist von Winkelbauer, einem Unternehmen, das sich von einer einfachen Schmiede zu einem internationalen Kompetenzzentrum für verschleißfeste Stahlkomponenten entwickelt hat. Hier wird mit Hingabe gearbeitet – über 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen hochwertige Stahlkomponenten her, die in der Baumaschinenindustrie, der Recycling-Branche und der Forsttechnik gefragt sind. In diesem Umfeld übernimmt nun Stephan Winkelbauer, erst 29 Jahre alt, als Prokurist zusätzliche Verantwortung im Familienunternehmen. Ein spannender Schritt, der frischen Wind in die altehrwürdigen Hallen bringt.

Michael Winkelbauer, der Eigentümer und Geschäftsführer, legt großen Wert auf eine langfristige Denkweise. Die gut vorbereitete Unternehmensnachfolge ist ihm ein zentrales Anliegen. Stephan Winkelbauer kehrte 2020 nach wertvoller Berufserfahrung in regionalen Industriebetrieben und beim schwedischen Stahlkonzern SSAB zurück. Er hat von der Pike auf verschiedene Unternehmensbereiche durchlaufen – von der Produktionsassistenz über die Logistikleitung bis hin zum Business Development. Und das bleibt nicht unbemerkt: 2025 wird er von einer Expertenjury zu einem der besten 30 Jungunternehmer des Landes gekürt. Ein echter Grund zur Freude!

Neue Horizonte im Defence-Sektor

Ein spannendes Ziel von Stephan ist die Weiterentwicklung digitaler Prozesse. Besonders im Fokus steht der Aufbau eines strategischen Geschäftsfeldes für die Verteidigungsindustrie. Hierbei plant Winkelbauer, die Expertise in der Verarbeitung hochfester Stähle für Schutzkomponenten und Strukturbauteile im Defence-Bereich zu nutzen. Das Unternehmen arbeitet intensiv an der Erreichung der „Q3-Klasse“ Zertifizierung, die es ihnen ermöglichen würde, an nahezu allen Defence-Projekten innerhalb der EU teilzunehmen. Das wäre ein echter Coup, vor allem in Deutschland, wo solche Zertifikate äußerst gefragt sind.

Doch der Weg dorthin ist nicht ganz einfach. Der Prozess umfasst Materialtests, Beschussprüfungen und Schulungen der Mitarbeiter. Jedes Materiallos für Defence-Komponenten erhält eine individuelle Nummer und wird von einem Vertreter der deutschen Bundeswehr in Schweden abgenommen. Das klingt nicht nur spannend, sondern auch sehr aufwendig – und verlängert die Lieferzeiten. Materialbestellungen ohne Bundeswehrfreigabe sind natürlich deutlich schneller, aber die strengen Anforderungen werden von Winkelbauer als strategische Investition angesehen. In Österreich gibt es derzeit keine eigenständige Prüfinstanz für Defence-Zertifizierungen, was die Sache nicht einfacher macht.

Kooperation und Wachstum

Die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft in Österreich wächst, und Winkelbauer ist da mittendrin. Rüstungs-Chef Harald Vodosek hat es auf den Punkt gebracht: Transnationale Industriekooperationen sind der Schlüssel zur Stärkung der heimischen Wirtschaft. Geopolitische Krisen verlangen ein Umdenken in der Sicherheitspolitik, und die EU-Initiativen wie „Readiness 2030“ und der European Defence Fund sollen die Industrie ankurbeln. Winkelbauer hat bereits jahrzehntelange Erfahrungen im Maschinenbau und pflegt enge Partnerschaften mit bedeutenden OEMs wie Liebherr, Siemens und Caterpillar.

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Das Unternehmen sieht in industriellen Kooperationen und Gegengeschäften einen entscheidenden Hebel für österreichische Defence-Zulieferer. Während andere Länder klare Vorgaben für lokale Produktionen machen, fehlt es in Österreich oft an solchen Strukturen. Hier ist also noch viel Luft nach oben, und die ehrgeizigen Pläne von Winkelbauer könnten genau die richtige Antwort darauf sein. Der Defence-Sektor wird als „fast planbar“ beschrieben, was im Vergleich zur Baukonjunktur eine willkommene Stabilität verspricht.

Am Ende des Tages bleibt festzuhalten, dass bei Winkelbauer nicht nur Stahl geschmiedet wird, sondern auch Zukunftsträume. Und während Stephan Winkelbauer sich seit zwölf Jahren ehrenamtlich beim Roten Kreuz in Weiz engagiert, zeigt er damit, dass unternehmerische Verantwortung und gesellschaftliches Engagement Hand in Hand gehen können. Ich bin gespannt, wohin die Reise für diesen Traditionsbetrieb noch gehen wird – es bleibt aufregend!

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