Literaturwunder in Weiz: Schüler erleben den Bachmannpreis live
In der Schulbibliothek des BG/BRG Weiz war an einem besonderen Tag die Luft von Aufregung und Neugier durchzogen. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer hatten sich versammelt, um das Klagenfurter Wettlesen live per Video-Übertragung zu verfolgen. Anlass für diesen literarischen Ausflug war nichts Geringeres als der Bachmannpreis, der heuer gleich zwei große Jubiläen feiert: die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur und den 100. Geburtstag der renommierten Autorin Ingeborg Bachmann. Ein Grund mehr, den Kopf in die Welt der Hochliteratur zu stecken!
Der Bachmannpreis ist nicht nur irgendeine Auszeichnung. Er gilt als eine der wichtigsten literarischen Ehrungen im deutschsprachigen Raum, und das bereits seit 1977. Jedes Jahr treten 14 Autorinnen und Autoren gegeneinander an und präsentieren ihre Texte live im Fernsehen. Eine Fachjury hat die Aufgabe, die vorgelesenen Werke zu analysieren und am Ende den Hauptpreis zu vergeben – ein satter Betrag von 30.000 Euro! Doch die Texte selbst sind oft komplex und erfordern eine hohe Konzentration. So wurde das Zuschauen für die Jugendlichen zwar anstrengend, aber auch ungemein spannend.
Einblicke in die Literaturgeschichte
Wie sehr der Bachmannpreis die Literaturlandschaft geprägt hat, zeigt sich nicht nur in den Gewinnern, sondern auch in den Geschichten, die sich um den Wettbewerb ranken. Der erste Preisträger, Gert Jonke, wurde 1977 ausgezeichnet und ist bis heute ein Symbol für experimentelle Prosa. Seine Werke haben nicht nur die Literaturwelt beeinflusst, sondern sind auch ein Stück österreichischer Identität. In den darauffolgenden Jahren gab es unter den Preisträgern viele interessante Persönlichkeiten: Hermann Burger, der mit schweren Depressionen kämpfte, und die Pionierin Emine Sevgi Özdamar, die mit ihrem Text „Das Leben ist eine Karawanserei“ die Bühne betrat. Özdamar wurde 2022 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet und gilt als Wegbereiterin für Schriftstellerinnen mit Migrationsgeschichte.
Die Veranstaltung hat nicht nur literarische Höhenflüge erlebt, sondern auch einige Dispute und Skandale. So wurde die Klagenfurter Rede zur Literatur in diesem Jahr von Helga Schubert gehalten, die 2020 den Preis gewann. Ihre Lesung aus dem Garten, während der Corona-Pandemie, wird vielen in Erinnerung bleiben. Schubert, die 80 Jahre alt war, kehrte mit ihrem Gewinnertext „Vom Aufstehen“ zurück auf die literarische Bühne. Solche Geschichten machen den Bachmannpreis zu einem lebendigen Teil der Literaturgeschichte.
Ein Wettlesen mit Tradition
Humbert Fink und Ernst Willner hatten in den 1970er Jahren die Idee, diesen Literaturwettbewerb ins Leben zu rufen – inspiriert von der Gruppe 47. Die Veranstaltung, die seit 1977 jährlich im Frühsommer in Klagenfurt stattfindet, hat sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der literarischen Landschaft entwickelt. Marcel Reich-Ranicki, ein bekanntes Jurymitglied, prägte das Bild des Wettbewerbs entscheidend. In den letzten Jahren hat die Veranstaltung einige Umstellungen erfahren, insbesondere während der Pandemie, als alles virtuell ablief. Doch seit 2022 sind Jury und Lesende wieder vor Ort, und der gewohnte Ablauf kehrt zurück.
Die Veranstaltung bleibt ein Ort des Austauschs, des Lernens und der Inspiration. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn Schüler und Lehrer gemeinsam in die Welt der Literatur eintauchen und sich von den Texten mitreißen lassen. Der Bachmannpreis ist mehr als nur eine Auszeichnung – er ist ein Fest der Sprache und der Kreativität, das Generationen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern prägt und die Leserinnen und Leser berührt. Wer weiß, vielleicht stehen auch unter den Jugendlichen im BG/BRG Weiz zukünftige Preisträger? Die Begeisterung ist auf jeden Fall spürbar!
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