In den malerischen Hügeln von Frohnleiten lebt René Piwerka, ein 52-jähriger Mann, der sich wacker durch die Höhen und Tiefen des Lebens kämpft. Man könnte sagen, er ist ein Meister im Kompensieren von Schwierigkeiten. Er hat ein erfolgreiches Studium hinter sich, ist verheiratet und hat erwachsene Kinder. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine lange und schmerzhafte Reise durch Depressionen. Mit 30 Jahren suchte er erstmals professionelle Hilfe, doch erst mit 50 Jahren kam die entscheidende Diagnose: ADHS im Erwachsenenalter. Man kann sich nur vorstellen, wie erleichternd es für ihn war, endlich einen Namen für seine Probleme zu bekommen.

Ein weiterer Steirer, Christian Opresnik aus Judenburg, teilt eine ähnliche Geschichte. Auch er wurde erst mit 41 Jahren mit ADHS diagnostiziert und hat seine Erfahrungen im November 2025 in der Kleinen Zeitung veröffentlicht, um anderen Betroffenen ein Gefühl der Gemeinschaft zu geben. Die beiden Männer haben sich aufgrund ihrer ähnlichen Schicksale zusammengetan und organisieren Stammtische für Betroffene in Judenburg und Graz. Diese Treffen bieten nicht nur niederschwelligen Austausch, sondern sind auch für Personen ohne klare Diagnose offen.

Aufklärung und Vernetzung

Piwerka legt großen Wert darauf, ADHS zu entmystifizieren. Er möchte, dass die Diagnosestellung für andere Betroffene leichter wird, denn viele, die darunter leiden, laufen oft jahrelang ohne Diagnose umher. Dabei ist es wichtig, sich fachliche Hilfe zu suchen und nicht ausschließlich auf Informationen aus dem Internet zu vertrauen. Er selbst hatte als Kind keine typischen Symptome von ADHS, konnte jedoch Schwierigkeiten mit der Konzentration gut kompensieren. Es zeigt sich, dass ADHS oft mit anderen psychischen Erkrankungen einhergeht – wie beispielsweise Depressionen.

Überraschenderweise ist die Kombination von ADHS und Depressionen weit verbreitet. Tatsächlich haben Erwachsene mit ADHS ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine Depression zu entwickeln. Die Symptome beider Erkrankungen verstärken sich gegenseitig, und häufig sind die Betroffenen mit einer langen Leidensgeschichte konfrontiert, die von Überforderung und sozialer Isolation geprägt ist. Die Suche nach Informationen zu ADHS und Depression nimmt zu, aber es gibt noch viel zu tun.

Der Weg zur richtigen Diagnose

Piwerka berichtet, dass er zeitweise bis zu fünf Tabletten pro Tag einnahm, ohne nennenswerte Besserung zu erleben. Erst als ihm Ritalin verschrieben wurde, spürte er eine positive Veränderung. Nach der richtigen Diagnose ging es ihm wesentlich besser, und depressive Episoden sind kaum noch vorhanden. Dies zeigt, wie wichtig eine korrekte Diagnostik ist. In vielen Fällen wird ADHS erst diagnostiziert, wenn bereits eine Depression vorliegt – eine unglückliche Verkettung von Umständen.

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Es ist jedoch nicht nur die Diagnose, die zählt. Die Behandlung sollte eine Kombination aus Medikation, Psychotherapie und Selbsthilfe sein. Gerade die verhaltenstherapeutischen Ansätze können helfen, emotionale Belastungen zu verarbeiten. Piwerka und Opresnik bilden eine Art Netzwerk, das es Betroffenen ermöglicht, sich auszutauschen und Unterstützung zu finden. Manchmal ist es einfach ein erleichterndes Gefühl, zu wissen, dass man nicht allein ist.

Ein Aufruf zur Aufklärung

Piwerka fordert eine bessere Aufklärung über ADHS bei Erwachsenen, da viele nicht diagnostiziert sind. Er hat keine Schuldzuweisungen an die Ärzte für seine lange Odyssee, da es einfach an den Diagnosemöglichkeiten mangelte. Auch in der Schweiz fühlen sich viele Erwachsene mit ADHS und depressiven Symptomen allein gelassen. Die Sensibilität im Gesundheitssystem muss dringend verbessert werden.

In einer Welt, in der über 80 % der Erwachsenen mit ADHS mindestens eine psychische Begleiterkrankung entwickeln, ist es höchste Zeit, dass wir uns diesem Thema offen und ehrlich widmen. Gemeinsam können wir Wege finden, um den Betroffenen zu helfen, ihre Herausforderungen zu meistern und ein erfülltes Leben zu führen. Der Austausch, den Piwerka und Opresnik schaffen, ist dafür ein wichtiger Schritt. Es bleibt zu hoffen, dass mehr Menschen den Mut finden, ihre Geschichten zu erzählen und sich Hilfe zu suchen, denn der erste Schritt zur Besserung ist oft der schwerste – aber er ist möglich.

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