Im malerischen Grundlsee, wo der Himmel das Wasser küsst und die Berge wie alte Freunde nebeneinander stehen, hat ein Mann eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Dragan Tadic, 1992 als Kriegsflüchtling nach Österreich gekommen, sprach kein Wort Deutsch. Doch die Geschichte dieses Mannes ist nicht nur die eines Überlebenskünstlers. Er und seine Frau Nada feiern heuer stolze 30 Jahre mit ihrem Gasthaus „Stöckl“. Ein Ort, der nicht nur für seine traditionelle Ausseer Wirtshauskultur bekannt ist, sondern auch als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen gilt.
Die Wurzeln von Dragan sind tief in der Gastronomie verwurzelt. Zuerst arbeitete er im Gasthaus „Seeblick“, wo er die deutsche Sprache lernte – und das mit einem Dialekt, der ihm anfangs ganz schön zu schaffen machte. Doch mit jedem „Grüß Gott“ und jedem „Bier, bitte!“ wurde die Herausforderung ein bisschen leichter. Nach einigen Jahren wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete das „Café Häferl“, bevor er das Gasthaus Stöckl übernahm, das er mit viel Engagement sanierte und modernisierte.
Ein Gasthaus mit Herz und Seele
Das Erfolgsrezept von Tadic? Ein einfaches, aber wirksames: Die Gäste sollen sich wohlfühlen. Die über 100 Jahre alte Stube, die im traditionellen Ausseer Stil erhalten wurde, strahlt eine Gemütlichkeit aus, die selbst die müdesten Reisenden zum Verweilen einlädt. Im Sommer wird der Gastgarten am See zum beliebten Treffpunkt – bei einem kühlen Getränk und dem Duft von frisch zubereitetem Essen, der in der Luft liegt, lässt sich die Seele baumeln.
Die Speisekarte bietet gutbürgerliche Küche, darunter köstliches Schnitzel und regionalen Saibling. Aber das ist noch nicht alles: Saisonale Themenwochen mit kroatischen Spezialitäten oder Wildgerichten ziehen viele Feinschmecker an. Doch die Pandemie hat auch vor dieser Idylle nicht haltgemacht. Dragan beschreibt die Corona-Zeit als die schwierigste Phase seiner Karriere. Existenzängste nagten an ihm, und um dem entgegenzuwirken, wurde ein To-go-Service ins Leben gerufen – ein Schritt, der sich als unerwartet erfolgreich herausstellte.
Herausforderungen in der Gastronomie
Die Herausforderungen in der Gastronomie bleiben jedoch nicht aus. Neben der ständigen Suche nach qualifiziertem Personal plagt auch die Inflation die Branche. Dragan weiß, wie wichtig ein wertschätzender Umgang mit seinem Team ist, und viele seiner Mitarbeiter bleiben lange im Betrieb – das spricht für eine familiäre Atmosphäre. Die Balance zwischen Preis und Qualität ist kein leichtes Unterfangen, und so mussten kurzfristige Anpassungen der Speisekarte vorgenommen werden. Doch trotz dieser Hürden blickt Tadic optimistisch in die Zukunft. „Gesund bleiben und das Geschäft mit Herz und Seele fortführen“, das ist sein Motto.
Doch nicht nur in Österreich ist der Fachkräftemangel ein drängendes Problem – auch in Deutschland ist er spürbar. Besonders die Gastronomie leidet darunter. In einem Restaurant in Nürnberg, der Waldschänke, beschäftigt Peter Noventa viele Angestellte aus aller Welt, darunter auch Asolat Khaitboeva, die vor drei Jahren aus Usbekistan kam. Solche Geschichten sind nicht nur inspirierend, sie zeigen auch, wie Flüchtlinge dem Fachkräftemangel entgegenwirken können. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt bereits Initiativen, um Jugendliche ohne Ausbildungsplatz in die Gastronomie zu integrieren. Ausbildungsbetriebe sind gefordert, ihre Türen für die neuen Gesichter zu öffnen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland wird zunehmend akzeptiert, um den Arbeitskräftebedarf zu decken. Im Jahr 2022 kamen rund 73.000 Drittstaatsangehörige nach Deutschland, um zu arbeiten. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2023 erleichtert diese Prozesse, was auch für die Gastronomie von Bedeutung ist. Vor allem die Integration von Flüchtlingen, wie etwa den Ukrainerinnen, die in Dinkelsbühl arbeiten, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie bringen frischen Wind und neue Perspektiven in die Branche.
Die Herausforderungen sind groß, doch die Chancen ebenso. Ob in Grundlsee oder anderswo – der Wille zur Zusammenarbeit und die Offenheit gegenüber neuen Mitarbeitern aus aller Welt könnten die Antwort auf den Fachkräftemangel sein. Dragan Tadic ist ein Beispiel dafür, wie man mit Herz und Engagement nicht nur sein eigenes Schicksal, sondern auch das seiner Mitmenschen zum Besseren wenden kann.