Wasser unter Druck: Leobens Holzbewässerung im Spannungsfeld von Klimawandel und Nachhaltigkeit
Am Lagerplatz in der Nähe der Schnellstraßenauffahrt Leoben-West wird gerade fleißig gearbeitet. Hier sorgt die konstante Bewässerung von Holz für reichlich Gesprächsstoff unter den Anwohnern. Ein besorgter Leobener äußert sich kritisch: „Wasserverschwendung in Zeiten von Wasserknappheit!“ und bringt damit das Dilemma auf den Punkt. Die Diskussion um Wasserverbrauch und Nachhaltigkeit ist aktuell wie nie.
Forstmeister Norbert Weber vom Forstbetrieb Mayr-Melnhof-Saurau hat die Sache im Blick. Er erklärt, dass die Bewässerung notwendig ist, um Pilzbefall, insbesondere Bläuepilze, zu verhindern. Diese kleinen Ungeheuer können das Holz verfärben und unansehnlich machen. Um die Qualität des Holzes zu garantieren, muss die Feuchtigkeit konstant bei 100 % gehalten werden. Das klingt nach einer echten Herausforderung, besonders bei den klimatischen Veränderungen, die wir gerade erleben.
Das Kreislaufsystem der Bewässerung
Die Wasserquelle für das Bewässerungssystem ist die Mur. Hier kommen zwei Pumpen zum Einsatz, die das Wasser entnehmen. Vor dem Sprühen wird das Wasser grob gefiltert, um sicherzustellen, dass nur das Beste für die Holzbewässerung verwendet wird. Ein interessantes Detail: Nach der Bewässerung wird das Wasser zentral gesammelt und über Bodenfilter wieder zurück in den Fluss geleitet. So bleibt der Wasserkreislauf intakt, und das Wasser wird nicht einfach verschwendet. Im Gegenteil, es wird ein Kreislaufsystem etabliert, das in der Region seinesgleichen sucht.
Der Platz in Leoben ist eines von wenigen „Katastrophennasslagern“ in Österreich, wo Waldbesitzer Schadholz nach Naturkatastrophen lagern können. Aktuell nutzen mehrere Waldbesitzer diesen Platz, und das Holz kann dort ein bis zwei Jahre eingelagert werden. Aber keine Sorge, im Oktober wird der Platz voraussichtlich leer sein – und damit auch die Sorgen der Anwohner, zumindest temporär.
Wasser, der natürliche Schatz
Wasser ist nicht nur für die Holzbewässerung wichtig, sondern spielt auch in der Natur eine zentrale Rolle. Rund 70 % des für die Trinkwasserversorgung geförderten Wassers in Deutschland stammt aus dem Grundwasser, das entsteht, wenn Niederschläge in den Boden versickern. Während es durch den Boden fließt, nimmt es Mineralstoffe aus Gesteinen auf. Das Ergebnis? Ein kostbarer Schatz, der uns mit lebenswichtigem Wasser versorgt. Die Beschaffenheit des Grundwassers kann stark variieren, je nachdem, in welchem geologischen Gebiet man sich befindet. In Gebieten mit Kalk- oder Gipsformationen finden wir eher hartes Wasser, während in anderen Regionen weiches Wasser vorherrscht.
Wälder im Wandel
Doch nicht nur die Holzbewässerung steht im Mittelpunkt – auch die Wälder selbst sind durch den Klimawandel gefordert. Zwei Forschungsprojekte untersuchen die Wechselwirkungen zwischen der Anpassung der Wälder an klimatische Veränderungen und dem Wasserkreislauf. Der Klimawandel bringt längere Trockenphasen und extreme Wetterereignisse mit sich, weshalb die Funktionen der Wälder, wie die Grundwasserneubildung, von großer Bedeutung sind. In einem der Projekte wurde beispielsweise festgestellt, dass unterschiedliche Baumarten wie die Stieleiche und Douglasie frühjährliches Bodenwasser stärker nutzen, während die Roteiche in Zeiten von Wassermangel vorteilhaft ist.
Die Ergebnisse dieser Studien erweitern nicht nur unser Wissen über die Forsthydrologie, sie zeigen auch, wie wichtig ein integratives Management von Wald- und Wasserressourcen ist. Nur so können wir in Zukunft Dürre und Wasserverfügbarkeit besser in Einklang bringen. Es ist eine spannende Zeit für die Forstwirtschaft und die Wasserversorgung, denn sie müssen gemeinsam denken und handeln, um die Herausforderungen zu meistern.
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