In den letzten Jahren hat die Bedeutung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz immer mehr an Relevanz gewonnen, insbesondere in den geforderten Gesundheits- und Pflegeberufen. In Graz, am Uniklinikum, wird dieser Aspekt nun verstärkt in den Vordergrund gerückt. Hoher Arbeitsdruck, Personalmangel und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen sorgen für einen enormen Stress, der nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Patientensicherheit gefährdet. Jolana Wagner-Skacel, Leiterin der Klinischen Abteilung für Medizinische Psychologie, hebt hervor, dass psychische Gesundheit kein Tabuthema sein sollte. Vielmehr ist sie eine zentrale Voraussetzung für Qualität, Sicherheit und die Zusammenarbeit im Krankenhaus.
Ein besonders wichtiger Aspekt sind die psychischen Belastungen, die durch das Teamklima, die Kommunikation, die Führung und den Umgang mit kritischen Ereignissen entstehen. Langfristige Belastungen können nicht nur zu Erschöpfung und Burnout führen, sondern auch dazu, dass Mitarbeiter sich zurückziehen oder sogar den Berufswechsel in Erwägung ziehen. Um dem entgegenzuwirken, wurde das Programm „Mind matters!“ ins Leben gerufen, das in Zusammenarbeit mit der Med Uni Graz entwickelt wurde. Dieses Programm unterstützt Mitarbeiter dabei, psychische Belastungen wahrzunehmen und anzusprechen. Ein zentraler Baustein ist das Peer-to-Peer-Programm, das den Mitarbeitern Resilienzförderung und Krisenkommunikation näherbringt und ihnen die Möglichkeit gibt, Hilfe im eigenen Arbeitsumfeld zu suchen.
Psychische Gesundheit als Teil der Arbeitskultur
Die Kliniken und Institute, die am Peer-to-Peer-Programm teilnehmen, zeigen großes Interesse an diesem Angebot. Die Peer-Struktur senkt die Hemmschwellen und fördert die gegenseitige Unterstützung in Bezug auf psychische Themen. Diese Initiative ist nicht nur notwendig, sondern auch ein Zeichen für eine progressive und mitarbeiterorientierte Arbeitskultur im Gesundheitswesen.
Doch nicht nur die Arbeitgeber sind gefordert, auch die Beschäftigten tragen Verantwortung für ein gesundes Arbeitsumfeld. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen, einschließlich der psychischen Gesundheit. Dazu gehört auch das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) und die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen zur Prüfung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Bei längerer Krankheit haben Beschäftigte Anspruch auf Prüfung der BEM-Möglichkeiten, was besonders bei Rückkehr nach psychischen Erkrankungen von Bedeutung ist.
Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit
Viele Unternehmen bieten freiwillige betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) an, um psychische Belastungen zu reduzieren. Dazu zählen Kurse zur Stressbewältigung, Bewegungsförderung und Schulungen für Führungskräfte. Führungskräfte spielen eine besondere Rolle im Arbeitsklima und sollten Herausforderungen im Team erkennen, gemeinsame Lösungsansätze finden und eine offene Kommunikation auf Augenhöhe fördern. Darüber hinaus gibt es kostenfreie Angebote, wie das Online-Programm „Gesund führen“ der AOK, welches interaktive Module und Selbsttests umfasst.
Um die eigene psychische Gesundheit zu stärken, können Beschäftigte aktiv Themen ansprechen, wie flexible Arbeitszeiten oder Weiterbildungsmöglichkeiten. Ein offener Umgang mit psychischen Belastungen hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Gesunde Gewohnheiten, wie kurze Spaziergänge in der Mittagspause oder das Setzen von persönlichen Grenzen, können ebenfalls zur Stärkung der inneren Widerstandskraft beitragen.
Insgesamt zeigt sich, dass die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz eine multidimensionale Herausforderung darstellt, die sowohl individuelle als auch strukturelle Lösungen erfordert. Das Uniklinikum Graz setzt mit seinen Initiativen ein wichtiges Zeichen für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor und trägt dazu bei, dass psychische Gesundheit künftig ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeitskultur wird.