Graz hat sich den Titel der „Ampelhauptstadt“ Österreichs redlich verdient. Mit insgesamt 350 Ampelanlagen, wovon zwei Drittel Verkehrslichtsignalanlagen und ein Drittel Druckknopfampeln sind, stellt die steirische Landeshauptstadt die meisten Ampeln pro 10.000 Einwohner in ganz Österreich. Um genau zu sein, sind es etwa 11,7 Ampelanlagen pro 10.000 Menschen, während Linz mit 9, Salzburg mit 8,7 und Wien mit 6,5 Ampelanlagen pro 10.000 Einwohnern hinterherhinken. Die Anzahl der Ampelanlagen hat sich seit 1994 von 197 auf diese beachtliche Zahl erhöht.
Doch diese Vielzahl an Ampeln bringt nicht nur Vorteile mit sich. Kurt Hohensinner, der Chef der ÖVP, äußert sich kritisch zu den bestehenden Ampelschaltungen. Seiner Meinung nach führen diese oft zu unnötigen Staus, wodurch der Treibstoffverbrauch und die Emissionen in die Höhe getrieben werden. Besonders problematisch wird es, wenn Busse und Straßenbahnen ebenfalls im Stau stecken, weil die Ampeln nicht optimal geschaltet sind. In den Abendstunden bleibt zudem so manche Ampel auf Rot, selbst wenn weit und breit kein Verkehr zu sehen ist. Hohensinner fordert deshalb flexiblere und intelligentere Ampelsteuerungen sowie eine „Entrümpelung“ der Ampelsysteme und eine stärkere Einbindung der Bevölkerung in diese Prozesse.
Die Stimme der Bürger zählt
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung könnte die interaktive Online-Plattform „Traffic Check“ sein, die es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, Ampelanlagen anonym zu bewerten. Diese Idee entstand im Rahmen eines Projekts der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft und wird von öffentlichen Verwaltungseinheiten wie der Verkehrsleitzentrale und dem Straßenamt unterstützt. Über die Webseite graz.at/trafficcheck können Nutzer die Verkehrsqualität und Sicherheit an ampelgeregelten Kreuzungen bewerten. Die kostenlose Registrierung bietet dabei die Möglichkeit, Bewertungen abzugeben, die sowohl in Textform als auch durch ein Notensystem für statistische Auswertungen erfasst werden.
Die Plattform fördert den Informationsaustausch unter den Nutzern, da alle freigegebenen Meldungen und Bewertungen öffentlich einsehbar sind. Dies könnte dazu beitragen, die bestehenden Probleme mit den Ampeln zu identifizieren und Lösungen zu finden, die den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht werden.
Digitalisierung als Schlüssel zur Lösung
In Zeiten der Digitalisierung, die seit über 25 Jahren auch die Mobilität in Österreich prägt, wird deutlich, wie wichtig intelligente Verkehrssysteme sind. Diese Systeme setzen auf fahrzeugseitige Komponenten und digitale Elemente im Verkehrsmanagement. Die verbesserten Informations- und Kommunikationstechnologien machen es möglich, dass Nutzer jederzeit und überall die benötigten Informationen abrufen können. Die Entstehung einer „vernetzten Gesellschaft“ verlangt nach einer stärkeren Zusammenarbeit und Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren sowie den Nutzern selbst.
Um die Klimaziele des Mobilitätsmasterplans 2030 zu erreichen, ist eine verstärkte Kooperation im Mobilitätsbereich unerlässlich. Der Aktionsplan Digitale Transformation in der Mobilität (AP-DTM), der am 4. November 2022 vom Bundesministerium präsentiert wurde, formuliert eine Umsetzungsstrategie für die digitale Transformation im Mobilitätssektor. Informationen dazu sind in einer Broschüre sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfügbar.
In Graz steht also nicht nur die Anzahl der Ampeln im Fokus, sondern auch die Möglichkeit, diese durch digitale Innovationen und die aktive Einbindung der Bürger zu optimieren. Das Ziel bleibt klar: So viele Ampeln wie nötig, aber so wenige wie möglich – und das auf eine intelligenter und umweltfreundlicher Art und Weise.