Heute ist der 28.05.2026 und während die Sonne langsam aufgeht, bereiten sich die Menschen in Eibiswald auf ein ganz besonderes Ereignis vor. Fronleichnam, das Fest, das 60 Tage nach Ostern gefeiert wird und „Leib des Herrn“ bedeutet, steht vor der Tür. Hier, im Herzen der Steiermark, wird dieser Feiertag mit einer Hingabe zelebriert, die einem das Herz aufgehen lässt. Schon ab 4 Uhr morgens sind rund 100 fleißige Helfer auf den Beinen. Sie verwandeln die Gehsteige und Plätze in ein wahres Blütenmeer. Man muss es selbst gesehen haben – die bunten Blumenteppiche, die mit religiösen und regionalen Motiven geschmückt sind, sind einfach atemberaubend! Herz, Kelch, Taube und Brot – all das wird aus Margeriten, Rosen, Lupinen und vielen weiteren Blumen kunstvoll arrangiert.
Um 9 Uhr versammelt sich die Gemeinde am Kirchplatz, wo Vikar Dr. Hubert Schröcker die Heilige Messe zelebriert. Das wird ein Moment voller Andacht und Gemeinschaft. Die anschließende Fronleichnamsprozession, angeführt von der Marktmusikkapelle Eibiswald, ist der Höhepunkt des Tages. Es ist ein beeindruckendes Bild: Gläubige ziehen durch die geschmückten Straßen, begleitet von Musik und dem Duft von Weihrauch. An vier Altären wird innegehalten, Segenssprüche werden gesprochen und der Verkehr wird umgeleitet – eine kleine Unannehmlichkeit, die man aber gerne in Kauf nimmt.
Traditionen und Bräuche
Fronleichnam ist nicht nur in Eibiswald ein Grund zur Freude. Auch in anderen Orten, wie Bad Schwanberg und Wies, kann man die prächtigen Blumenteppiche bewundern. In Deutschland wird dieses Fest ebenfalls mit viel Tradition und Atmosphäre gefeiert. Besonders in den katholischen Gemeinden zieht es die Gläubigen in die Straßen, wo sie Prozessionen abhalten und gemeinsam beten. In Sipplingen am Bodensee zum Beispiel wird ein bis zu einen Kilometer langer Blumenteppich aus Tausenden Blütenblättern gelegt. Dieser Teppich hat eine besondere Bedeutung: Der Priester berührt mit der Monstranz den geweihten Boden nicht. Das ist schon eine ganz eigene Kunstform!
Ein weiteres Beispiel aus Baden-Württemberg, Hüfingen, zeigt, wie tief verwurzelt diese Traditionen sind. Seit 1842 legen die Bürger dort einen beeindruckenden Teppich, der 500 Meter lang und etwa 1,8 Meter breit ist. Das Ziel? Dem „Herrn den Weg zu bereiten“. Die Prozession beginnt um 8.30 Uhr am Rathaus, und es gibt Livemusik, Evangelien und sogar Platzkonzerte. Das zieht nicht nur die Einheimischen an – viele Gäste kommen jährlich, um diesen besonderen Tag mitzuerleben.
Ein Fest für die Sinne
Es ist einfach ein Fest für die Sinne! Die Blumen, die frische Luft, die Musik und die fröhlichen Gesichter der Menschen, die zusammen feiern. In Mühlenbach, einem anderen charmanten Ort, gibt es nicht nur Blumenbilder vor den Altären, sondern auch einen kilometerlangen Blumenteppich. Hier liegt der Fokus auf vier opulent gestalteten Altären. Morgens beginnt alles mit einer Messe in der Kirche St. Afra, gefolgt von einer Prozession und einem Platzkonzert der Trachtenkapelle. Bewirtungsstände laden die Ausflügler ein, sich zu stärken und die Atmosphäre zu genießen.
Die Vorbereitungen und die Feierlichkeiten rund um Fronleichnam sind mehr als nur ein Brauch. Sie sind eine Manifestation des Glaubens, der Gemeinschaft und der Freude. Ein Tag, an dem alle zusammenfinden, um die Schönheit des Lebens und des Glaubens zu feiern. Und so wird Eibiswald auch in diesem Jahr wieder ein Ort des Staunens und der Besinnung sein – ein Ort, an dem Traditionen lebendig gehalten werden.