Am 5. Mai 2026 feierte die Stadt Steyr ein bedeutendes Datum in ihrer Geschichte – die Befreiung des KZ-Außenlagers Steyr-Münichholz. Bei dieser bewegenden Feier trat David Greenfield auf, der mit seiner Familie aus den USA angereist war, um die Erinnerungen an seinen Vater Joseph Greenfield zu ehren. Dieser wurde am 5. Mai 1945 aus dem KZ befreit, und auf seinem Grabstein steht dieser Tag als zweites Geburtsdatum. David, zum ersten Mal in Steyr, trug stolz einen Silberring mit der Inschrift ‚STEYR 1945‘, ein Erbstück, das ihm viel bedeutet. Er beschrieb die Feier als „eine einzigartige Ehre und ein Privileg“ für sich und seine Familie.
Inmitten der Feierlichkeiten sprach Historikerin Silke Umdasch über die dunklen Kapitel der Vergangenheit und die individuelle Verantwortung, die jeder für sein Handeln trägt. Sie erinnerte an Heinrich Otto Heess, der als Lagerführer des KZ-Außenlagers Steyr-Münichholz für seine Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch die Geschichte von Rosa Schwarz, die ihre eigenen Kinder und ihren Ehemann denunzierte, um selbst zu überleben, wurde thematisiert. Solche Geschichten machen deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist, um die Lehren daraus in die Gegenwart zu tragen.
Ein starkes Zeichen gegen den Faschismus
Bürgermeister Markus Vogl stellte eindringlich die Frage nach dem Engagement gegen Faschismus und forderte alle Anwesenden auf, die Lehren der Geschichte aktiv in ihrem Leben umzusetzen. Martine Tomas Espejo von der französischen Lagergemeinschaft rief zum Kampf gegen nationale Hetze auf, während Concha Diaz von der spanischen Lagergemeinschaft ihre Enttäuschung über die schleppenden Gerichtsverfahren gegen Täter äußerte. Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr warnte eindringlich vor dem Wiedererstarken faschistischer Ideologien und forderte verstärkte Bildung und ein entschlossenes Eintreten für Menschenrechte.
Die Feier war nicht nur eine Erinnerung, sondern auch eine Mahnung. Schülerinnen und Schüler trugen selbst verfasste Texte über Frieden und Freiheit vor, die das Publikum berührten. Musikalisch wurde die Veranstaltung von der Musikkapelle Wachtberg begleitet. Nach der Feier wurden Kränze und Blumen am KZ-Denkmal niedergelegt, während alle Anwesenden in einer Gedenkminute den Opfern des KZ-Außenlagers Steyr-Münichholz und aller anderen Opfer des Faschismus gedachten.
Ein Blick in die Vergangenheit
Um die Bedeutung dieses Ortes zu verstehen, ist es wichtig, sich die Bedingungen im KZ Steyr-Münichholz vor Augen zu führen. Berimez Wladimir Maximowitsch, ein ukrainischer KZ-Häftling, beschrieb das Lager als mittelgroß und schlecht ausgestattet. Die Häftlinge lebten in einstöckigen Holzbaracken, die nicht wintertauglich waren, und mussten auf zweigeschossigen Holzpritschen schlafen. Die Verpflegung war minimal: 300 g Brot und etwas Margarine pro Tag – eine Grundlage, die viel zu oft nicht ausreichend war. Die tägliche Arbeit von 6 Uhr morgens bis 17 Uhr war hart und wurde unter strenger SS-Bewachung durchgeführt. Ein Aufheben von Zigarettenstummeln oder Essensresten wurde mit dem Tod bestraft.
Die brutalen Wachmannschaften, unter denen auch Otto Heess als Lagerkommandant diente, stellten eine ständige Bedrohung dar. Es gab kaum medizinische Versorgung, und die Behandlung der Kranken war katastrophal. Berichte über gezielte Tötungen durch Injektionen und die grausame Behandlung jüdischer Häftlinge, wie zum Beispiel die des Küchenchefs, zeigen, wie menschliche Abgründe ausgenutzt wurden. Dies alles geschah in einem Lager, das mit Stacheldraht und Wachtürmen gesichert war, und wo die Häftlinge täglich um ihr Überleben kämpften.
Die Befreiungsfeier in Steyr, bei der fast 27 Organisationen als Mitveranstalter auftraten, war ein starkes Zeichen der Erinnerung und der Hoffnung. Die französische Delegation war von der Internationalität und dem Inhalt der Feier beeindruckt. Es ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen – und dass die Stimmen der Opfer gehört werden.