In der kleinen Gemeinde Kollerschlag in Österreich tut sich gerade etwas Spannendes: Die neu gegründete Energiegemeinschaft „Powernetwork Kollerschlag“ hat sich zum Ziel gesetzt, die regional erzeugte Energie optimal zu nutzen. In einer Zeit, in der die Energiewende in aller Munde ist, zeigt dieses Projekt, wie Bürgerengagement die Energielandschaft verändern kann. Die Initiative wird ehrenamtlich organisiert und richtet sich auch an Haushalte, die keine eigene Photovoltaikanlage besitzen. Hier steht nicht der wirtschaftliche Gewinn im Vordergrund, sondern der größtmögliche Vorteil für die Bürger.
Jede Trafostation in der Gemeinde hat ihre eigene lokale Energiegemeinschaft, die unter dem Dach eines Hauptvereins und mehrerer Zweigvereine organisiert ist. Diese Struktur ermöglicht es, Netzgebühren zu reduzieren und die lokal erzeugte Energie effizient zu nutzen. Rainer Martl, der Initiator des Projekts und Mitglied des Digitalisierungsausschusses der Gemeinde, hat sich zum Ziel gesetzt, auch jene Menschen zu erreichen, die sich bis jetzt wenig mit Energiethemen auseinandergesetzt haben – insbesondere Mieter.
Gemeinsam stark für die Energiewende
Bürgermeister Johannes Resch hebt die Bedeutung des Projekts hervor. Er betont, dass es wichtig ist, dass alle Bürger, einschließlich der Mieter und Haushalte ohne eigene Energieerzeugung, von dieser Initiative profitieren können. Die Bürgernähe wird durch lokale Ansprechpartner und kurze Wege gefördert, was den Einstieg in die Energiegemeinschaft erleichtert.
Doch was genau sind Energiegemeinschaften? Laut einem Positionspapier der Begleitforschung Energiewendebauen und einer Kurzstudie des Instituts für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) spielen sie eine Schlüsselrolle bei der lokalen Energiewende. Sie ermöglichen es Bürgern, Unternehmen und öffentlichen Institutionen, aktiv an der Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Nutzung erneuerbarer Energien teilzunehmen. Dies geschieht im Einklang mit der EU-Richtlinie 2018/2001 (RED II), die die dezentrale Energieversorgung in den Fokus rückt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Mitglieder der Energiegemeinschaft dürfen Strom aus gemeinsam betriebenen Anlagen, wie etwa Photovoltaikanlagen, über das öffentliche Netz teilen, speichern und handeln. Dabei ist es wichtig, dass einkommensschwache Haushalte angemessen einbezogen werden. Fachleute sehen in diesen Gemeinschaften nicht nur ein Modell für die Zukunft, sondern auch ein Instrument zur Förderung von Bürgerbeteiligung und Akzeptanz in der Bevölkerung.
Die zukünftige Entwicklung könnte auch den Bereich der Speicherlösungen und die Einbindung von Mobilität umfassen, was die Effizienz weiter steigern würde. Ein zentraler Aspekt ist die Notwendigkeit intelligenter Mess-, Kommunikations- und Energiemanagementsysteme, um die Vorteile von Energiegemeinschaften voll ausschöpfen zu können. Diese Technologien könnten helfen, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und die Akzeptanz der Bürger zu erhöhen.
Insgesamt zeigt das Beispiel von Kollerschlag, wie durch gemeinschaftliches Handeln und innovative Ansätze die lokale Energiezukunft gestaltet werden kann. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich diese Energiegemeinschaft weiterentwickeln wird und welche Impulse sie für die Energiewende in anderen Gemeinden setzen kann.