In Aigen-Schlägl gibt es einen ganz besonderen Menschen, der die Welt des Stummfilms mit seiner Musik zum Leben erweckt: Gerhard Gruber. Der 75-Jährige ist nicht nur ein leidenschaftlicher Stummfilm-Pianist, sondern auch der einzige, der diese Kunstform hauptberuflich ausübt. Aktuell lebt er in Wels und hat sein Leben ganz der Vertonung alter Filmklassiker gewidmet. Mit einem beeindruckenden Repertoire und einer großen Portion Hingabe bringt er die Stummfilme zurück auf die Leinwand – und das weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Ende Juni 2023 wird er nach Bulgarien fliegen, um bei einem internationalen Musiksommerfest aufzutreten. Und im Herbst steht sein nächstes großes Abenteuer an: eine Reise nach Kanada!

Gerhard Gruber hat in den letzten Jahren zwar seine Auftritte reduziert und spielt nun etwa 80 Mal pro Jahr, doch seine Leidenschaft für die Stummfilmkunst ist ungebrochen. Zu seinem 75. Geburtstag erhielt er Geschenke vom Filmarchiv Austria, darunter die Möglichkeit, ein Buch über sein Leben zu schreiben – das klingt nach einer spannenden Lektüre! Außerdem wird er vier Aufführungen in Wien organisieren. Besonders beeindruckend war eine Sendung, die der Radiosender Ö1 ihm widmete, in der er spontan vier Vertonungen improvisierte. Sein erster Auftritt als Stummfilmpianist war 1988 – seitdem hat er sich einen festen Platz in der Welt der Stummfilme erarbeitet.

Ein besonderes Event in Natschlag

Am Freitag, dem 31. Juli 2023, wird Gruber zum 15. Mal im Stoareich in Natschlag bei Aigen-Schlägl auftreten. Der Stummfilm „Verflixte Gastfreundschaft“ (Originaltitel: „Our Hospitality“) von Buster Keaton wird die Leinwand zieren, und Gruber wird mit seinen Klängen die Geschichten der bewegten Bilder begleiten. Diese Aufführung ist nicht nur ein Highlight für die Zuschauer, sondern auch für ihn selbst, denn die Verbindung von Musik und Film ist für Gruber etwas ganz Besonderes.

Doch das ist bei Weitem nicht alles, was Gruber zu bieten hat. Auf seiner Website stummfilm.at lädt er alle Interessierten zu einer Entdeckungsreise durch die Welt des Stummfilms ein. Hier finden sich über 500 Film-Beschreibungen – auch in Englisch! – und die Seite hat bereits beeindruckende 1,4 Millionen Seitenaufrufe verzeichnet. Mit einer Privatinitiative hat er ein beeindruckendes Archiv geschaffen, das Werke von großen Regisseuren wie F.W. Murnau, Fritz Lang und Sergej Eisenstein umfasst. Dazu kommen Klassiker wie „Nosferatu“, „Metropolis“ und „Panzerkreuzer Potemkin“, sowie die unvergesslichen Komödianten Laurel & Hardy, Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd.

Ein Erbe der Filmkunst

Die Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria hat Gruber intensiviert, und er vertont restaurierte alte Filme, die online abrufbar sind. Diese Raritäten sind nicht nur für Filmfans von großem Wert, sondern tragen auch dazu bei, die Geschichte des Kinos lebendig zu halten. Gruber ist mehr als nur ein Pianist – er ist ein Bewahrer des filmischen Erbes, der mit jedem Tastenanschlag das Publikum in eine andere Zeit entführt. Der Klang seiner Musik vermischt sich mit den Bildern und schafft eine magische Atmosphäre, die die Zuschauer fesselt und berührt.

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Es ist beeindruckend zu sehen, wie jemand mit solcher Leidenschaft und Hingabe eine Kunstform am Leben erhält, die viele für längst vergangen halten. Gerhard Gruber zeigt uns, dass die Welt des Stummfilms immer noch frisch und lebendig ist – und das ist einfach wunderbar.

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