Heute ist der 17.05.2026, und wir blicken in Ried im Innkreis auf ein bewegendes Kapitel unserer Geschichte zurück. Historiker Gottfried Gansinger hat sich seit Jahrzehnten mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Sein Buch „Nationalsozialismus im Bezirk Ried im Innkreis, Widerstand und Verfolgung 1938-1945“, das 2016 erstmals veröffentlicht wurde, ist nun in der fünften Auflage erschienen. Damit bringt er nicht nur die Schrecken dieser Zeit ans Licht, sondern lädt uns auch dazu ein, darüber nachzudenken, was Verlust von Rechtsstaat und Demokratie für die Gesellschaft bedeutet.
Gansinger legt in seinem Werk besonderen Wert auf die Aufklärung der Jugend. „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen verstehen, was damals geschehen ist“, sagt er. Die Tatsache, dass Nobelpreisträger Anton Zeilinger das Buch als neu erzählend bezeichnet und oft zitiert, spricht Bände über die Qualität und Relevanz der Forschung. Auch der ORF-Journalist Tarek Leitner hebt die eindringlichen Schilderungen von Leid und Gleichgültigkeit hervor, die Gansinger in seinen Texten verarbeitet.
Die bewegte Vergangenheit des Bezirks Ried
Der Bezirk Ried im Innkreis hatte während der NS-Zeit eine alles andere als ruhige Rolle. Viele Verbindungen zwischen Opfern und Tätern existierten, und die Grausamkeiten des Nationalsozialismus werden in Gansingers Buch eindrucksvoll dokumentiert. Es ist nicht nur eine chronologische Auflistung der Ereignisse, sondern vielmehr eine fundierte Darstellung, die den Leser tief in die Vergangenheit eintauchen lässt. Mit rund 200 Interviews von Zeitzeugen bietet die Publikation persönliche Einblicke und Geschichten, die oft im Schatten der Geschichte verborgen blieben.
Die Schilderungen umfassen Einzeldarstellungen zu Tätern und Opfern, die inhaftiert wurden, in Konzentrationslager geschickt oder sogar ermordet wurden. Gansinger erzählt die Geschichten dieser Menschen und bringt Licht in ein dunkles Kapitel unserer Region. Sein Engagement für die Aufarbeitung der NS-Zeit ist nicht zu übersehen. Er wurde von der oberösterreichischen Landesregierung zum „Konsulent für Volksbildung und Heimatpflege“ ernannt und hat zahlreiche Beiträge zur NS-Zeit verfasst.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt
Das Buch ist nicht nur ein historisches Dokument, sondern auch ein Aufruf zur Reflexion. Gansinger betont, wie wichtig es ist, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und den Verlust an Werten wie Toleranz und Menschenrechte nicht zu vergessen. Für seine Verdienste erhielt er 2009 das „Bundes-Ehrenzeichen für Toleranz und Menschenrechte“ und leitet heute die Arbeitsgruppe Zeitgeschichte & Gedenkkultur. Ein wahrer Hüter des Gedächtnisses!
Erhältlich ist das Buch zum Preis von € 29,90 im Museum Innviertler Volkskundehaus, und man kann es bequem unter kultur@ried.gv.at bestellen. Es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen – nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für alle, die verstehen wollen, wie die Vergangenheit unsere Gegenwart prägt.