Heute ist der 3.06.2026 – ein Datum, das nicht nur für die Menschen in Perg von Bedeutung ist, sondern auch für die Erinnerung an eine dunkle Zeit in der Geschichte. Es ist der Tag, an dem ein Sammelband über die „Fremdvölkischen Kinderheime“ im „Gau Oberdonau“ vorgestellt wurde. Diese Heime, die während des Nationalsozialismus ins Leben gerufen wurden, stehen im Zentrum einer erschreckenden Realität: Zehntausende Frauen und Mädchen leisteten Zwangsarbeit im „Gau Oberdonau“. Viele von ihnen wurden aus ihren Heimatländern ins „Deutsche Reich“ verschleppt, oft unter dem Vorwand, Arbeit zu finden. Der Preis für diese vermeintliche Hoffnung war die schreckliche Realität der Zwangsarbeit.
In diesen Heimen, die zwischen 1943 und den letzten Kriegsjahren eröffnet wurden, lebten Säuglinge und Kleinkinder osteuropäischer und sowjetischer Zwangsarbeiterinnen. Die katastrophalen Bedingungen, unter denen sie lebten, führten oft zu schweren Erkrankungen und in vielen Fällen sogar zum Tod. Die Versorgung war mangelhaft, und zahlreiche Kinder dürften verhungert sein. Diese dunklen Kapitel der Geschichte werfen ein Licht auf die Abgründe des NS-Regimes, das Frauen und Kinder als bloße Objekte ansah, und die unmenschlichen Bedingungen, die sie erleiden mussten.
Einblicke in die Zwangsarbeit
Aber die Geschichte der Zwangsarbeit reicht weit über die Grenzen von Oberdonau hinaus. Von 1933 bis 1945 wurden über 20 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit gezwungen. Das Ausmaß ist schier unfassbar: Arbeitskräfte aus verschiedenen Ländern wurden in Rüstungsbetrieben, auf Baustellen und in der Landwirtschaft ausgebeutet. Besonders die „Ostarbeiter“ wurden ab 1942 ins Deutsche Reich deportiert – viele von ihnen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Umstände waren oft so schlimm, dass die Sterblichkeit unter den Zwangsarbeitern extrem hoch war, insbesondere bei sowjetischen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen.
Die Schicksale der Frauen, die in den „Fremdvölkischen Kinderheimen“ untergebracht waren, sind Teil eines größeren Puzzles, das die Brutalität der nationalsozialistischen Politik zeigt. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass viele dieser Frauen schwanger wurden – oft infolge von Vergewaltigungen. Das NS-Regime reagierte darauf mit Rückverbringung von Schwangeren und Zwangsabtreibungen, was die Grausamkeit ihrer Situation nur unterstreicht. Zugleich wurden die Heime als Orte der Vernichtung durch Vernachlässigung betrachtet. Und das alles geschah in einem System, das die Menschenwürde mit Füßen trat.
Das Erbe der Zwangsarbeit
Die Vorstellung, dass Pläne für ein „Fremdvölkisches Kinderheim“ in Klam im Bezirk Perg existierten, aber nicht umgesetzt wurden, lässt einen schaudern. Man fragt sich, was hätte sein können, wenn diese Pläne tatsächlich in die Tat umgesetzt worden wären. Nach dem Krieg waren die Überlebenden dieser Zwangsarbeit oft als „Displaced Persons“ in Lagern untergebracht, und die Schwierigkeiten bei der Repatriierung waren groß, besonders während der politischen Umbrüche in ihren Heimatländern. Es ist erschütternd, dass viele von ihnen von Entschädigungen ausgeschlossen blieben, während Unternehmen, die von dieser Ausbeutung profitierten, nach dem Krieg teilweise zur Zahlung von Entschädigungen verurteilt wurden.
Die Gründung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ im Jahr 2000 war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, um symbolische Entschädigungen für ausländische Zwangsarbeiter bereitzustellen. Doch die Frage bleibt: Wie können wir sicherstellen, dass die Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse nicht in Vergessenheit gerät? Viele Ausstellungen und Dokumentationszentren widmen sich mittlerweile diesem Thema, um das Bewusstsein zu schärfen und die Geschichten der Betroffenen lebendig zu halten.
Der Sammelband, der heute in Spital am Pyhrn vorgestellt wurde, ist nicht nur ein wissenschaftliches Werk, sondern auch ein Akt des Gedenkens. Der Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim hat mit seiner Projektgruppe jahrelange Forschungsarbeit geleistet, um diese oft vergessenen Schicksale ans Licht zu bringen. Es ist wichtig, dass wir uns mit dieser Vergangenheit auseinandersetzen und die Stimmen derjenigen hören, die leiden mussten. Denn nur so können wir die Lehren aus der Geschichte ziehen und sicherstellen, dass sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.