Der Aufstand vor den Toren: Bauernkampf und Burg Clam im Jahr 1626
Im Mai 1626, als die Welt noch ganz anders war, kam es zu einem Aufeinandertreffen, das die Geschichte der Burg Clam für immer verändern sollte. Johann Gottfried Perger, ein evangelischer Burgherr, verhandelte mit aufständischen Bauern, die sich vor den Toren der Burg versammelt hatten, um für ihre Rechte zu kämpfen. Die Stimmung war angespannt, und rund 60 Bauern umzingelten die Burg – ein Bild von Entschlossenheit und Verzweiflung, das die Wände der alten Gemäuer zum Beben brachte. Aber nur sechs von ihnen durften – etwas widerwillig – in den Hof eintreten, um mit Perger zu sprechen. Ein mutiger Schritt, um eine gewaltsame Eskalation zu verhindern, denn die Bauern waren verzweifelt durch hohe Abgaben und die drückende Wirtschaftslage, die den Oberösterreichischen Bauernkrieg auslösten.
Was viele nicht wissen: Historiker Peter Fraundorfer hat die Geschichte seines Heimatorts digitalisiert und wertvolle archäologische Funde bis ins 20. Jahrhundert zusammengetragen. Diese Aufzeichnungen sind auf der Gemeindehomepage zugänglich und bieten einen tiefen Einblick in die damaligen Verhältnisse. Der Konflikt war nicht nur lokal begrenzt; er war Teil einer größeren Bewegung, die von Spannungen zwischen den evangelischen Bauern und den katholischen Herrschern geprägt war. Perger, der in dieser kritischen Situation die Verhandlungen führte, lehnte es ab, die Bauern anzuführen, auch als sie vor den verschlossenen Toren der Burg standen. Stattdessen bot er ihnen Bier an – eine kurvenreiche Strategie, um die Gemüter zu beruhigen und die Wogen zu glätten.
Bauernkrieg und seine Wurzeln
Ein entscheidendes Ereignis, das den Aufstand anheizte, war eine Wirtshausrauferei am 17. Mai 1626, bei der Bauern und bayerische Besatzer aufeinandertrafen. Die Situation eskalierte, und die Bauern – die unter wirtschaftlicher Not litten und unter hohen Abgaben ächzten – sahen sich gezwungen, für ihre Rechte zu kämpfen. Der Kaiser, misstrauisch gegenüber dem nicht katholischen Adel, zweifelte an der Loyalität der Adligen und führte zur Entwaffnung von Perger im Jahr 1627. Ein Jahr später konvertierte dieser zum katholischen Glauben. Was für ein Wandel! Von einem Herrscher, der die Bauern verhandeln wollte, zu einem Mitglied der katholischen Gemeinde – der Druck war erdrückend.
Der Bauernkrieg zog sich bis November 1626 hin und forderte das Leben von etwa 12.000 von 40.000 bäuerlichen Kämpfern. Das sind Zahlen, die einen ergreifen, nicht wahr? Philipp Blittersdorff berichtete 1933 über den „Handstreich der Bauern auf Schloss Clam“, basierend auf den Aufzeichnungen von Perger. Diese Geschichte ist nicht nur eine lokale Erzählung, sondern ein Spiegelbild der tiefen gesellschaftlichen Spannungen, die in der damaligen Zeit herrschten.
Das Leben der Bauern im 17. Jahrhundert
Die Lebensumstände der Bauern waren alles andere als rosig. Sie mussten nicht nur einen erheblichen Teil ihrer Ernte und ihres Verdienstes abgeben, sondern auch handwerkliche Dienste leisten. Die „Abgabe im Todesfall“ war besonders grausam: Im Falle eines Todes musste die Familie des Verstorbenen das beste Gewand und das beste Stück Vieh an den Grundherren abgeben. Viele lebten in Leibeigenschaft, hatten kaum eigene Rechte und waren gezwungen, dem Grundherrn zu gehorchen. Wohnsitzwechsel und Heiratsentscheidungen benötigten dessen Erlaubnis – ein beengendes Gefühl, als wären sie Gefangene in ihrem eigenen Leben.
1517 veröffentlichte Martin Luther sein Werk „Von der Freyheith eines Christenmenschen“, das viele Bauern als Unterstützung für ihre Forderungen nach Freiheit interpretierten. Ein Missverständnis, wie sich herausstellte, denn Luther forderte Gehorsam gegenüber den Herren. Ulrich Zwingli hingegen sah in der Bibel eine Grundlage für ein gerechtes Leben und argumentierte, dass Menschen die Obrigkeit absetzen dürften, wenn diese gegen biblische Regeln verstößt. Diese Ideen schwirrten in den Köpfen der Bauern umher und entfachten den Wunsch nach Veränderung.
Im März 1525 trafen sich Bauernvertreter, um das „göttliche Recht“ einzuführen und ihre Beschwerden in zwölf Artikeln zusammenzufassen. Eine zentrale Forderung war die Aufhebung der Leibeigenschaft – ein Aufschrei nach Freiheit, der in der Luft lag, aber von den Herren oft mit Unverständnis und Ironie beantwortet wurde. Und so blieb der Kampf der Bauern um ihre Rechte ein zähes Ringen, das weit über die Mauern der Burg Clam hinausging.
