Am 3. Mai 2026 wurde im Linzer Priesterseminar ein ganz besonderes Fest gefeiert: Erna Putz, die unermüdliche Botschafterin des geistlichen Erbes von Franz und Franziska Jägerstätter, feierte ihren 80. Geburtstag. Rund 100 Gäste kamen zusammen, um diese bemerkenswerte Frau zu ehren, die seit fast 50 Jahren an der Front der Erinnerungskultur steht. Es war mehr als nur eine Feier; es war ein Zeichen der Wertschätzung für eine Person, die nicht nur Geschichte erforscht hat, sondern sie auch lebendig hält.
Die Diözese Linz und das Land Oberösterreich würdigten Erna Putz für ihre herausragenden Leistungen. Besonders beeindruckend ist ihr Engagement für Franz Jägerstätter, einen Kriegsdienstverweigerer, der von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Erna Putz, die am 21. Mai 2026 mit dem Titel „Konsulentin der Wissenschaft“ ausgezeichnet wurde, hat mit ihrer Biografie über Jägerstätter aus dem Jahr 1985 Maßstäbe gesetzt und dessen Schriften und Briefe veröffentlicht. Ihre Arbeit hat nicht nur in Österreich, sondern auch international Beachtung gefunden – sie wurde in acht Sprachen übersetzt!
Ein Leben für die Erinnerung
Natürlich begann alles mit einer Begegnung, die alles veränderte. Im Jahr 1979 traf Erna Putz auf Franziska Jägerstätter, die Witwe des Widerstandskämpfers. Dieses Treffen entfachte in ihr die Leidenschaft für die Jägerstätter-Geschichte. Von da an ließ sie sich nicht mehr aufhalten. Sie knüpfte Kontakte zur Friedensbewegung, sogar in den USA, und initiierte zahlreiche Gedenkveranstaltungen, besonders am Todestag von Franz Jägerstätter, dem 9. August. Irgendwie hat sie es geschafft, das öffentliche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Oberösterreich maßgeblich zu prägen.
Erna Putz ist nicht nur eine Forscherin, sondern auch eine Macherin. Sie organisierte Gedenkveranstaltungen und Namenslesungen in Oberösterreich, und auf ihre Initiative hin wurde das Gedächtnisbuch OÖ erstellt – eine Sammlung von Biografien von NS-Opfern. Ihr Einsatz hat zur Seligsprechung von Franz Jägerstätter am 26. Oktober 2007 beigetragen, ein Meilenstein, der erst durch den Film von Terrence Malick über Jägerstätter im Jahr 2019 ins Rampenlicht gerückt wurde. Komischerweise hat dieser Film das Interesse an Jägerstätter und seiner Geschichte noch einmal neu entfacht.
Ein starkes Erbe
Erna Putz wurde 1946 in Ohlsdorf als ältestes von neun Kindern geboren. Sie studierte Theologie sowie Politik- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Salzburg. Ihre Leidenschaft für die Geschichte der Jägerstätter begann jedoch erst durch die Begegnung mit Franziska Jägerstätter. Zuvor arbeitete sie als Pfarrhaushälterin in Ostermiething und begann, ihre Forschungen im Rahmen eines Doktorats zu vertiefen. Ihr Engagement blieb nicht unbemerkt: Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Solidaritätspreis der Linzer Kirchenzeitung im Jahr 2002 und das Ehrendoktorat der Katholischen Privat-Universität Linz im Jahr 2017.
Die Würdigung von Erna Putz ist auch ein Zeichen des Wandels in der Wahrnehmung von Franz Jägerstätter. Der Arbeiter aus Eisenerz, der einst beinahe seinen Glauben verlor und in ein Kloster eintreten wollte, wurde erst Jahrzehnte nach seinem Tod als Held und Widerstandskämpfer anerkannt. Seine Witwe, Franziska, kämpfte lange für die Anerkennung seines Opfers und erhielt erst 1950 eine Witwenrente. Jägerstätter selbst wurde von vielen österreichischen Katholiken wegen seiner Haltung zum Kriegsdienst abgelehnt. Die Aufarbeitung seiner Geschichte begann erst langsam und wurde durch zahlreiche Gedenkveranstaltungen und Medien (wie den Film „Ein verborgenes Leben“) wiederbelebt.
Ein Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz in Wien, das Jägerstätter würdigt, und das Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der Katholischen Privatuniversität Linz sind weitere Beweise dafür, dass Erna Putz’ Engagement fruchtet und das Erbe von Franz Jägerstätter heute mehr denn je geschätzt wird. Die Erinnerungen werden fortgeführt, mit ehrlichem Respekt und tiefer Dankbarkeit.